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Ärzteschaft

Mediziner kritisieren übertriebenen Datenschutz

Donnerstag, 28. April 2022

/maxsim, stock.adobe.com

Wiesbaden/Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) bewer­tet den in Deutschland praktizierten Datenschutz als Risiko für die Gesundheit vieler Patienten.

Mitunter würden sogar Menschenleben gefährdet, weil etwa der Austausch wichtiger Patientendaten zwischen Klinikabteilungen oder die Auswertung von Daten zu Studienzwecken erschwert oder verhindert würden, erklärte die Fachgesellschaft heute im Vorfeld ihres 128. Kongresses, der übermorgen beginnt.

Kongresspräsident Markus M. Lerch forderte, dass Gesetze Patientendaten nicht vor Nutzung, sondern vor Missbrauch schützen sollten. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) werde in Deutschland in einer Art und Weise ausgelegt, die das Wohl von Patienten gefährde.

„Der Datenschutz kann etwa dazu führen, dass ein Arzt in der Notaufnahme aufgrund einer technischen Zugriffsblockade nicht die Behandlung desselben Patienten durch den Facharzt einsehen kann, da der Notfallmediziner nicht an der ursprünglichen Behandlung beteiligt war.“

Statt auf Zugriffsblockaden zu setzen, müsse, wie in anderen Ländern, der Zugriff dokumentiert und – im Falle eines Missbrauchs – bestraft werden, so Lerch.

Der Münchner Mediziner kritisierte auch den Grundsatz der Datensparsamkeit, der dazu zwinge, nur die unmittelbar notwendigen personenbezogenen Daten und Informationen zu erfragen und zu speichern.

„Dies mag sinnvoll sein, um die Sammelwut von Internetkonzernen einzudäm­men – völlig kontraproduktiv aber ist dieser Grundsatz, wenn es um klinische Daten einzelner Patientinnen und Patienten oder um medizinische Daten aus klinischen Studien geht, bei Krankheitsregistern oder bei populationsbasierten epidemiologischen Untersuchungen“, so Lerch.

„Je umfassender die eingeschlossenen Daten sind, desto höher ist die Wahr­schein­lichkeit, bisher unbekannte Zusammenhänge aufzudecken: zwischen Medikamenten und ihren Nebenwirkungen oder unerwarteten Gesundheitseffek­ten, zwischen Laborparametern, Biomarkern oder Umwelteinflüssen und der Entstehung von Krankheiten.“

Dass bei von Steuergeldern finanzierten Studien teils Daten nicht mehr für andere als die ursprünglichen Fragestellungen ausgewertet werden dürften, oder sogar nach einer Frist vernichtet werden müssten, sei eine ungeheuerliche Verschwendung wissenschaftlicher, menschlicher und wirtschaftlicher Ressourcen, so der DGIM-Vorsitzende. © kna/aerzteblatt.de

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