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Medizin

Antibiotika verringern Impfschutz bei Kleinkindern

Donnerstag, 28. April 2022

/Seventyfour, stock.adobe.com

Portland – Die Einnahme von Antibiotika bei Kleinkindern steht im Zusammenhang mit einem geringeren Schutz durch Impfungen. Zu dieser Schlussfolgerung kommen US-amerikanische Forschende, die 560 Kinder in einem Zeitraum von 6 bis 24 Lebensmonaten regelmäßig untersucht und beobachtet haben. Die Ergebnisse der retrospektiven klinische Studie veröffentlichen sie in Pediatrics (2022; DOI: 10.1542/peds.2021-052061).

Kinder, die mit Antibiotika behandelt wurden, hatten im Schnitt geringere Antikörperlevel als Kindern ohne Antibiotikabehandlung. Für jede Antibiotikatherapie, die ein Kind erhielt, sanken dessen Antikörperlevel stetig bis zur Boosterimpfung um etwa 6 bis 11 % (5,8 % für Antigene gegen Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten, 6,8 % für Haemophilus influenzae type b, Hib, 11,3 % für inaktivierte Polio-Vakzine, IPV und 10,4 % für Pneumokokkenkonjugat Vakzin, PCV, P-Wert ≤ .05).

Nach der Auffrischungsimpfung sei der Effekt noch größer gewesen, erklärte Letztautor Michael E. Pichichero, Direktor des Rochester General Hospital Research Institute in Portland: Die Antikörperspiegel sanken gegen DTaP-Antigene um 18,1 %, gegen Hib um 21,3 %, gegen IPV um 18,9 % und gegen PCV um 12,2 % (P < 0,05).

Reduzierte Antikörpertiter vor allem im Alter zwischen 9 und 12 Monaten

Besonders häufig kam es zu signifikant geringeren Antikörpertitern bei Kindern im Alter zwischen 9 und 12 Lebensmonaten, die eine Antibiotikabehandlung erhalten hatten. „Diese Antikörperlevel liegen unter den Konzentrationen, die generell für einen Immunschutz als relevant angesehen werden“, erläuterte Ulrich Schaible vom Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften (FZB) in Borstel. Damit hätten sie ein erhöhtes Risiko, an Infektionen zu erkranken, gegen die geimpft wurde, ergänzte der Direktor des Programmbereichs Infektionen, Forschungszentrum Borstel.

Wiederholte Antibiotikaanwendungen wirkten sich verstärkend nega­tiv auf die Antikörperwerte aus. Auch die Länge der Antibiotikagabe und die Kombination hatten einen Einfluss auf die Antikörpertiter. So hatte Amoxicillin erst in Kombination mit Clavunat einen negativen Effekt, der nach 5 Tagen einen geringeren Effekt auf die Antikörperproduktion hatte als nach einer Gabe für 10 Tage. „Kürzer Antibiotika zu geben, scheint also besser zu sein“, schlussfolgerte Schaible.

Die Impfungen während der Antibiotikagabe auszusetzen und nach Therapieende nachzuholen, könnte auch eine Konsequenz der Studie sein. Ulrich Schaible, Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften

Zudem sollten laut dem Naturwissenschaftler Probiotika getestet werden, die das Mikrobiom nach der Antibiotikagabe schneller wiederherstellen. „Die Impfungen während der Antibiotikagabe auszusetzen und nach Therapieende nachzuholen, könnte auch eine Konsequenz der Studie sein“, so Schaible. Er betont aber, dass eine Zweit- (Booster)impfung zwar die Immunantwort erhöhen könnte. Die Zeitfenster für die Kleinkinderimpfungen jedoch gewählt wurden, um optimale Immunantworten zu erzeugen.

Es wird vermutet, dass die Antibiotika das Darmmikrobiom verändern und Bakterien töten, die sonst das Immunsystem stärken, weshalb die Immunantwort auf die Impfung schwächer ausfällt.

Blutproben wurden auf 10 Antigene untersucht

Die für die Studie prospektiv aufgenommene Kohorte von Kindern sollte zunächst auf akute Atemwegsinfektionen, einschließlich akuter Mittelohrentzündung, untersucht werden. Retrospektiv wurden zusätzlich Blutproben ausgewertet, die im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen im Alter von 6, 9, 12, 15, 18 und 24 Monaten sowie bei Auftreten einer akuten Mittelohrentzündung entnommen wurden.

Die Forschenden analysierten die Antikörperlevel im Serumgegen 10 Antigene für die Impfungen gegen Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten (DTaP), das inaktivierte Poliovakzin (IPV), gegen Haemophilus influenzae type b (Hib) und gegen das Pneumokokkenkonjugat Vakzin (PCV). Sie glichen die Informationen mit Daten aus den Krankenakten der Kinder ab und befragten die Eltern zu Krankheiten und Antibiotikaverordnungen. Von den 560 untersuchten Kindern erhielten 342 Kinder Antibiotika innerhalb der ersten 24 Lebensmonate – 218 Kinder erhielten keine.

Nicht analysiert wurde die Bindungsaffinität der Antikörper und ihre neutralisierende Wirkung, die dafür sorgt, eine Infektion zu verhindern. Auch die Anzahl der T- und B-Gedächtniszellen wurde nicht erfasst.

Dass die Einnahme von Antibiotika die Wirkung von Schutzimpfungen verringern kann, wurde bereits in einer experimentellen Studie in Cell bei 22 18 bis 45-Jährigen am Beispiel der Influenzaimpfung beschrieben (2019; DOI: 10.1016/j.cell.2019.08.010).

Die aktuelle Studie zeigt jetzt erstmalig einen Zusammenhang bei Kleinkindern in einer deutlich größeren Studienpopulation. © gie/aerzteblatt.de

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