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Medizin

Einblicke in die Risikowahrnehmung von Hebammen

Donnerstag, 5. Mai 2022

/Kzenon, stock.adobe.com

Bochum – Die Risikowahrnehmung von Hebammen und Geburtshelfern in Deutschland ist komplex und beinhaltet sowohl medizinische, strukturelle als auch organisatorische Faktoren.

Im Jahr 2017 wurden 34 % der Schwangerschaften in Deutschland als Hochrisiko eingestuft und im Jahr 2019 wurde bei fast 80 % der Schwangeren ein sogenanntes „Geburtsrisiko“ dokumentiert. Eine ange­messene Risikowahrnehmung ist essenziell, um Mütter und Neugeborene bestmöglich zu versorgen, ohne dabei Risiken bagatellisieren oder zu überschätzen.

Jedoch stellt die genaue Definition des Begriffs „Risiko“ in der Geburtshilfe eine Herausforderung dar, da geburtshilfliche Gesundheitsberufe dieses Thema unterschiedlich bewerten, was mitunter zu kontro­versen Diskussionen führt.

Welche Konstellationen Hebammen und Geburtshelfer aus Deutschland bei der Entbindung als Risiko­reich empfinden, haben Bochumer Wissenschaftler analysiert (Midwifery, 2022; DOI: 10.1016/j.midw.2021.103234). Als Informationsquelle dienten im Wesentlichen 4 Gruppendiskussionen zwischen Juni und Oktober 2019 mit insgesamt 24 Hebammen und Geburtshelfern aus Deutschland, die im klinischen Umfeld in der Geburtshilfe tätig waren.

Die Quantitative Auswertung der Diskussionen ergab, dass sowohl medizinische, strukturelle als auch organisatorische Faktoren die Risikowahrnehmung von Hebammen und Geburtshelfern beeinflussen, betonen die Studienautoren

Unter den medizinischen Geburtsrisiken wurden verschiedene Diagnosen, wie vorzeitiger Membranbruch (PROM), Frühgeburt, hypertensive Störungen in der Schwangerschaft, Fettleibigkeit, Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen, vorhergegangener Kaiserschnitt, Mehrlingsschwangerschaften, Plazenta praevia, Steißlage, Fruchtwasserembolie (Geburtshilfliches Schocksyndrom), (schwere) Präeklampsie und abnorme fetale Herzmuster erfasst. Außerdem wurden soziokulturelle Faktoren wie mangelnde Sprachkenntnisse oder eine Geburt in Stresssituationen genannt.

Strukturelle und organisatorische Themen, wie zum Beispiel Personalmangel und übermäßige Arbeits­be­lastung dominierten ebenfalls die Diskussionsrunden zum Thema riskante Situationen im Kreißsaal. Bei der Wahrnehmung und dem Umgang mit riskanten Situationen wurde in allen Gruppen betont, wie wichtig es sei, Vertrauen auf eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen zu haben. Die am häufigsten als prekär bewerteten Situationen waren (mangelndes) Vertrauen in berufliche Fähigkeiten, Kommuni­kationsdefizite und unzureichende Schulungen bei der Einarbeitung von Kollegen.

Die Zusammensetzung des Teams und die Zusammenarbeit mit Kollegen kann die Wahrnehmung von Risikosituationen sowohl positiv als auch negativ beeinflussen, betonten die Diskussionsteilnehmer. In allen Gruppendiskussionen wurde eine Eins-zu-Eins-Betreuung als das ideale Konzept für eine Risiko­minimierung beschrieben. Die Teilnehmer waren davon überzeugt, dass eine Einzelbetreuung dazu beitragen kann, Hochrisikosituationen im Kreißsaal zu vermeiden und auf schwierige Geburtssituationen besser zu reagieren.

Die Teilnehmer verknüpften sowohl medizinische und strukturelle/organisatorische Faktoren mit geburts­hilflichen Risiken, schlussfolgern die Studienautoren. Auffällig war, dass der Fokus weniger auf dem Vorliegen medizinischer Risikofaktoren, z.B. Auffälligkeiten in der Anamnese oder dem geburts­hilflichen Prozess, lag, sondern vielmehr darauf, ob und inwieweit es möglich ist, auf Auffälligkeiten innerhalb der vorherrschenden organisatorischen und strukturellen Bedingungen zu reagieren. © cw/aerzteblatt.de

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