NewsMedizinFamilienorientierte Interventions­programme ausbauen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Familienorientierte Interventions­programme ausbauen

Freitag, 29. April 2022

/altanaka, stock.adobe.com

Wien – Das Spektrum gesundheitlicher und ökonomischer Auswirkun­gen elterlicher psychischer Erkrankungen auf ihren Nachwuchs ist breit und stützt die Notwendigkeit einer gezielten Präventionsarbeit mit familienorientierten Interventionsprogrammen.

Epidemiologischen Daten zufolge leben allein in Österreich etwa 250.000 psychisch erkrankte Eltern mit minderjährigen Kindern, so dass etwa jedes 4. Kind punktuell oder längerfristig mit einem psychisch erkrankten Elternteil aufwächst.

Das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) analysierte in einer systematischen Übersichtsarbeit die gesellschaft­lichen und gesundheitsökonomischen Dimensionen psychischer Erkrankungen in Familien und schlägt Lösungsansätze vor, um familienorientierte Interventionsprogramme für Kinder und Jugendliche aus psychisch belasteten Familien zu verbessern.

Die Auswirkungen von möglichen kurzfristigen und langfristigen Folgen für Kinder und Jugendliche in solchen Familienkonstella­tionen ist breit. Eine Auswertung von insgesamt 39 Studien hat gezeigt, dass Kinder und Jugendliche, die von einem Elternteil mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung betreut werden, potenziell höhere Risiken für gesundheitliche Probleme (u.a. Depres­sionen, Verhaltensauffälligkeiten (z.B. aggressives Verhalten), schlechte Zahngesundheit) und weitere negative Folgen aufweisen, zum Beispiel hinsichtlich ungesunder Ernährungsgewohnheiten, Ausfälle in der Schule und schlechtere schulische Leistungen.

Schlechtere schulische Leistungen können Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter haben und zu erhöhten Risiken für Arbeitslosigkeit führen oder zu prekären Berufssituationen bis hin zu kriminellen Delikten führen, geben die Studienautoren zu bedenken.

Der Bericht unterstreicht das breite Spektrum ökonomischer Auswir­kungen elterlicher psychischer Erkrankungen und die Notwendigkeit, diese Auswirkungen durch gezielte Prävention entgegenzusteuern.

„Auch wenn nicht alle Kinder betroffen sind, führen diese poten­ziellen Auswirkungen in der Summe zu umfassenden gesellschaft­lichen Kosten, wie etwa zu einem erhöhten Bedarf an psychosozialer und psychiatrischer Versorgung oder anderer medizinischer Leistun­gen“, sagte Erstautor des AIHTA-Berichts Christoph Strohmaier, wissenschaftlicher Mitarbeiter am LBI-HTA in Wien.

Eine Möglichkeit, den generationenübergreifenden Kreislauf psychi­scher Erkrankungen zu durchbrechen und negative Folgen abzumil­dern oder gar zu verhindern, sind familienorientierte Interventions­programme mit sozialen Unterstützungssystemen.

Diese Programme verfolgen einen präventiven Ansatz und gehen über klassische Therapieformen wie der psychotherapeutischen Verhal­tens­therapie hinaus, da sie Personen aus unterschiedlichen Professio­nen einbinden und eine breitere Vielfalt an Maßnahmen bieten (z.B. Unterstützung durch Peers, Psycho-Edukation usw.).

Jedoch werden familienorientierte Interventionsprogramme mit sozialen Unterstützungssystemen noch zu wenig angeboten. „Gezielte Unterstützung betroffener Familien existiert nur punktuell. Die Kinder und ihre Bedürfnisse werden oft nicht wahrgenommen – erst wenn die Probleme akut werden, entsteht Aufmerksamkeit“, kritisierte Ingrid Zechmeister-Koss, die den Bereich Gesundheitsökonomie und Versor­gungsforschung am AIHTA leitet.

Geeignete Interventionen könnten jedoch einen Beitrag leisten, das Wissen zur psychischen Erkrankung des Elternteils zu erhöhen und die Fähigkeit, verschiedene Unterstützungsangebote bei Bedarf in Anspruch zu nehmen.

„Die Kinder verfügen häufig nur über ein sehr begrenztes Wissen zur elterlichen Erkrankung, in vielen Familien wird darüber nicht gesprochen. Das führt zu Verunsicherung und Schuldgefühlen“, berich­tete Zechmeister-Koss. Ein weiteres Ziel ist es, Verhaltensalternativen aufzuzeigen, indem die Kinder und vor allem auch die Eltern bei­spiels­weise lernen, aktiv nach Hilfe zu fragen. Schließlich soll es auch zu Änderungen auf der emotionalen Ebene kommen und das Selbst­wertgefühl der Kinder gestärkt werden.

In den letzten Jahren gibt es immer mehr Belege dafür, dass familien­orientierte komplexe Interventionen signifikante präventive und therapeutische Erfolge auf die Gesundheit der Kinder und Jugend­liche haben, so das Fazit der Studienautoren. Beispiele für familien­orientierte Interventionen im deutschsprachigen Raum sind bei­spielsweise das „Village Projekt“ in Österreich oder das Programm „Nicht von schlechten Eltern“ (NischE) in Deutschland. © cw/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER