NewsMedizinStimmungsbild zur allgemeinen Impfpflicht gegen COVID-19
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Stimmungsbild zur allgemeinen Impfpflicht gegen COVID-19

Donnerstag, 21. April 2022

/HNFOTO, stock.adobe.com

Köln – Eine ausreichend hohe Immunität gegen COVID-19 wird allein durch frei­willige Impfungen in Deutschland offenbar nicht erreicht werden können.

Vor diesem Hintergrund haben Thomas Rieger und Carsten Schröder vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, zusammen mit Christoph Schmidt-Petri vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) untersucht, wie es um die Akzeptanz einer allgemeinen Impfpflicht gegen COVID-19 bestellt ist (Deutsches Ärzteblatt, 2022; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0174).

Dabei sind die Wissenschaftler auch den Fragen nachgegangen, welche Bevölke­rungsgruppen sie befürworten, welche sie ablehnen, und was die Gründe für eine Zustimmung beziehungsweise Ablehnung sind.

Für ihre Analyse nutzte das Autorenteam repräsentative Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Das SOEP umfasst eine Zufallsstichprobe aus der Bevölkerung mit Wohnsitz in Deutschland, deren Mitglieder jährlich an Befragungen teilnehmen. Aufgrund der weitreichenden Folgen der COVID-19-Pandemie wurde das SOEP 2021 um ein neues COVID-19-Befragungsmodul ergänzt.

Im Zeitraum Januar bis Dezember 2021 wurden 17.132 Probanden nach ihrer Meinung zu einer allgemeinen Impfpflicht gegen COVID-19 interviewt. Darüber hinaus wurden Daten zu Soziodemografie, Gesundheit, politischer Einstellung und Vertrauen ins Rechtssystem und in die Politik erhoben. Diese Datengrundlage werteten die Autoren mit univariaten, bivariaten und multivariaten statistischen Methoden aus.

Es zeigte sich, dass die knappe Mehrheit der Befragten einer allgemeinen Impfpflicht gegen COVID-19 zustimmte. Begründet wurde dies vor allem mit dem Standpunkt, dass sich andernfalls nicht genug Menschen impfen lassen würden. Als wichtigsten Grund für eine Ablehnung nannten die Gegner am häufigsten den Wunsch nach individueller Freiheit.

Die Gruppe der Befürworter war älter, seltener tertiär gebildet, weniger gesund, eher kinderlos, eher politisch mittig und hatte mehr Vertrauen in die Politik. Allerdings waren diese Unterschiede im Vergleich zur Gruppe der Impfpflichtgegner nicht sehr groß. Der größte Unterschied bestand vielmehr darin, dass die Befürworter deutlich häufiger selbst gegen COVID-19 geimpft waren, als die Gegner (90 versus 62 %).

Künftige Analysen sollten sich nach Ansicht der Autoren der Frage widmen, wie sich die Einstellungen zur Impfpflicht gegen COVID-19 über die Zeit hinweg ändern und beeinflussen lassen. Darüber hinaus dürfte nicht nur eine Rolle spielen, ob eine Impfpflicht in Deutschland eingeführt werde, sondern auch, wie sie im Detail umgesetzt werden würde. © Se/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER