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Medizin

Studie: COVID-19-Pneumonie erhöht Demenzrisiko

Mittwoch, 20. April 2022

/Kirsty Pargeter, stock.adobe.com

Columbia/Missouri – Patienten mit COVID-19, die aufgrund einer schweren Pneumonie im Krankenhaus behandelt werden müssen, erkranken in den Folgemonaten häufiger an einer Demenz als Patienten mit einer Pneumonie aus anderen Ursachen.

Dies ist das Ergebnis einer Fall-Kontrollstudie in Open Forum Infectious Diseases (2022; DOI: 10.1093/ofid/ofac115).

Es ist bekannt, dass eine schwere Pneumonie die ausreichende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff gefährden kann. Vor allem ältere Patienten haben nach der Entlassung ein erhöhtes Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Bei COVID-19 könnte die starke Freisetzung entzündlicher Zytokine zu einer zusätzlichen Hirnschädigung führen.

Diese Vermutung wird jetzt durch eine Big-Data-Analyse bestätigt. Adnan Qureshi von der Missouri School of Medicine in Columbia und Mitarbeiter fanden unter 1,4 Milliarden Behandlungen, die bei „Cerner Real World Data“ gespeichert waren, 10.403 Fälle, in denen Patienten wegen einer schweren COVID-19-Pneumonie mindestens einen Tag im Krankenhaus behandelt wurden.

312 Patienten (3 %) wurden mehr als 30 Tage später wegen einer Demenz hospitalisiert. In einer Vergleichsgruppe von 10.403 Patienten, die wegen einer anderen Pneumonie hospitalisiert wurden, kam es später zu 263 Hospitalisierungen (2,5 %) aufgrund einer Demenz. Die Demenzen traten median 182 Tage nach der COVID-19-Pneumonie auf.

Qureshi ermittelt nach der Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen eine Odds Ratio von 1,3, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,1 bis 1,5 signifikant war. In einer 2. Modellberechnung wurden zusätzliche Komplikationen der Pneumonie wie septischer Schock, Intubation, maschinelle Beatmung und Schlaganfall berücksichtigt.

An der Odds Ratio (1,3; 1,1-1,5) änderte sich nichts, weshalb Qureshi davon ausgeht, dass eine Pneumonie bei COVID-19 häufiger zu einer Demenz führt als bei anderen Ursachen.

Am stärksten betroffen waren ältere Patienten. In der Altersgruppe der über 70-Jährigen erkrankten 6,4 % der Patienten nach einer COVID-19-Pneumonie an einer Demenz. Nach Pneumonien aus anderen Ursachen erkrankten 5,0 % an einer Demenz.

Dass schwere COVID-19-Erkrankungen häufiger zu kognitiven Störungen führen, hatten kürzlich auch chinesische Forscher beobachtet. Von den Patienten, die zu Beginn der Epidemie in Spezialkliniken in Wuhan behandelt worden waren, wiesen 12 Monate später 12,75 % kognitive Störungen auf. Das Risiko nahm mit dem Schweregrad von COVID-19 zu, was für einen kausalen Zusammenhang spricht (JAMA Neurology, 2022; DOI: 10.1001/jamaneurol.2022.0461).

In einer Analyse der TriNetX-Datenbank, die elektronische Krankenakten von 81 Millionen US-Patienten verwaltet, war bei 12,84 % der COVID-19-Patienten – alle Schweregrade – in den 6 Folgemonaten eine neue neurologische oder psychiatrische Diagnose gestellt worden, darunter waren 0,67 % mit einer Demenz (Lancet Psychiatry, 2021; DOI: 10.1016/S2215-0366(21)00084-5). © rme/aerzteblatt.de

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