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Medizin

Schwere Hepatitis-Erkran­kungen bei Kindern in mehreren europäischen Ländern und US-Staat geben Rätsel auf

Dienstag, 19. April 2022

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Glasgow – Ungewöhnlich schwere Hepatitis-Erkrankungen bis hin zum Leberversagen, die bei Kindern normalerweise ungewöhnlich sind, haben in den letzten Wochen die Gesundheitsbehörden in Groß­britan­nien, Spanien und im US-Staat Alabama beschäftigt

Die schottische Gesundheitsbehörde hat in Eurosurveillance (2022; DOI: 10.2807/1560-7917.ES.2022.27.15.2200318) Einzelheiten und eine vorläufige Falldefinition publiziert. Die Gesundheits­behörde von Alabama vermutet eine Verbindung zum Adenovirus 41. Für einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2 gibt es derzeit keine sicheren Anhalts­punkte.

Hepatitis-Erkrankungen sind bei Kindern keineswegs ungewöhnlich. In der Regel verlaufen sie jedoch sehr milde, wenn sie überhaupt bemerkt werden. In der Regel liegt ihr eine virale Hepatitis zugrunde, die sich laborchemisch nachweisen lässt.

In Schottland ist es seit März jedoch zu einer Häufung von schweren Fällen gekommen. „Public Health Scotland“ in Glasgow berichtete am 14. April von 13 Fällen, von denen nur einer zu einem früheren Zeit­punkt aufgetreten war. Damit sind in Schottland innerhalb weniger Wochen fast doppelt so viele Kinder wegen einer schweren Hepatitis im Krankenhaus behandelt worden wie sonst in einem Jahr. Und in den früheren Jahren konnte bei den Kindern in der Regel eine Infektion mit Hepatitis A- bis E-Viren nach­gewiesen werden.

Bei den aktuellen Erkrankungen fielen alle Tests auf Hepatitisviren negativ aus. Einige Kinder waren mit Adenoviren infiziert, was für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich ist. Adenoviren verursachen normaler­weise keine Hepatitis (auch wenn dies in seltenen Fällen beschrieben wurde). Auch SARS-CoV-2, mit dem einige Patienten infiziert waren, wurde bisher nicht mit Hepatitis-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Nach den von Kimberly Marsh von Public Health Scotland und Mitarbeitern in Eurosurveillance veröf­fentlichten Einzelheiten sind die Kinder an einer schweren Hepatitis erkrankt mit Transaminasewerten von über 2.000 IE/l (Normalwert 10 bis 40 IE/l). Insgesamt 3 Kinder mussten wegen eines akuten Leber­versagens in Spezialkliniken nach England verlegt werden, wo sie auf eine dringende Lebertransplan­tation warten.

„Public Health Scotland“ hat ein „National Incident Management Team“ gebildet, um die Fälle näher zu untersuchen. Die vorläufige Falldefinition umfasst alle Kinder im Alter bis einschließlich 10 Jahre, bei denen es seit dem 1. Januar 2022 zu einem Anstieg von Aspartataminotransferase (AST) oder Alanin­aminotransferase (ALT) auf mehr als 500 IE/l aus unbekannter Ursache gekommen ist. Ein Verdachtsfall liegt bei Kindern bis 10 Jahren vor, die an einer Gelbsucht ohne bekannte Ursache erkranken, sowie bei Erkrankungen von Kontaktpersonen jeden Alters.

Das mediane Alter der Fälle betrug 3,9 Jahre, die meisten waren zwischen 3 und 4 Jahre alt. Die Erkran­kungen sind hauptsächlich in Zentralschottland aufgetreten. Ein geografisches Muster, etwa ein Wohnort in der Nähe eines Sees oder Flusses ist dem Bericht zufolge nicht erkennbar.

Die Befragungen von Eltern und Erziehungsberechtigten ergaben bisher keine Hinweise auf einen Auslöser. 2 von 9 Kindern, zu denen nähere Informationen vorliegen, hatten Kontakt zu 2 anderen erkrankten Kindern.

Zu den initialen Symptomen gehörten Gelbsucht (8 von 9 Fällen), Bauchschmerzen (7 von 9 Fällen) sowie Übelkeit und Unwohlsein (6 von 9 Fällen) vor der Aufnahme. Wegen des Verdachts einer möglichen Ver­bindung zu SARS-CoV-2 waren 4 Kinder eingehender befragt worden. Die Kinder hatten in den Wochen vor der Aufnahme über Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Erbrechen und Lethargie geklagt, aber nicht über Fieber.

Alle Patienten wurden über mindestens 6 Tage im Krankenhaus behandelt. 5 waren zum Berichtszeit­raum noch in der Klinik, darunter 1 Kind, bei dem erfolgreich eine Lebertransplantation durchgeführt wurde.

Alle Kinder waren vor der Erkrankung gesund. Nur 1 Kind hatte eine Vorerkrankung. Insgesamt 5 der 13 Kinder waren bereits an SARS-CoV-2 erkrankt: Bei 2 lag die Erkrankung 2 Monate zurück, 2 waren inner­halb der letzten 11 Tage erkrankt. Bei einem Kind war der Schnelltest bei der Aufnahme positiv, der PCR-Test jedoch nicht.

Die Kinder wurden auch auf Enteroviren, Parechovirus, humanes Herpesvirus 6 und 7, Varicella zoster-Virus und Adenoviren getestet. Bei 5 der 13 Kinder fiel der PCR-Test auf Adenoviren positiv aus: 2 Mal im Rachenabstrich, 2 Mal im Blut und 1 Mal im Stuhl. Eine Kausalität beweist dies nicht. In Schottland ist es in diesem Jahr wieder zu einer saisonalen Epidemie mit Adenoviren gekommen. Im letzten Jahr war sie ausgefallen.

Die „UK Health Security Agency“, die dem britischen Gesundheitsministerium untersteht, berichtete am 8. April, dass 60 Fälle in England untersucht würden.

Nach einem Bericht der Tageszeitung El Pais sind in Spanien 3 Kinder zwischen 2 und 7 Jahren in ver­schiedenen Teilen des Landes erkrankt (Ciudad Real, Madrid und Aragón). Ein Kind benötigte eine Leber­transplantation, heißt es in der Zeitungsmeldung.

Im US-Bundesstaat Alabama sind nach Auskunft der dortigen Gesundheitsbehörde 9 Kinder unter 10 Jahren an einer Hepatitis erkrankt, von denen 2 Kinder eine Lebertransplantation benötigten.

Die Kinder stammten aus dem gesamten Bundesstaat und eine epidemiologische Verbindung zwischen ihnen war nicht zu erkennen. Laut dem „Alabama Department of Public Health“ wurde bei allen 9 Kin­dern das humane Adenovirus 41 nachgewiesen. Dieses Virus ist ein häufiger Erreger von Durchfallerkran­kungen bei Kindern. Mit einer Hepatitis wurde es bisher nicht in Verbindung gebracht.

Nach einem Bericht von Science sind auch einzelne Fälle in den Niederlanden und in Dänemark aufgetreten (2021; DOI: 10.1126/sciadv.abe0974) . Die Gesundheitsbehörden haben dies jedoch bisher nicht bestätigt. © rme/aerzteblatt.de

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