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Ärzteschaft

Ärzte sehen Impfen als ureigene Aufgabe an

Dienstag, 26. April 2022

/Africa Studio, stock.adobe.com

Berlin – Gegen die Übertragung des Impfrechtes auf nicht-ärztliche Professionen sprachen sich heute die Bundesärztekammer (BÄK), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), der Hausärzteverband sowie der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (Spifa) aus.

„Impfen kann Leben retten. Deshalb müssen wir alles dafür tun, die Durchimpfungsraten in Deutschland zu erhöhen. Kontraproduktiv aber ist es, das hohe Qualitätsniveau von Impfleistungen in Deutschland zu senken und das Impfrecht neben Ärztinnen und Ärzten auch auf ande­re Professionen aus dem Gesundheitswesen zu übertragen“, kommen­tierte BÄK-Präsident Klaus Reinhardt aktuelle Pläne der Ampel­koalition, Grippeschutz­impfungen über die gegenwärtigen Modell­projekte hinaus regelhaft auch durch Apotheker anzubieten. Impfen gehöre zur ärztlichen Regelversorgung.

„Aus gutem Grund ist Impfen eine urärztliche Aufgabe. Es geht nicht um den Stich allein. Vielmehr gehören zu den ärztlichen Impfleistun­gen unter anderem die Impfanamnese, der Ausschluss akuter Erkran­kungen und die Aufklärung zur Impfung“, so Reinhardt. Mögliche Kom­plikationen wie akute allergische Reaktionen, Kreislauf­probleme sowie Angstreaktionen müssten beherrscht werden.

Auch die Kenntnisse über Impfungen zum Beispiel bei den unter­schiedlichen Formen von Autoimmun­erkrankungen, beim Einsatz immunsupprimierender Therapien, bei Schwangeren und bei chro­nisch Erkrankten setzten eine entsprechende ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung voraus. In Tagesseminaren ließen sich diese Kennt­nisse sicher nicht vermitteln.

Zudem postuliere der Gesetzgeber einen niederschwelligen Zugang zu Impfungen über das Netz der Apotheken. Dabei verkenne er aber, dass es in Deutschland lediglich etwa 20.000 Apotheken gibt, von denen nur ein Teil in der Lage wäre, die räumlichen Anforderungen zur Durchführung einer Impfung zu erfüllen. Im Vergleich dazu seien mehr als 160.000 Ärzte im ambulanten Versorgungsbereich tätig, rund ein Drittel davon sind Hausärzte.

„Es stehen also ausreichend Ärztinnen und Ärzte für Grippeschutz­impfungen zur Verfügung. Zur Erhöhung der Durchimpfungsrate in Deutschland sind keine zusätzlichen Impfangebote notwendig, son­dern gut verständliche und auf die verschiedenen Zielgruppen angepasste Informationen über das Impfen, die im Internet, auf sozia­len Netzwerken, in Arztpraxen und gerne auch in Apotheken zur Verfü­gung gestellt werden sollten. Die Impfung selbst muss aber aus Grün­den des Patientenschutzes eine ärztliche Aufgabe bleiben“, so der BÄK-Präsident.

Auch der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, hat Plänen der Ampel-Koalition, Apotheken in die Regelversorgung mit Grippe­schutz­impfungen einzubeziehen, eine deutliche Absage erteilt. Die Durchführung von Impfungen sei eine ganz zentrale ärztliche Leis­tung, erklärte Gassen.

„Das Impfen in Apotheken ist die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat“, kritisierte er. „Alle bisherigen Versuche, das Impfen in Apotheken zu etablieren, haben nicht funktioniert. Trotz aller Bewer­bung durch ABDA und regelrechter Lobbyarbeit durch die Politik neh­men die Menschen Impfangebote in Apotheken kaum wahr“, so Gassen.

„Es geht hier auch um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten“, betonte KBV-Vize Stephan Hofmeister. Deshalb mache es keinen Sinn, Grippeschutzimpfungen jenseits der gegenwärtigen Modellprojekte, von denen bislang noch keine Evaluierungsergebnisse vorlägen, regel­haft auch durch Apotheker anzubieten.

Der Deutsche Hausärzteverband spricht sich ebenfalls dagegen aus, dass zukünftig Apotheker flächendeckend Grippeschutzimpfungen verabreichen können. „Diese Regelung würde weder der Patienten­sicherheit dienen, noch würde sie dazu beitragen, die Impfquoten bei der Grippeschutzimpfung zu erhöhen. Aus medizinischer und versor­gungspolitischer Sicht ergibt das keinen Sinn“, so Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes.

„Impfen war aus gutem Grund schon immer ein wichtiger Bestandteil der ärztlichen Berufsordnung sowie der Regelversorgung und muss es auch bleiben,“ erklärte der SpiFa-Vorstandsvorsitzende, Dirk Heinrich. Das Vorhaben der Ampelkoalition ließe völlig außer Acht, dass es beim Impfen nicht nur darum gehe, Patienten auf eigenes Verlangen einen Piks zu geben. „Einen Impfstoff zu injizieren ist weit mehr als das.“

Ärzte würden ihre Patienten und deren gesundheitliche Vorgeschichte genau kennen. Sie allein könnten Impfrisiken besser abschätzen und auf individuelle Fragestellungen eingehen. „Genau dafür braucht es ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis und dieses setzt wiederum die ärztliche Kompetenz voraus. Diese ist durch keine Fortbildung zu ersetzen, die eine Apothekerin oder ein Apotheker zur Qualifikation durchlaufen müssten,“ so Heinrich weiter.

Der stellvertretende Vorsitzende des SpiFa, Helmut Weinhart, hob den Mehrwert eines Impftermins beim Arzt hervor. Ein Termin biete Ärzten die Gelegenheit, ihre Patienten in Augenschein zu nehmen, mit ihnen ihren allgemeinen Gesundheitszustand zu besprechen und gegebenenfalls auch frühzeitig gesundheitliche Prob­leme, die möglicherweise ein Impfrisiko bergen, zu erkennen und zu behandeln. „So sieht nachhaltige gesund­heitliche Regelversorgung aus und nur in diesem Rahmen können und müssen weiterhin Impfungen bespro­chen und durchgeführt werden.“

SpiFa-Hauptgeschäftsführer Robert Schneider mahnt das Vorhaben aus berufspolitischer Sicht an: „Bei knapp 19.000 Apotheken in Deutschland lässt sich ein Mehrwert für das deutsche Gesundheitswesen durch diese Maßnahme nicht erkennen“, erlkärte er. Es wäre zu wünschen, dass sich die Koalitionsparteien endlich den großen Themen und dringend benötigten Reformvorhaben widme, anstatt an klassischen Stellen der ärztlichen Regelversorgung herumzuwerkeln.

Die Fraktionen von SPD, Grünen und FDP haben einen entsprechen­den Antrag zum Entwurf eines Gesetzes zur Zahlung eines Bonus für Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen (Pflege­bonusgesetz) eingebracht. Demnach sollen Apotheken in die Regel­versorgung mit Grippeschutzimpfungen einbezogen werden. © EB/aha/aerzteblatt.de

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