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Medizin

Omikron: Booster-Schutz vor Hospitalisierung geht nach 3 Monaten zurück

Montag, 25. April 2022

/CREATIVE WONDER, stock.adobe.com

Pasadena/Kalifornien – Die gute Schutzwirkung vor einer Hospitalisierung wegen COVID-19, die durch eine Boosterung erzielt wird, könnte rascher abklingen als bisher angenommen. Eine Test-negative Fall-Kontrollstudie dokumentiert in Lancet Respiratory Medicine (2022; DOI: 10.1016/S2213-2600(22)00101-1) für den mRNA-Impfstoff von Biontech-Pfizer eine bereits nach 3 Monaten zurückgehende Schutzwirkung vor Hospitalisierungen und Notfallbehandlungen.

Die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 hat sich genetisch deutlich vom Wildtyp entfernt, gegen den die derzeit verfügbaren Impfstoffe konzipiert sind. Vor allem die Rezeptorbindungsstelle, mit der das Virus an die Zellen andockt, wird von den Antikörpern kaum noch erkannt. Die Folge ist eine verminderte Schutzwirkung vor Infektionen, die sich gleich zu Beginn der Omikron-Welle zeigte. Es kam zu einer vermehrten Zahl von Impfdurchbrüchen.

Die ersten Studien zeigten jedoch auch, dass Patienten, die eine dritte Impfdosis (Booster) erhalten hatten, in der Regel nur leicht erkrankten. Immunologen führten dies auf die Induktion einer T-Zell-Antwort zurück, verbunden mit der Hoffnung, dass die Schutzwirkung vor schweren Erkrankungen nach der Boosterung länger erhalten bleibt.

Eine Untersuchung der „Health Maintenance Organization“ (HMO) Kaiser Permanente zeigt jetzt, dass diese Annahme zu optimistisch gewesen sein könnte. Sara Tartof von der Forschungsabteilung des Gesundheit­sanbieters in Pasadena hat die Daten von 11.123 Patienten ausgewertet, die zwischen dem 1. Dezember 2021 und dem 6. Februar 2022 an einer der Kliniken der HMO wegen einer möglichen COVID-19-Erkrankung behandelt wurden.

In einer sogenannten Test-negativen Fall-Kontrollstudie, die auch zur Beurteilung der jährlichen Grippe-Impfung durchgeführt wird, haben die Epidemiologen die Wirksamkeit der Impfungen gegen Delta und Omikron ermittelt. Die Analyse ist auf den Impfstoff BNT162b2 beschränkt, der bei den Mitgliedern von Kaiser Permanente hauptsächlich eingesetzt wird.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Schutzwirkung vor einer Hospitalisierung mit einer Delta-Infektion, die in den ersten 6 Monaten nach der Grundimmunisierung 84 % betrug, in den Folgemonaten mit 73 % nur leicht zurückging. Ein Booster steigerte die Schutzwirkung in den ersten 3 Monaten auf 89 %, danach fiel er auf 71 % ab, was aber immer noch ein gutes Ergebnis ist. Die Daten zu einem Schutz vor einer Notfallbehandlung waren ähnlich.

Der Schutz, den eine Grundimmunisierung vor einer Hospitalisierung mit einer Omikron-Infektion bot, war geringer. Er lag innerhalb der ersten 3 Monate nach der 1. Dosis bei 68 % (95-%-Konfidenzintervall 48 bis 80 %) und fiel nach 9 Monaten auf 41 % (21-55 %). Diese verminderte Schutzwirkung der Grundimmunisierung wurde frühzeitig erkannt. Ab Dezember wurde vermehrt für eine Boosterung geworben.

Tatsächlich steigerte der Booster die Schutzwirkung vor einer Hospitalisierung wegen Omikron in den ersten 3 Monaten auf 85 % mit einem engen 95-%-Konfidenzintervall von 80 bis 89 %. Die von Tartof vorgestellten Daten zeigen jedoch, dass die Schutzwirkung vor einer Hospitalisierung in den Monaten danach deutlich auf 55 % abfiel. Das weite 95-%-Konfidenzintervall von 28 bis 71 % zeigt, dass dies eine vorläufige Einschätzung ist.

Beim Schutz vor einer Notfallbehandlung wegen Omikron sind die Zahlen ähnlich: Ohne Booster fiel die Schutzwirkung von 64 % (51-73 %) in den ersten 3 Monaten nach 6 bis 9 Monaten auf 51 % (43-59 %) und nach 9 Monaten auf 31 % (16-43 %).

Die 3. Dosis BNT162b2 steigerte die Schutzwirkung in den ersten 3 Monaten auf 77 % (72-81 %). Danach fiel sie auf 53 %, wobei auch hier das 95-%-Konfidenzintervall von 36 bis 66 % recht weit ist. Eine sehr gute Schutzwirkung darf jedoch nach 3 Monaten nicht mehr erwartet werden.

Die Ergebnisse dürften die Diskussion um eine 4. Dosis befeuern. Die Ständige Impfkommission empfiehlt sie derzeit für Menschen ab 70 Jahren oder mit bestimmten Vorerkrankungen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte sich kürzlich in Brüssel für eine vierte Impfung für alle ab 60 Jahren ausgesprochen.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte Anfang April erklärt, eine vierte Dosis für alle Bürger sei derzeit nicht notwendig. Sie könne aber für Menschen ab 80 Jahren sinnvoll sein angesichts des höheren Risikos einer schweren Covid-Erkrankung.

Noch besser als eine 4. Dosis von BNT162b2 oder einem anderen der gegen den Wildtyp konzipierten Impfstoffe dürfte eine Impfung mit einer auf Omikron angepassten Vakzine sein. Kandidatenimpfstoffe werden derzeit klinisch getestet und könnten in der 2. Jahreshälfte zur Verfügung stehen. Derzeit ist allerdings nicht abzusehen, wie sich das Virus in der Zwischenzeit genetisch weiter entwickeln wird. © rme/aerzteblatt.de

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