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Ärzteschaft

Kritik an Ungleichgewicht zwischen neuen Arzneimitteln und Generika

Mittwoch, 27. April 2022

/djama, stock.adobe.com

Berlin – Zwischen den Preisen für patentgeschützte und für generische Arzneimittel gibt es ein deutliches Ungleichgewicht. Das wurde auf dem „Brennpunkt Onkologie“ zum Thema „Versorgungssicherheit mit Arznei­mitteln: Alles eine Frage des Preises?“ gestern in Berlin deutlich.

Bei den patentgeschützten Arzneimitteln gebe es in der Onkologie derzeit eine Kostenexplosion, erklärte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Wolf-Dieter Ludwig: „Die Preise gehen durch die Decke.“ Dabei korreliere der Preis in keiner Weise mit dem Nutzen des Präparats.

Auf der anderen Seite sei der Preis für generische Arzneimittel oft so gering, dass sich immer mehr Unterneh­men aus der Produktion zurückziehen müssten und es dadurch zu Lieferengpässen kommen könne, wie der Geschäftsführer des Verbandes Pro Generika, Bork Bretthauer, erklärte. Das gelte selbst für lebenswichtige Generika wie das Brustkrebsmedikament Tamoxifen, für das Anfang des Jahres ein Lieferengpass bestand.

„Die Hersteller von Tamoxifen erhalten für eine dreimonatige Versorgung der Patientinnen von den Kranken­kassen 8,80 Euro“, sagte Bretthauer. Und von diesem Preis seien die Rabatte, die die Hersteller den Kassen in den Rabattverträgen einräumten, noch gar nicht einbezogen.

Psychische Belastung kaum vorstellbar

Ludwig betonte die Auswirkungen, die Lieferengpässe bei einem lebenswichtigen Arzneimittel wie Tamoxifen auf die betroffenen Patientinnen haben. „Die psychische Belastung kann man sich kaum vorstellen“, sagte er. „Es ist nicht zu akzeptieren, dass so etwas auftritt.“

Lieferengpässe von Arzneimitteln gebe es bereits seit mehr als zehn Jahren, erklärte der AkdÄ-Vorsitzende. Zu den Ursachen zähle neben nicht verfügbaren Rohstoffen, veralteten Produktionsstätten und regulatorischen Anforderungen auch der Kostendruck. Seither habe es verschiedene Initiativen gegeben, um die Liefereng­pässe in den Griff zu bekommen – jedoch ohne wirklichen Erfolg.

Erreicht worden sei jedoch, dass es heute mehr Informationen zu Lieferengpässen gebe. Ärztinnen und Ärzte könnten sich rasch darüber informieren, welche Medikamente nicht oder nur eingeschränkt geliefert werden können.

Anreize für Resilienz

Auch Bretthauer lobte das Engpassmanagement in Deutschland. Dabei würden jedoch nur die Symptome angegangen und nicht das grundsätzliche Problem.

„Die bisherige Vorgabe der Politik an die Krankenkassen ist: Nur wer alle anderen unterbietet, bekommt den Versorgungsauftrag“, sagte Bretthauer. Keine Chance in den Ausschreibungen hätten hingegen Unternehmen, die in robuste Lieferketten investierten, einen zweiten Zulieferer unter Vertrag nähmen oder eine zweite Produktionsstätte betrieben – ganz zu schweigen von einer umweltfreundlichen Produktion.

Bretthauer rief die Politik dazu auf, die Marktregeln zu ändern, die zu Lieferengpässen bei lebenswichtigen Arzneimitteln führen. „Die Politik muss auf Vielfalt der Anbieter und auf eine Diversifizierung der Produktion setzen“, forderte er. Und statt Hersteller zu bestrafen, die in Resilienz investieren, müsse sie Anreize für eine stärkere Resilienz setzen.

Ludwig forderte zudem das Erstellen einer Liste von wirklich versorgungsrelevanten Arzneimitteln, deren Lieferfähigkeit dann sichergestellt werden müsse. Zwar gebe es eine ähnliche Liste bereits, doch sie sei zu umfangreich und daher nicht hilfreich. © fos/aerzteblatt.de

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