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Meningitis-Medi­kament bei Aids: Ärzte ohne Grenzen fordert Preis­senkungen

Montag, 25. April 2022

Krankenschwester bei einer Sensibilisierung der Bevölkerung in Burundi zum Thema Hygiene, HIV und Aids. /picture alliance, Philipp Ziser

Berlin – Ärzte ohne Grenzen (ÄoG) fordert den Pharmakonzern Gilead auf, die Preise für Amphotericin B (L-AmB) massiv zu senken. Bereits 2018 habe Gilead versprochen, das in der Behandlung von HIV-Patienten wichtige Antimykotikum in mehr als 100 Ländern günstiger anzubieten, aber bis heute nicht Wort gehalten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte jüngst neue Leitlinien für die Behandlung von Kryptokokken-Meningitis mit einem vereinfachten Regime verabschiedet: Auf eine einzelne hochdosierte Gabe von L-AmB soll demnach eine zweiwöchige Gabe Flucytosin und Fluconazol folgen.

Ziel der WHO ist, die Zahl der weltweiten Todesfälle durch Kryptokokken-Meningitis bis 2025 um 50 Prozent und bis 2030 um 90 Prozent zu verringern. Die Kryptokokken-Meningitis ist nach Tuberkulose die zweithäufigste Todesursache unter HIV/Aids-Patienten.

Ärzte ohne Grenzen begrüßt die neuen WHO-Leitlinien. Allerdings sei speziell für Länder mit mittlerem oder geringerem wirtschaftlichen Entwicklungsstand der Zugang zu L-AmB eine große Herausforderung. „Diese lebensrettende Behandlung bleibt außer Reichweite und unerschwinglich für viel zu viele Menschen, die sie wirklich benötigen“, sagt die auf HIV spezialisierte Pharmazeutin Jessica Burry von ÄoG. „Um sicherzugehen, dass wir die neuen WHO-Ziele, die Zahl der Todesfälle durch Kryptokokken-Meningitis signifikant zu senken, erreichen muss Gilead alles tun, um sein Versprechen einzuhalten und L-AmB zum Zugangspreis zur Verfügung zu stellen.“

Einen solchen Zugangspreis habe Gilead im September 2018 für insgesamt 116 Länder mit mittlerem oder geringem Einkommen garantiert. 16,25 US-Dollar sollte ein Vial demnach kosten. Verträge mit Großhändlern in vielen Ländern würden den Zugang zu diesem Preis jedoch verhindern. So koste L-AmB in Indien bis heute 70, in Südafrika 200 und in Brasilien sogar 373 US-Dollar pro Durchstechflasche.

Mehr als drei Jahre nach seinem Versprechen habe Gilead so nur in 63 der vorgesehenen Länder den zugesagten Preis ermöglicht. „Die eingeschränkte Verfügbarkeit von qualitätsgesichertem L-AmB und Flucytosin bedeutet, dass Behandler in Subsahara-Afrika Probleme haben, Menschen mit Kryptokokken-Meningitis zu therapieren oder das Risiko eingehen, sie suboptimal zu behandeln zu behandeln, weil diese Arzneimittel nicht zur Verfügung stehen“, sagt Freddy Mangana, Medizinischer Leiter der Bereiche HIV und Tuberkulose bei Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo. Nur zwei der 63 Länder seien in Subsahara-Afrika.

Hinzu komme, dass Gilead nicht nur sein Preisversprechen nicht halte, sondern auch eine bessere Verfügbarkeit von L-AmB behindere. Denn zwar ist das Antimykotikum bereits seit 2016 patentfrei, allerdings würden Generikahersteller seitdem daran scheitern, eigene Produktionen aufzubauen – auch weil Gilead sich bisher einem Technologietransfer verweigere und sich dabei auf Handelsgeheimnisse berufe. „Das ermöglicht Gilead, sein Monopol und die hohen Preise für dieses Arzneimittel aufrechtzuerhalten“, schreibt Ärzte ohne Grenzen.

Gilead hatte Ende 2019 von der US-Arzneimittelbehörde FDA die Genehmigung für eine neue Produktionsanlage in Kalifornien erhalten. Es sei erwartet worden, so ÄoG, dass sich die Liefersituation dadurch Mitte 2020 verbessert. Die vier- bis sechsmonatigen Vorbestellungszeiträume hätten damit ein Ende finden sollen.

Doch es kam anders: Gilead hatte sich entschieden, in der Anlage das Virostatikum Remdesivir – damals einer der größten Hoffnungsträger in der COVID-19-Therapie – zu produzieren, weshalb keine Kapazitäten für L-AmB mehr blieben. Immerhin wurde die Produktion Ende 2021 wieder umgestellt und die FDA hat das erste Generikum zugelassen. © lau/aerzteblatt.de

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