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Medizin

Adipositas: Intervallfasten kann Restriktionsdiät (ein wenig) unterstützen

Dienstag, 10. Mai 2022

/vetre, stock.adobe.com

Guangzhou/China – Ein Intervallfasten, das die Nahrungsaufnahme auf 8 Stunden am Tag begrenzte, hat in einer randomisierten Studie die Gewichtsabnahme unter einer Kalorienrestriktion nur tendenziell gesteigert. Auch beim Taillenumfang, BMI, Körperfett, fettfreier Körpermasse, Blutdruck und den metabolischen Risikofaktoren gab es laut den jetzt im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2114833) publizierten Ergebnissen nur marginale Vorteile.

Das Intervallfasten hat sich in den letzten Jahren zu einer populären Diät entwickelt. Wie oft bei den wechselnden Ernährungsmoden konnte sich die Idee zunächst nur auf tierexperimentelle Studien stützen. Inzwischen wurden zwar einige klinische Pilotstudien publiziert, in denen die Diät allerdings oft nur über wenige Wochen betrieben wurde und/oder in denen eine Vergleichsgruppe fehlte, was die Aussagekraft einschränkt.

Die chinesische „TREATY“-Studie hat die Teilnehmer über einen Zeitraum von 12 Monaten begleitet und dabei untersucht, ob das Intervallfasten die Wirksamkeit einer medizinischen Restriktionsdiät verstärken kann.

An der Nanfang-Klinik der Medizinischen Universität des Südens in Guangzhou (dem früheren Kanton) wurden 139 jüngere Erwachsene (Durchschnittsalter 32 Jahre) mit Adipositas (Durchschnitts-BMI 31 bei 38 % Körperfett) auf eine Restriktionsdiät gesetzt mit 1.500 bis 1.800 kcal pro Tag für Männer und 1.200 bis 1.500 kcal pro Tag für Frauen, was etwa 75 % der vorherigen Energiezufuhr entsprach.

Die Hälfte der Teilnehmer wurde gebeten, die Nahrung nur über einen Zeitraum von 8 Stunden am Tag zu sich zu nehmen (8 Uhr bis 16 Uhr), bei der anderen Hälfte gab es keine Einschränkungen. Deying Liu und Mitarbeiter konnten nach 12 Monaten 118 Patienten (84,9 %) untersuchen.

In dieser Zeit hatte die Gruppe mit den eingeschränkten Essenszeiten 8,0 kg abgenommen. In der Gruppe ohne Beschränkungen war das Körpergewicht um 6,3 kg gefallen. Der Nettounterschied von 1,8 kg war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 0,4 kg bis 4,0 kg nicht signifikant.

Die Studie hatte damit das Ziel, die Wirkung der Restriktionsdiät durch die Vorgabe von Intervallen der Nahrungsaufnahme weiter zu senken, nicht erreicht. Auch in den übrigen Endpunkten der Körperzusammensetzung wie BMI, Taillenumfang, Körperfett in kg und %, fettfreie Körpermasse, Fläche des abdominalen und subkutanen Fettgewebes waren die Ergebnisse in der Gruppe mit Intervallfasten tendenziell besser.

Auch in den meisten kardiometabolischen Parametern wie Blutdruck, Herzfrequenz, HDL-Cholesterin, Glukose, Insulin und HOMA-Index war ein Trend zu einem besseren Ergebnis erkennbar (Ausnahme: LDL-Cholesterin). Das Signifikanzniveau wurde jedoch niemals erreicht, weshalb ein Zufallsergebnis nicht ausgeschlossen werden kann.

Ein möglicher Grund für die fehlende Wirkung könnte sein, dass die Teilnehmer auch vor der Studie ein auf 10 Stunden und 23 Minuten begrenztes Intervall der täglichen Nahrungsaufnahme angegeben hatten. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war demnach nicht sehr groß. In China ist das Mittagessen die wichtigste Mahlzeit, am späten Abend wird nicht mehr gegessen. Ob in anderen Kulturkreisen bessere Ergebnisse erzielt worden wären, ist offen.

