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Medizin

Insulinspray könnte Gang und kognitive Funktion im Alter verbessern

Montag, 9. Mai 2022

/Alliance, stock.adobe.com

Boston – Eine intranasale Gabe von Insulin, das über den Riechnerven oder die begleitenden Gefäße direkt ins Gehirn gelangt, hat in einer Phase-2-Studie bei Typ-2-Diabetikern die Gehgeschwindigkeit verbessert.

Bei Nichtdiabetikern kam es nach den im Journal of Neurology (2022; DOI: 10.1007/s00415-022-11119-6) vorgestellten Ergebnissen zu besseren Leistungen in einigen kognitiven Tests.

Insulin wirkt auch im Gehirn. Es bindet dort an Rezeptoren, die in verschiedenen Hirnregionen nachgewiesen wurden, darunter auch im Hippocampus, der für die Speicherung von Gedächtnisinhalten verantwortlich ist oder auch in Kleinhirn und der Substantia nigra, die Bewegungen koordinieren.

Beim Typ-2-Diabetes kommt es auch im Gehirn zu einer Insulinresistenz, die nicht nur die Nährstoffversorgung der Hirnzellen verschlechtert, die bekanntlich allein durch Glukose sichergestellt wird. Die Insulinresistenz im Gehirn wird deshalb für eine beschleunigte Alterung verantwortlich gemacht, zu der es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kommt. Aber auch Personen mit einem Prädiabetes sind gefährdet.

Die MemAID-Studie („Memory Aid by Intranasal Insulin in Diabetes“) hat in den letzten Jahren untersucht, ob eine intranasale Behandlung mit Insulin die Hirnfunk­tion verbessern kann.

Der direkte Weg ins Gehirn soll dabei einen starken Abfall des Blutzuckers vermei­den, zu dem es bei der üblichen subkutanen Gabe kommt, wenn die Dosis zu hoch ist. Die Studie konnte deshalb auch einige Patienten einschließen, die (noch?) nicht an einem Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Davon ist angesichts von Übergewicht und Bewegungsmangel in den USA bereits jeder 4. Mensch im Alter betroffen.

An der Studie nahmen neben 115 Typ-2-Diabetikern auch 129 Nicht-Diabetiker (Kontrollen) teil. Beide Gruppen wurden gebeten, über 24 Wochen einmal täglich ein Nasenspray anzuwenden, das bei einer Hälfte der Teilnehmer Insulin enthielt, bei der anderen Hälfte wirkstofffrei war.

Vor und am Ende der Behandlungsphase wurden die kognitiven Fähigkeiten getestet. Außerdem wurde ihre Gehgeschwindigkeit 2 Mal bestimmt. Das 1. Mal unter normalen Bedingungen. Beim 2. Mal mussten die Teilnehmer während des Gehens in siebener Abständen rückwärts zählen. Diese doppelte Aufgabe fällt älteren Menschen häufig schwer. Alle Tests wurden 24 Wochen später noch einmal wiederholt.

Wie Vera Novak vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston und Mitarbeiter jetzt berichten, kam es bei den Diabetikern vor allem zu einer Verbesserung des Gehens. Sowohl beim normalen Gehen als auch im „dual task“-Gehen wurden sie schneller, wobei der Trend auch nach dem Ende der Behandlung anhielt.

Ein signifikanter Einfluss auf die exekutiven Funktionen („Verstand“) und das verbale Leben war nicht nachweisbar. Bei einigen Diabetikern waren auch Magnetresonanz­­tomografien durchgeführt worden, mit denen sich die Durchblutung des Gehirns messen lässt. Nach der Insulingabe kam es bei allen Teilnehmern zu einer Verbesse­rung, während sich die Durchblutung in der Placebogruppe im Verlauf der Behand­lung eher verschlechterte.

Bei den Teilnehmern, die (noch) nicht an einem Typ-2-Diabetes erkrankt waren (es stellte sich heraus, dass etliche bereits einen Prädiabetes hatten), kam es dagegen in erster Linie zu Verbesserungen in den kognitiven Tests. Das Insulinspray hatte die exekutiven Funktionen und das verbale Gedächtnis verbessert. Magnetresonanzto­mografien waren in dieser Gruppe nicht durchgeführt worden.

Worauf die Unterschiede zwischen Diabetikern- und Nicht-Diabetikern beruhen, kann die Studie nicht klären. Da es sich um eine Phase-2-Studie mit einer begrenzten Fallzahl handelt, beweist die Studie nur, dass mit einem Insulinspray im Prinzip eine Wirkung im Gehirn erzielt werden kann. Ob sie den älteren Menschen nutzt, und ob die Behandlung sicher ist, müsste in weiteren Studien untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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