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Impfstoffe: Ärzte ohne Grenzen fordert Technologietransfer von Moderna

Freitag, 29. April 2022

/picture alliance, Peter Endig

Berlin – Ärzte ohne Grenzen (ÄoG) hat Moderna dazu aufgerufen, die Technologie zur Herstellung von mRNA-Impfstoffen freizugeben. Das US-Unternehmen solle sie Produzenten in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen zugänglich machen, damit diese Impfstoffe zur Vorbeugung von COVID-19 ebenso wie weiteren Krankheiten herstellen können.

Mehr als 100 Produzenten in diesen Ländern würden bereits in den Startlöchern stehen und seien bereit, selbst mRNA-Impfstoffe zu produzieren. Das wäre eine „lebensrettende Aussicht für viele Regionen der Welt“, schreibt ÄoG. Die mRNA-Technologie könne regional in kurzer Zeit adaptiert und beispielsweise an neue Varianten von SARS-CoV-2 angepasst werden.

Mittel- bis langfristig sei die mRNA-Technologie darüber hinaus eine vielversprechende Option zur Entwick­lung neuartiger Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten wie HIV, Tuberkulose oder Malaria, die vor allem in den ärmeren Ländern des globalen Südens kontinuierlich Todesopfer fordern. Auch mit Blick auf zukünftige Pandemien könne die Fähigkeit, selbst mRNA-Impfstoffe herzustellen, eine wichtige Rolle spielen.

„Die mRNA-Technologie hat ein wichtiges technologisches Potenzial, nicht nur COVID-19, sondern möglicher­weise auch andere und zukünftige Pandemien zurückzuschlagen“, sagt Alain Alsalhani, der bei ÄoG für Impf­stoffthemen zuständig ist. „Wir sollten verhindern, dass erneut eine Situation entstehen kann, in der die Hälfte der Welt zuerst bedient wird, während der Rest der Welt mit leeren Händen dasteht.“

Zwar habe Moderna bereits eine Vereinbarung mit der kenianischen Regierung unterzeichnet, die den Bau des ersten mRNA-Impfstoffwerks auf dem afrikanischen Kontinent vorsieht. Allerdings seien bisher kaum Details über das Vorhaben an die Öffentlichkeit gelangt.

Um die Verfügbarkeit von mRNA-Impfstoffen in Afrika zu erhöhen, wäre es deshalb ein sehr viel effektiverer Weg, wenn Moderna seine Technologie den Unternehmen zur Verfügung stellt, die bereit in der Lage sind, die Impfstoffe zu produzieren.

„Die COVID-19-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass die Konzentration der Produktion primär in Ländern mit hohem Einkommen und einer Handvoll Länder mit mittlerem Einkommen zu einer aufgeteilten Markteinfüh­rung lebensrettender medizinischer Produkte führt, was letztlich Menschenleben kostet“, sagt Alsalhani. „Es ist ein Mythos, dass Länder mit geringem oder mittlerem Einkommen keine mRNA-Impfstoffe produzieren könnten – wir haben mehr als 100 Hersteller in Asien, Afrika und Lateinamerika identifiziert, die das können.“

Moderna wiederum habe rund 10 Milliarden US-Dollar an öffentlicher Förderung erhalten, die nahezu die gesamte klinische Entwicklung abdeckte. „Denkt man an die Unterstützung der Steuerzahler und die Tatsache, dass Moderna mit dem Verkauf von COVID-19-Imfpstoffen bis Ende des Jahres 2021 17,7 Milliarden US-Dollar Gewinn gemacht hat, so hat das Unternehmen eine Verpflichtung, damit aufzuhören, den mRNA-Technolo­gietransfer zu verhindern.“ © lau/aerzteblatt.de

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