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Medizin

Adipositas: „Twincretin“ Tirzepatid erzielt in Studie drastische Gewichtsreduktion

Freitag, 29. April 2022

/pogonici, stock.adobe.com

Indianapolis – Der kombinierte GIP/GLP-1-Agonist Tirzepatid hat in einer Phase-3-Studie in der höchsten Dosierung bei adipösen Patienten eine Gewichtsreduktion von mehr als 20 % erzielt. Die Ergebnisse der noch nicht publizierten Phase-3-Studie wurden vom Hersteller in einer Pressemitteilung vorgestellt.

Das Glukose-abhängige insulinotrope Peptid (GIP) und das Glucagon-ähnliche Peptid (GLP-1) werden bei den Mahlzeiten von unterschiedlichen Zellen des Darms gebildet. Die beiden Hormone fördern nicht nur die Freisetzung von Insulin, weshalb sie als Inkretine („intestinal secretion of insulin“) bezeichnet werden. Sie verlangsamen auch die Magenentleerung und vermindern den Appetit.

Unter der Behandlung mit den verschiedenen Inkretinen, die in den vergangenen Jahren zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen wurden, kommt es häufig zu einem Gewichtsverlust, der zunächst als erfreuliche Begleiterscheinung gedeutet wurde. Inzwischen werden Inkretine auch zur Behandlung der Adipositas klinisch getestet. Mit Semaglutid wurde im vergangenen Jahr in den USA und kürzlich auch in Europa ein GLP-1-Agonist zur Behandlung der Adipositas zugelassen.

Tirzepatid ist das erste „Twincretin“, das sowohl den GLP-1- als auch den GIP-Rezeptor stimuliert. Dies hatte in der Studie SURPASS-2, die im vergangenen Jahr im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2107519) publiziert wurde, bei übergewichtigen Patienten mit Typ-2-Diabetes eine deutliche Steigerung der Gewichtsreduktion zur Folge.

Während die Patienten unter der Behandlung mit 1 mg Semaglutid im Durchschnitt 6,7 % an Gewicht verlo­ren, kam es unter der Behandlung mit Tirzepatid unter der höchsten Dosierung von 15 mg nach 40 Wochen zu einer Gewichtsreduktion um 13,1 %. In der Dosierung von 5 mg verloren die Teilnehmer 8,5 % und unter der Dosierung von 10 mg 11,0 %.

In SURMOUNT-1 wurde diese Wirkung jetzt noch übertroffen. An der Studie hatten 2.539 Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 kg/m2 (oder ab 27 kg/m2 bei einer Komorbidität wie Bluthoch­druck, Dyslipidämie, obstruktive Schlafapnoe oder kardiovaskuläre Erkrankungen) teilgenommen.

Die Patienten wurden auf 4 Gruppen randomisiert, wo sie subkutan wöchentlich mit Tirzepatid in der Dosie­rung von 5 mg, 10 mg, 15 mg oder mit Placebo behandelt wurden. Alle Teilnehmer nahmen an einer Ernäh­rungsberatung teil mit dem Ziel, die Kalorienaufnahme zu senken und die körperliche Aktivität zu steigern.

Die Gewichtsreduktion betrug unter der niedrigen Dosierung von 5 mg 16,0 %. Unter der Dosis von 10 mg verloren die Patienten 21,4 % und unter der höchsten Dosierung 22,5 % oder 24 kg. In der Placebogruppe ging das Gewicht nur um 2,4 % zurück.

In den beiden höheren Dosierungen erreichten 55 % (10 mg) und 63 % (15 mg) eine Verringerung des Körpergewichts um mindestens 20 % im Vergleich zu 1,3 % der Personen, die Placebo einnahmen.

Der gegenüber SURPASS-2 höhere Gewichtsverlust (21,4 % versus 13,1 %) könnte mit der längeren Behand­lungsdauer von 72 Wochen (gegenüber 40 Wochen) zusammenhängen. In SURPASS-2 war jedenfalls nach 40 Wochen noch kein Plateau erkennbar. Nähere Aufschlüsse könnten sich aus der Publikation ergeben.

Sicherheitsprobleme sind in der Studie offenbar nicht aufgetreten. Das Nebenwirkungsprofil ist laut dem Hersteller mit anderen Inkretin-basierten Therapien vergleichbar. Am häufigsten waren Übelkeit (31,0 % unter der höchsten Dosierung gegenüber 9,5 % in der Placebogruppe), Durchfall (23,0 % versus 7,3 %), Erbrechen (12,2 % versus 1,7 %) und Verstopfung (11,7 % versus 5,8 %).

In der höchsten Dosierungsstufe brachen 6,2 % der Teilnehmer die Behandlung aufgrund von Nebenwirkun­gen vorzeitig ab. Die Gesamtabbruchrate betrug 14,3 % gegenüber 26,4 % in der Placebogruppe (vermutlich wegen des ausbleibenden Erfolgs).

Der Gewichtsverlust ist mit dem nach einer bariatrischen Operation vergleichbar, der bei einem Magenbypass bei 15 % bis 25 % liegt. Im Gegensatz zur Operation muss die Behandlung mit Tirzepatid vermutlich lang­fristig durchgeführt werden, was mit erheblichen Kosten verbunden sein dürfte.

Der Hersteller von Tirzepatid hat bisher noch keine Zulassung beantragt, so dass es noch keine Preisinforma­tionen gibt. Das Semaglutidpräparat Wegovy ist in den USA mit 1.349 US-Dollar gelistet. © rme/aerzteblatt.de

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