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Medizin

Kardioprotektiver Effekt von SGLT2-Inhibitoren könnte mit Erhöhung des myokardialen Eisengehalts zusammenhängen

Dienstag, 26. April 2022

/Viewfinder, stock.adobe.com

Mannheim – Der Schutz, den SGLT2-Inhibitoren vor kardiovaskulären Ereignissen bieten, könnte einer Post-hoc-Analyse der EMPATROPISM-Studie zufolge mit dem Effekt der Substanzen auf den Eisenmeta­bolismus zusammenhängen.

Dies berichtete Christiane Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffi­zienz am Universitätsklinikum Würzburg (DZHI) bei der 88. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim.

In der EMPATROPISM-Studie wurde Empagliflozin bei Herzinsuffi­zienz­patienten ohne Diabeteserkrankung gegen Placebo verglichen. Der SGLT2-Inhibitor kehrte zum einen das für Herzinsuffizienz typische kardiale Remodeling um und erhöhte zum anderen die kardiopulmonale Belastbarkeit der Patienten.

„Mehr als die Hälfte unserer Patienten mit chronischer Herzinsuffi­zienz haben einen Eisenmangel“, berichtete Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensiv­medizin am Universitätsklinikum Aachen.

Von einem Mangel spricht man, wenn der Ferritinwert im Serum unter 100 µg/l liegt. Bei einem Ferritinwert unter 100-300 µg/l besteht definitionsgemäß ein Mangel, wenn gleichzeitig die Transferrin­sättigung unter 20 % liegt.

EMPATROPISM-FE: Effekt von Empagliflozin auf Eisengehalt im Herzen

Die Substudie EMPATROPISM-FE sollte klären, ob Empagliflozin den kardialen Eisengehalt verändert und inwiefern dies mit dem kardialen Remodeling, der kardiopulmonalen Belastbarkeit und dem roten Blutbild zusammenhängt.

Die Einschlusskriterien für EMPATROPISM-FE waren eine linksventri­kuläre Ejektionsfraktion (LVEF) <50 %, eine stabile Symptomatik unter Therapie, kein Diabetes und keine Eisensubstitution. Erfüllt wurden sie in beiden EMPATROPISM-Studienarmen von jeweils 40 Patienten. Bei ihnen wurde zur Ermittlung des Eisengehalts im Herzen die T2-Zeit im kardialen MRT bestimmt.

Abnahme der T2-Zeit im Kardio-MRT

„Die Ergebnisse des kardialen T2-Mapping wurden von 2 unabhängi­gen Untersu­chern beurteilt, die sowohl hinsichtlich des Zeitpunktes als auch des Studienarms verblindet waren“, betonte Angermann.

Beide kamen zu dem Ergebnis, dass die T2-Zeit innerhalb der 6-monatigen Studiendauer um im Schnitt 1,53 Millisekunden abgenom­men hatte. „Das ist ein im Vergleich zu Placebo signifikanter Behand­lungs­effekt, der für eine Zunahme des myokardialen Eisengehaltes spricht“, erklärte Angermann.

Des Weiteren zeigte sich, dass die Abnahme der T2-Zeit mit einer Abnahme des Ventrikelvolumens, einer Zunahme der LVEF und einer Abnahme der linksventri­kulären Masse assoziiert war. „All dies könnten Effekte des vermehrten Eisens im Myokard sein“, sagte die Würzburger Kardiologin.

Noch stärker sei die Korrelation aber zwischen der T2-Abnahme und der maxima­len Sauerstoffaufnahme sowie der Gehstrecke beim 6-Minuten-Gehtest gewesen.

Zunehmender Eisenmangel im System

Hinsichtlich des Eisenstatus berichtete sie, dass Ferritin um relevante 25 % abge­nommen habe. Und „der heute als Maß aller Dinge beim Eisenmangel angesehene lösliche Transferrin-Rezeptor (sTFR) nahm zu“. Beide Veränderungen sprächen für einen zunehmenden Eisenmangel im System.

Darüber hinaus sei die Hepcidinkonzentration unter Empagliflozin im Vergleich zu Placebo gesunken.

Im roten Blutbild war eine Zunahme von Hämoglobin und Hämatokrit, aber eine Abnahme des mittleres Erythrozyteneinzelvolumens (MCV), des mittleren korpuskulären Hämoglobins (MCH) und der mittleren korpusukulären Hämoglobinkonzentration (MCHC) sowie eine Erweiterung der Größenverteilung der roten Blutzellen zu beobachten – eindeutige Hinweise auf eine Aktivierung der Hämatopoese, wie Angermann erklärte.

Korrelation mit kardialem Remodeling

Sie fasste zusammen, dass 6 Monate Behandlung mit Empagliflozin bei stabilen, nicht-diabetischen Herzinsuffizienzpatienten zu einer verringerten myokardialen T2-Zeit führe, was auf eine Repletion des myokardialen Eisengehalts hindeute.

Die in EMPATROPISM beobachteten günstigen Veränderungen des kardialen Remodeling und der kardiopulmonalen Belastbarkeit korrelierten mit der Abnahme von T2 beziehungsweise der Zunahme des Eisens.

„Die gleichzeitigen Veränderungen der Eisenlaborwerte und des roten Blutbilds deuten auf eine Zunahme des Eisenmangels und der Eisen­uti­lisation hin“, ergänzte sie.

Neuartiger Mechanismus

„EMPATROPISM-FE ist die 1. Studie, die zeigt, dass die Behandlung mit einem SGLT2-Inhibitor zu einer Repletion des myokardialen Eisen­gehalts führt, assoziiert mit günstigen Effekten auf das kardiale Remodeling und die kardiopulmonale Belastbarkeit“, sagte Marx.

Die Studie liefere wichtige Informationen zu einem neuartigen Mechanismus, der die vorteilhaften Effekte von SGLT2-Inhibitoren in den jüngsten Studien zur Herzinsuffizienz erklären könnte.

Und auch Angermann schlussfolgert: „Diese Beobachtungen sind ein Hinweis darauf, dass die Effekte von Empagliflozin auf den Eisenstoff­wechsel bei den Mechanismen, die die positiven klinischen Effekte des SGLT2-Inhibitors vermitteln, eine Rolle spielen könnten.“

Allerdings könne angesichts der kleinen Stichprobe und des Post-hoc-Designs der EMPATROPISM-FE-Studie nur eine Hypothese generiert werden, die in einer prospektiven, randomisierten, multizentrischen Studie weiter untersucht werden müsse. © nec/aerzteblatt.de

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