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Medizin

Schwere akute Hepatitiden unbekannter Ätiologie nehmen europaweit zu

Freitag, 29. April 2022

/SciePro, stock.adobe.com

Stockholm – Nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) sind bis Ende April in Europa 166 wahrscheinliche oder bestätigte schwere akute Hepatitiden unbekannter Ätiologie bei Kindern aufgetreten.

Angesichts der potenziell schwerwiegenden Verläufe, der betroffenen pädiatrischen Population sowie der unbekannten Ätiologie stuft die Behörde die Erkrankung aktuell als besorgniserregendes Ereignis für die öffentliche Gesundheit ein (public health event of concern).

Neben den 55 gemeldeten Fällen aus 12 Staaten der Europäischen Union (EU) sowie des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) seien auch je 12 Fälle aus den USA und Israel sowie 1 Fall aus Japan gemeldet worden, berichtet das ECDC in seiner gestern veröffentlichten Risikobewertung . Mit 111 betroffenen Kinder seien im Vereinigten Königreich (UK) die meisten Fälle vorgekommen.

Um die zugrundeliegende Ätiologie aufspüren zu können, werden detaillierte epidemiologische und Laboruntersuchungen durchgeführt, heißt es in dem Bericht weiter. Als mögliche auslösende Erreger ließen sich am häufigsten Adenoviren, vor allem der Subtyp 41F, und SARS-CoV-2 nachweisen.

Die Informationen zur Erregerbestimmung in den Fällen, die aus der EU und dem EWR berichtet wurden, seien nicht vollständig. In 10 Fällen haben sich Adenoviren und in 3 Fällen SARS-CoV-2 feststellen lassen. Bei 8 der betroffenen Kinder sei eine frühere SARS-CoV-2-Infektion bekannt.

Aus den bislang vorhandenen Daten wird in der aktuellen Risikobewertung eine aktuelle Hypothese abgeleitet. Demnach könne ein Kofaktor bei Kindern mit einer Adenovirusinfektion, die normalerweise mild verlaufen würde, zu einer schwereren Infektion oder zu einem immunbedingten Leberschaden führen.

Weitere Ätiologien wie andere Infektionen oder toxische Substanzen würden zwar weiterhin berücksichtigt, aber als wenig plausibel eingestuft. Darüber hinaus blieben die Pathogenese und die Übertragungswege unklar.

Laut ECDC kommen diese Hepatitiden in der EU/demEWR sporadisch vor und es zeige sich kein eindeutiger Trend. Daher ließe sich das Risiko für die Kinder in Europa nicht akkurat bestimmen. Aufgrund der Zahl der betroffenen Kinder mit akutem Leberversagen, von denen einige eine Lebertransplantation erhalten mussten, schätzt das ECDC den potenziellen Einfluss auf die Kinder hoch ein.

Es sei notwendig, eine Überwachung auf nationaler Ebene in den EU/EWR-Ländern zu etablieren. So können Informationen etwa zu Epidemiologie, Klinik oder Erreger gesammelt werden. Zusätzlich müssten weitere Analysen erfolgen, die andere Faktoren oder potenzielle Kofaktoren wie kürzlich aufgetretene Infektionen, persönliche oder Umweltparameter evaluieren.

Die Behörde fordert außerdem dazu auf, die Zahl der akuten Virusinfektionen – vor allem der Adenovirusinfektionen – abhängig vom Alter zu bestimmen. Dabei sollte auch überprüft werden, ob dies den normalerweise erwarteten Wert übersteigt.

Das ECDC empfiehlt eine breite Testung von symptomatischen Kindern auf Adenoviren und andere Hepatitiden auslösende Viren, nicht zuletzt um den Auslöser oder andere Kofaktoren herauszufinden.

Darüber hinaus sollten die Fälle, die die Definition für diese akute Hepatitis erfüllen, an das europäische Überwachungssystem The European Surveillance System (TESSy) so schnell wie möglich berichtet werden.

Maßnahmen zur Kontrolle der Erkrankung können laut ECDC aktuell nicht definiert werden. Eine fäkal-orale Übertragung von Viren ist aber vor allem für Kleinkinder nicht unwahrscheinlich. Daher rät das ECDC zu Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Händewaschen oder Säubern und Desinfektion von Oberflächen in Bereichen, zu denen Kinder Zugang haben. © aks/aerzteblatt.de

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