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Medizin

Genomsequenzierung verbessert Diagnose von Kardiomyopathien

Montag, 25. April 2022

/cutimage, stock.adobe.com

Ulm – Kardiomyopathien haben häufig genetische Ursachen, vor allem, wenn sie bei jüngeren Menschen auftreten. Die Universitätsklinik Ulm hat eine Biobank für die Erkrankungen eingerichtet.

Die auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass sich eine gezielte Genomse­quenzierung lohnen kann.

Kardiomyopathien können bereits im jungen Alter zu einer Herz­schwäche führen, die am Ende eine Herztransplantation notwendig macht. Noch gefürchteter sind Herzrhythmusstörungen.

Ein plötzlicher Herztod kann das 1. Zeichen der Erkrankung sein. Den Sinn einer genetischen Diagnose beschreiben Michael Baumhardt und Privatdozent Alexander Pott von der Inneren Klinik 2 in Ulm am Beispiel von 2 Schwestern. Die ältere Schwester war im Alter von Anfang 20 an einer schweren Herzschwäche erkrankt.

Bei einer molekulargenetischen Untersuchung wurde eine krankheitsauslösende Mutation gefunden. Die Umfelddiagnostik ergab dann, dass die jüngere Schwester dieselbe Mutation hatte.

Kaum erreicht sie das Alter, in dem die ältere Schwester erkrankte, erleidet auch sie eine Herzinsuffizienz. Die ältere Schwester hat inzwischen einen Sekundenherztod dank eines implantierbaren Defibrillators (ICD) überlebt. Inzwischen ist sie auf der Warteliste für eine Herztransplantation.

Dass der kleinen Schwester dasselbe Schicksal droht, ist laut Pott nicht ganz sicher. Nicht immer führe derselbe Genotyp zu demselben Phänotyp. Vorsicht und die rechtzeitige Implantation eines ICD dürften jedoch angezeigt sein.

Die Ulmer Mediziner führen in ähnlichen Fällen heute eine gezielte Genomsequen­zierung durch. Mit modernen Sequenzierautomaten („next generation sequencing“) werden 143 Gene untersucht, die schon einmal mit Kardiomyopathien in Verbin­dung gebracht wurden. Die Ergebnisse werden in der Biobank für Kardiomyopathien Ulm gespeichert.

Zwischen 2018 und 2021 wurden 184 Patienten untersucht: Bei 132 war eine Kardiomyopathie (72 %) und bei 41 (22 %) ein Arrhythmiesyndrom diagnostiziert worden. Die übrigen 11 Patienten (6 %) hatten einen plötzlichen Herztod überlebt.

In 101 Fällen (55 %) wurden Auffälligkeiten in mindestens 1 untersuchten Gen gefunden. Bei 52 Patientinnen (28 %) lag eine Mutation vor, die nachweislich oder wahrscheinlich für die Erkrankung verantwortlich war.

Bei weiteren 49 Patienten (27 %) ist die Bedeutung der entdeckten Mutationen noch unklar. Bei 29 Patienten (16 %) lagen gleich mehrere Mutationen vor. Die Bedeutung dieser „Compound­mutationen“ ist ebenfalls noch Gegenstand der Forschung.

Die meisten Mutationen wurden im TTN-Gen gefunden. Es enthält die genetische Information für Titin, einem Bestandteil der Sarko­mere, den motorischen Einheiten der Muskelzellen. Mit ca. 34.000 ist Titin das größte bekannte menschliche Protein.

Mutationen im TTN-Gen sind eine bekannte Ursache von dilatativen Kardiomyo­pathien. Weitere Mutationen befanden sich im MYBPC3-Gen. Es kodiert das „myosin-binding protein C, cardiac-type“. Defekte können eine hypertrophe Kardiomyopathie auslösen.

Mutationen im PKP2-Gen, das die Information for das Protein Plakophilin-2 in den Desmosomen enthält, sind eine bekannte Ursache der arrhythmogenen rechtsven­trikulären Kardiomyopathie.

Weitere Erkrankungen waren ein Brugadasyndrom durch Mutationen im SCN5A-Gen und ein Long-QT-Syndrom (LQTS) durch Muta­tionen im KCNH2-Gen. Bei Patienten mit überlebtem plötzlichem Herztod fand sich als häufigste Genmutation das DSC2-Gen, gefolgt vom SCN5A-Gen.

Warum die Mutationen zur Kardiomyopathie führen untersuchen die Forscher seit Jahren im Zebrafischtiermodell. Die Hoffnung ist, dass sich aus der Kenntnis der Pathogenese Anregungen für eine zielgerichtete Behandlung ergeben. © rme/aerzteblatt.de

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