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Geringere Sterblichkeit bei Therapie in zertifizierten Krebszentren

Dienstag, 26. April 2022

/Alex Tihonov, adobe.stock.com

Berlin – Krebsbehandlungen in zertifizieren onkologischen Zentren haben größere Erfolgsaussichten hinsichtlich des Überlebens der Betroffenen. Dies ist das Hauptergebnis des Innovationsfonds-Projektes „Wirksamkeit der Versorgung in onkologischen Zentren“ (WiZen), bei dem erstmals Daten von AOK-Versicherten sowie die Daten aus vier regionalen klinischen Krebsregistern (Regensburg, Dresden, Erfurt und Berlin-Brandenburg) für rund eine Million Behandlungsfälle im Zeitraum von 2009 bis 2017 miteinander verknüpft und ausgewertet worden sind.

„Das Ergebnis ist in seiner Deutlichkeit beeindruckend“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, heute bei der virtuellen Präsentation der Auswertung. Die Sterblichkeitsrate bei Patientinnen und Patienten mit Krebs, die in zertifizierten Zentren behandelt worden, habe bei allen acht untersuchten Krebserkrankungen niedriger gelegen als bei Patienten in Krankenhäusern, die nicht von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert worden waren.

Besonders groß war laut der Analyse der Überlebensvorteil durch die Zentrenbehandlung bei Gebärmutterhalskrebs (minus 25,9 Prozent Sterblichkeit), neuroonkologischen Tumoren (minus 15,8 Prozent), dem Bronchialkarzinom (minus 15 Prozent) und dem Mammakarzinom (minus 11,7 Prozent). Positive Effekte mit statistischer Signifikanz zeigten sich weiterhin für das kolorektale Karzinom, Kopf-Hals-Tumore, Prostatakrebs und die Gruppe der gynäkologischen Tumore.

Zudem ergab die WiZen-Studie, die vom Zentrum für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e. V. (ADT), dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), dem Institut für Qualitätssicherung und Versorgungsforschung der Universität Regensburg sowie vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden durchgeführt wurde, dass Patientinnen und Patienten mit den niedrigeren Tumorstadien I bis III stärker von der Zentrumsbehandlung profitierten als Patienten mit dem fortgeschrittenen Stadium IV.

„Die positiven Effekte der Zertifizierung sind unter anderem dadurch zu erklären, dass die Patientinnen und Patienten in den zertifizierten Zentren auf inter- und multidisziplinäre Behandlungsteams treffen, die häufiger leitliniengerecht behandeln und auf eine bessere Prozess- und Strukturqualität zurückgreifen können“, erläuterte Monika Klinkhammer-Schalke, Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e. V. Auch der Einsatz von Tumorboards würde eine große Rolle spielen.

„Unsere Ergebnisse stützen über verschiedene Krebsarten hinweg die Hypothese, dass Patientinnen und Patienten in DKG-zertifizierten Kliniken bessere Überlebenschancen haben als in nicht zertifizierten Krankenhäusern“, betonte Jochen Schmitt, Direktor des federführenden Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden und der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. „Der Effekt bleibt auch nach umfassender Adjustierung erhalten.“

Durch diese risikoadjustierte Analyse einer bundesweiten Kohorte und durch den Vergleich der Kassendaten mit den Krebsregister-Daten werde die Evidenz für den Nutzen der Zentrumsbehandlung gestärkt, ist er überzeugt. „Zudem liefern wir mit unserem Projekt eine Blaupause für ein zukünftiges Monitoring der onkologischen Versorgung in Deutschland“, so Schmitt.

Die niedrigere Sterblichkeit in den zertifizierten Zentren sei sowohl in den Krebsregister-Daten als auch in den Krankenkassendaten erkennbar, erläuterte Olaf Schoffer, Leiter des Bereichs Onkologische Versorgungsforschung des ZEGV. Ihre Verlinkung sei ein wahrer „Goldschatz“. Informationen „aus beiden Welten“ hätten so erstmals miteinander verknüpft werden können.

Bei allen Krebserkrankungen ist im Beobachtungszeitraum von 2009 bis 2017 ein Anstieg des Anteils der in DKG-zertifizierten Zentren behandelten Patientinnen und Patienten zu erkennen – allerdings mit großen Unterschieden zwischen den verschiedenen Krebsarten. Hier sieht die AOK-Vorstandsvorsitzende, Carola Reimann, noch deutliches Optimierungspotenzial, das in der anstehenden Reform der Krankenhauslandschaft zügig aufgegriffen werden sollte. „Noch immer werden viel zu viele Patientinnen und Patienten mit Krebs außerhalb der spezialisierten Zentren behandelt. Gerade in diesem sensiblen Bereich der medizinischen Versorgung brauchen wir noch mehr Spezialisierung und Konzentration von Leistungen“, sagte sie. Die WiZen-Studie zeige: „Der Weg lohnt sich.“ Die Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft führe nachweislich zu einer besseren Behandlung.

Gefördert wurde das WiZen-Projekt vom Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über drei Jahre mit insgesamt 1,6 Millionen Euro. Der G-BA-Vorsitzende, Josef Hecken, würdigte heute das Projekt: „Die zertifizierten Zentren sollten den Nukleus der onkologischen Versorgung darstellen“, sagte er. Er könne sich sogar vorstellen, die Zertifizierungskriterien in Richtlinien zu übertragen.

Gerald Gaß, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, betonte hingegen, dass sich viele Krankenhäuser freiwillig der Zertifizierung unterzogen hätten – allein um eine Prozessverbesserung zu erreichen. „Eine verpflichtende Zertifizierung käme für einige Krankenhäuser aber einem Behandlungsverbot gleich“, warnte er. Dieses schränke die Versorgungsaufgaben ein und bedrohe die Existenz des Hauses. „Zunächst muss die Finanzierung der Krankenhauslandschaft geklärt werden“, forderte er.

Die Anforderungen für die freiwillige Zertifizierung von onkologischen Zentren erstellt derzeit die Deutsche Krebsgesellschaft. Im Rahmen der Zertifizierung weisen alle Partner eines Zentrums jährlich nach, dass sie quantitative und qualitative Mindestvorgaben und Qualitätsindikatoren erfüllen. „Zentren mit unserem Gütesiegel ermöglichen eine bessere Behandlung“, betonte heute Simone Wesselmann von der DKG-Bereichsleitung Zertifizierung.

Dies spreche dafür, die multidisziplinäre Versorgung von Krebspatientinnen und Patienten künftig auf die behandelnden Einrichtungen zu konzentrieren, die die Zertifizierungsvorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft erfüllen. © ER/aerzteblatt.de

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