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Medizin

Antibiotika: Resistente C. difficile könnten von Schweinen auf Menschen übertragen werden

Freitag, 29. April 2022

/Nicolae, stock.adobe.com

Kopenhagen – Dieselben Clostridioides difficile-Bakterien, die für eine steigende Zahl von schwer behandelbaren Darminfektionen beim Menschen verantwortlich sind, lassen sich häufig auf Schweinefarmen nachweisen.

Die genetische Verwandtschaft der Bakterien war in einer Studie, deren Ergebnisse auf einer Tagung der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) vorgestellt wurden, so eng, dass eine Übertragung von Tier auf den Menschen mehr als wahrscheinlich erscheint.

Infektionen mit Clostridioides (früher Clostridium) difficile (CDI) haben sich zu einem ernsthaften Gesundheitsproblem entwickelt. Die Erreger sind für eine steigende Zahl von Darminfektionen verant­wortlich. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, die sich im Krankenhaus mit dem häufig multiresistenten Keim infizieren.

An deutschen Krankenhäusern ist die CDI für 10 % aller nosokomialen Infektionen verantwortlich. C. difficile tritt zunehmend auch bei ambulanten Patienten auf, bei denen sich die Herkunft des Erregers meist nicht ermitteln lässt.

Semeh Bejaoui von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter des Statens Serum Institut sind in einer Studie der Frage nachgegangen, ob eine zoonotische Infek­tion möglich ist. Als Reservoir kommen die Tiere auf Schweinefarmen infrage, wo häufig ein intensiver Einsatz von Antibiotika betrieben wird, um Epidemien in den engen Ställen zu vermeiden oder auch um die Mast der Tiere zu beschleunigen.

Dies führt zur Selektion von resistenten Keimen in den Därmen der Tiere. In früheren Studien wurde bei Schweinen der Ribotyp 078 nachgewiesen, dem häufig der Sequenztyp (ST) 11 zugrunde liegt. Dieser Stamm wird auch bei Patienten mit CDI nachgewiesen. In Deutschland ist der Ribotyp 078 der vierthäufigste Erreger von CDI.

Die Forscher untersuchten Stuhlproben von 514 Schweinen. Bei 54 Schweinen, also mehr als jedem 10. Tier, wurde C. difficile nachgewiesen. Am häufigsten infiziert waren Säue und Ferkel.

Die Forscher sequenzierten das Genom der Bakterien und verglichen es mit dem von C. difficile aus 934 menschlichen Stuhlproben. In 16 Fällen war die Gense­quenz bis auf 3 Stellen identisch. Dies ist ein starker Hinweis darauf, dass die Bakterien tatsächlich von Tieren auf den Menschen übertragen wurden.

Eine Infektion in die andere Richtung wäre theoretisch auch möglich, in der Praxis aber unwahrscheinlich, da Patienten mit CDI keinen Kontakt zu Schweineställen haben dürften. Eine Übertragung von Schweinen auf den Menschen ist dagegen etwa durch den Verzehr von kontaminiertem Fleisch eher denkbar.

Dass von den C. difficile der Schweine ein gesundheitliches Risiko ausgeht, zeigte sich an der Verbreitung von Resistenzen. Insgesamt enthielten 38 Isolate der Tiere mindestens 1 Resistenzgen.

Die Forscher wiesen insgesamt Resistenzen gegen 7 Antibiotika­klassen nach. Am häufigsten waren Resistenzen gegen Makrolide, Beta-Laktame, Aminoglykoside und Vancomycin. Diese starke Verbrei­tung lässt sich nur durch den Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht erklären. Er könnte laut Bejaoui mit dazu beitragen, dass CDI beim Menschen immer schwerer zu behandeln sind. © rme/aerzteblatt.de

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