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Medizin

Studie: Armut und Gewalt können pränatale Hirnentwicklung behindern

Dienstag, 3. Mai 2022

/SciePro, stock.adobe.com

St Louis/Missouri – Kinder, deren Mütter in ärmeren Stadtteilen wohnen, haben bei der Geburt ein klei­neres Hirnvolumen und eine verminderte Faltung der Hirnrinde. Dies kam in einer Kohortenstudie in JAMA Network Open (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.7045) heraus, die Kinder in den 1. Lebenswochen mit der Magnetresonanztomografie untersucht hatte.

Laut einer weiteren Analyse in Biological Psychiatry (2022; DOI: 10.1016/j.biopsych.2022.01.020) könnte sich auch die Kriminalitätsrate negativ auf die pränatale Hirnentwicklung auswirken.

Die eLABE-Studie („Early Life Adversity, Biological Embedding“) begleitet eine Gruppe von Schwangeren, die überwiegend in den ärmeren Stadtteilen von St.Louis wohnen. Die Hälfte war bei der Krankenver­sicherung auf staatliche Unterstützung angewiesen oder nicht versichert, 2/3 waren alleinstehend, 1/4 gab einen Marihuanakonsum während der Schwangerschaft an. Von Armut betroffen sind in den USA vor allem Afroamerikanerinnen, deren Anteil an der Kohorte bei etwa 60 % lag.

In den 1. Lebenswochen wurden die Säuglinge während sie schliefen in einem Magnetresonanztomogra­fen (MRT) untersucht (was im Gegensatz zur Computertomografie nicht mit einem Strahlenrisiko verbun­den ist). Das MRT diente einerseits der Vermessung des Gehirns. Die „Resting State“-fMRT erlaubte darü­ber hinaus Einblicke in die funktionellen Verbindungen des Gehirns.

In den MRT-Scans beobachtete das Team um Christopher Smyser von der Washington University School of Medicine in St. Louis, dass die Kinder von Müttern, die in Armut lebten, ein kleineres Hirnvolumen hatten. Vermindert waren auch die kortikale graue Substanz, die subkortikale graue Substanz und die weiße Substanz gegenüber Neugeborenen, deren Mütter ein höheres Haushaltseinkommen hatten.

Vor allem die verminderte Hirnfaltung ist laut Smyser Zeichen einer Unreife des Gehirns. Die Ursachen konnte die Studie nicht klären. Eine Vermutung, dass ein erhöhter Psychostress für die Störung der Hirn­entwicklung verantwortlich ist, ließ sich nicht bestätigen.

Beim „Resting State“-fMRT wurden Defizite vor allem bei den Kindern gefunden, deren Mütter in Gegen­den mit einer erhöhten Kriminalitätsrate lebten. Betroffen waren die Nervenverbindungen im limbischen System und im Frontalhirn, also in den Bereichen, die später für die Verarbeitung von Gefühlen und für exekutive Funktionen („Verstand“) benötigt werden.

Im „Resting State“-fMRT, das wenn auch sehr allgemeine Aussagen über die Funktionsfähigkeit des Ge­hirns ermöglicht, gab es eine Verbindung zu einem erhöhten Psychostress, zu dem es in Gegenden mit einer erhöhten Kriminalitätsrate leicht kommen kann. Die Studie zeigt, dass die Benachteiligungen, denen Kinder in ärmeren Stadtteilen ausgesetzt sind, offenbar bereits vor der Geburt einsetzen. © rme/aerzteblatt.de

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