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Politik

Coronaisolation soll auf fünf Tage verkürzt werden

Freitag, 29. April 2022

/picture alliance, K. Schmitt

Berlin – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will kommende Woche, wahrschein­lich schon am Montag, einen Vorschlag für die Neuregelung der Isolation für Coronainfizierte vorlegen.

Es habe bei dem Gespräch gestern mit den Gesundheitsministern der Länder „keinen Dissens“ in der Frage gegeben, sagte Lauterbach heute im ARD-„Morgenmagazin“. Bund und Länder wollen die verpflichtende Iso­lation beibehalten, aber auf fünf Tage verkürzen.

COVID-19 sei keine Krankheit „wie Grippe oder Erkältung, wo ich selbst entscheiden kann, gehe ich infiziert zur Arbeit“, sagte Lauterbach. Wäre die Pflicht zur Isolation ganz gefallen, „wäre dies wie ein Signal, das ent­scheidet jeder für sich“. Er erwartet, dass die Gesundheitsämter bei niedrigeren Fallzahlen die Anordnung von Isolation wieder besser bewältigen werden.

Lauterbach rechnet außerdem damit, dass zur Beendigung der Isolation nach fünf Tagen zumindest ein Selbst­test „dringend empfohlen“ wird, denn viele seien nach diesem Zeitraum noch positiv. Er bereitet den Vorschlag demnach derzeit mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) vor.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten die Pläne gestern Abend nach einer gemeinsamen Videokonferenz vorgestellt. „Im Wesentlichen geht es dabei um eine Verkürzung der Isolationsdauer für nach­weislich positiv Getestete auf fünf Tage.“ Sachsen-Anhalt hat derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkon­ferenz (GMK).

Die Länder wollen ihre Isolations- und Quarantäneregelungen dann entsprechend überarbeiten. Die Gesund­heits­minister begründen den Schritt mit einer zunehmenden Immunität in der Bevölkerung und durch mil­dere Krankheitsverläufe mit der Omikron-Variante.

Es sei erfreulich, „dass sich alle Länder auf ein einheitliches Vorgehen geeinigt haben, das auf wissenschaft­licher Expertise des RKI beruht“, erklärte Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Eine Quarantäne für Kontaktpersonen von Infizierten soll wohl nur noch dringend empfohlen werden, wie es nach den Beratungen der Ressortchefs hieß.

Mehrere Länder gehen bei der Verkürzung der Isolationszeit bereits voran. Auch in Baden-Württemberg soll sie nur noch fünf Tage dauern. Ab Anfang Mai soll zudem ein abschließendes Freitesten nach fünf Tagen für die meisten Menschen entfallen, sofern sie zwei Tage keine Symptome mehr hatten.

Ausnahmen gibt es für Personal in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Baden-Württemberg folgt dem Bei­spiel Bayerns, wo eine solche Regelung seit Mitte April gilt. Auch Rheinland-Pfalz und Thüringen hatten an­gekündigt, diesen Weg zu gehen.

Bisher dauern Isolation und Quarantäne in der Regel zehn Tage und können mit einem negativen Test früh­es­tens nach sieben Tagen vorzeitig beendet werden. Über die Quarantäne- und Isolationsregeln wurde bereits seit Längerem immer wieder diskutiert.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Länder wollten die verpflichtende Isolation ur­sprünglich zum 1. Mai auslaufen lassen und auf Freiwilligkeit setzen, was auf viel Kritik stieß. Lauterbach rückte in der Folge von dem Vorhaben wieder ab.

Ärzteverbände wie der Marburger Bund plädierten zuletzt für einheitliche Regeln. Eine Aufhebung der Isola­tion nach fünf Tagen sei nur bei einem negativen Testergebnis und 48-stündiger Symptomfreiheit sinnvoll, erklärte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, sagte den Funke-Zeitungen: „Die einfache Botschaft muss sein: Wer einen positiven Test hat, oder Symptome aufweist, sollte konsequent zu Hause bleiben und Kontakt zu anderen Menschen meiden.“ Ob es dafür zwingend eine gesetzliche Regelung brauche, sei eine andere Frage: „Eine nachvollziehbare und stringente Kommunikation ist im Zweifel mehr wert als eine gesetzliche Regelung, die de facto nicht kontrolliert werden kann.“

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte die geplante Verkürzung der Isolationspflicht. „Nicht die Politik, sondern das Virus und das Infektionsgeschehen müssen die Schutzmaßnahmen bestimmen“, sagte er. Dieses Prinzip werde von Lauterbach und den Ländern mit der Verkürzung der Isolationspflicht jetzt beerdigt. „Deshalb ist es unerlässlich, dass wenigstens die Freitestung festgeschrieben wird“, forderte Brysch. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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