In einer früheren Studie hatte ein Team um Ethan Weiss von der Universität von Kalifornien in San Francisco ebenfalls keine Vorteile eines Intervallfastens ermitteln können. Insgesamt 116 übergewichtige Patienten waren auf begrenzte Essenszeiten (von 12 bis 20 Uhr) oder eine zeitlich unbegrenzte Nahrungszufuhr (jeweils ohne Kalorienrestriktion) randomisiert worden.

Nach den in JAMA Internal Medicine (2020; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.4153) publizierten Ergebnissen führte das Intervallfasten zwar innerhalb von 12 Wochen zu einer signifikanten Gewichtsabnahme von 0,68 kg (0,05-1,41 kg), was aber auf einen eher unerwünschten Rückgang der fettfreien Körpermasse zurückzuführen war. Die kardiometabolischen Parameter besserten sich nicht.

In einigen anderen Pilotstudien wurden dagegen Vorteile durch das Intervallfasten beobachtet. Hua Cai von der Universität von Hunan in Changsha und Mitarbeiter erzielten in einer randomisierten Studie bei Patienten mit nichtalkoholischer Fettlebererkrankung durch die Beschränkung der Nahrungsaufnahme auf jeden 2. Tag innerhalb von 4 Wochen eine Gewichtsreduktion von 6,1 %, ohne dass Vorgaben zur Nahrungsmenge gemacht wurden. Die Vorteile waren auch nach 12 Wochen noch nachweisbar (BMC Gastroenterology, 2019; DOI: 10.1186/s12876-019-1132-8).

Sofia Cienfuegos von der Universität von Illinois in Chicago erreichte durch eine Verkürzung des Intervalls auf 4 oder 6 Stunden am Tag eine Reduktion der Kalorienaufnahme um 550 kcal pro Tag, was bei den 20 fettleibigen Patienten über 10 Wochen zu einem Gewichts­verlust von 3 % führte. Die Studie hatte keine Vergleichsgruppe ohne Restriktionen (Cell Metabolism, 2020; DOI: 10.1016/j.cmet.2020.06.018).

Hana Kahleova von der Karls-Universität Prag und Mitarbeiter konnten über 12 Wochen bei 54 fettleibigen Patienten mit Typ-2-Diabetes durch die Beschränkung auf 2 Mahlzeiten am Tag (zwischen 6 Uhr und 16 Uhr) das Körpergewicht stärker reduzieren als mit einem Tagesplan mit 6 Mahlzeiten, die den gleichen Kalorien­gehalt hatten wie die 2 Mahlzeiten. Auch Nüchternblutzucker und Insulinwirkung verbesserten sich (Diabetologia, 2014; DOI: 10.1007/s00125-014-3253-5).

In einer Studie mit überwachter Nahrungszufuhr konnten Elizabeth Sutton vom Pennington Biomedical Research Center in Baton Rouge in Louisiana und Mitarbeiter durch die Beschränkung auf die Nahrungszufuhr auf 6 Stunden ebenfalls den Glukosestoffwechsel bei Männern mit Prädiabetes verbessern (Cell Metabolism, 2018; DOI: 10.1016/j.cmet.2018.04.010).

Dorothea Kesztyüs vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Ulm und Mitarbeiter konnten in einer Pilotstudie zeigen, dass auch Hausärzte adipöse Patienten erfolgreich zum Intervallfasten motivieren können. Nach 3 Monaten hatten 40 Teilnehmer mit viszeraler Adipositas ihren Taillenumfang um durchschnittlich 5,3 cm vermindert. 3 Patienten hatten sogar eine Waist-to-Height Ratio von unter 0,5 erreicht (Nutrients, 2019; DOI: 10.3390/nu11122854). © rme/aerzteblatt.de

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