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Medizin

Herzinfarkt: Risiko hoher Cholesterinwerte wird in Deutschland weiter unterschätzt

Montag, 25. April 2022

psdesign1stock.adobe.com

München – Seit zweieinhalb Jahren empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Anlehnung an eine Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) eine striktere Kontrolle der Cholesterinwerte bei Menschen mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko.

Eine europaweite Beobachtungsstudie zeigt jedoch, dass die neuen Zielwerte derzeit von den wenigsten Patienten eingehalten werden. Auch in Deutschland ist dies die Ausnahme, wie eine auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellte Analyse zeigt.

Die US-Fachgesellschaften hatten 2013 eine Zeitenwende in der Behandlung von hohen Cholesterinwerten eingeleitet. Die Behandlung orientierte sich nicht mehr an den Laborwerten, sondern am Risiko der Patienten auf eine atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung (ASCVD). Je höher der ASCVD-Score, desto intensiver sollte das LDL-Cholesterin gesenkt werden – und zwar unabhängig vom Ausgangswert, weshalb auch keine keine Zielwerte mehr vorgegeben wurden.

Die European Society of Cardiology hat im August 2019 die Idee einer Risiko-abhängigen Therapie aufgegriffen. Es werden allerdings weiterhin Zielwerte vorgegeben. Diese wurden allerdings gesenkt. Für Personen mit einem sehr hohen kardiovaskulären Risiko wird ein LDL-Cholesterin von 55 mg/dl gefordert. Bei einem hohen Risiko sollte das LDL-Cholesterin auf mindestens 70 mg/dl gesenkt werden.

Die SANTORINI-Studie hat nach der Publikation der europäischen Leitlinie untersucht, wie viele Patienten in diesen Risikogruppen, die Zielwerte erreichen. An 541 Zentren waren die Verordnungen von 9.606 Patienten analysiert worden, die ein hohes oder sehr hohes ASCVD-Risiko hatten. Nach den im August 2021 auf dem ESC Congress vorgestellten Ergebnissen hatten 80 % der Patienten die Zielwerte nicht erreicht. Insgesamt 18,6 % hatten gar keine Cholesterinsenker eingenommen. Die Mehrheit der Patienten (54,1 %) hatte nur eine Monotherapie erhalten. Eine Kombinations­behandlung war bei 27,3 % der Patienten erfolgt.

Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig hat zusammen mit Katja Tuppatsch vom Hersteller Daiichi Sankyo, dem Sponsor der Studie, jetzt die Daten für Deutschland vorgestellt. Die 2.086 Patienten wurden überwiegend von Kardiologen (71,5 %) betreut. Die Behandlungsquote lag tendenziell unter dem euro­päischen Durchschnitt. Insgesamt 20,6 % der Patienten hatten (trotz der überwiegenden Betreuung durch einen Facharzt) keine Cholesterin­senker erhalten. Bei 59,6 % war eine Monotherapie und bei 19,9 % eine Kombinationstherapie durchgeführt worden.

Die LDL-Cholesterinwerte lagen bei den Patienten mit sehr hohem ASCVD-Risiko bei 95,4 mg/dl. Den geforderten Zielwert von 55 mg/dl hatten nur 12,1 % erreicht. Bei den Patienten mit hohem ASCVD-Risiko lag der LDL-Cholesterinwert im Mittel bei 114,1 ml/dl. Den angestrebten Zielwert von 70 mg/dl hatten lediglich 17,9 % erreicht.

Laut Laufs und Tuppatsch wird das Risiko, das von hohen Choleste­rin­werten ausgeht, in Deutschland in den meisten Fällen unter­schätzt. © rme/aerzteblatt.de

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