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Medizin

Progressionsrisiken des Mammakarzinoms durch Lockdown überschaubar

Mittwoch, 4. Mai 2022

/medistock, stock.adobe.com

Köln – Die Folgen eines Lockdowns im Hinblick auf das Progressionsrisiko des Mammakarzinoms sind offen­bar überschaubar. Das zeigt eine neue Studie, die im Deutschen Ärzteblatt (2022; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0165) erschienen ist.

Dieter Hölzel und Co-Autoren berechneten darin anhand von Daten der Kooper­ationsgemeinschaft Mammo­graphie aus dem Jahr 2018 sowohl die Anzahl der diagnostizierten Mammakarzinome als auch die Anzahl der primär behandelten invasiven Mammakarzinome und ihr Wachstum für den Zeitraum von 5 Wochen.

Es zeigte sich für die TNM-Kategorien pT1a–b/pT1c/≥ pT2 ein Mortalitätsanstieg von 0,4 % / 1,8 % / 3,2 % beziehungsweise ergaben die Berechnungen 21 zusätzliche Sterbefälle, wenn alle 1.315 Mammakarzinome mit 5 Wochen Verzögerung entdeckt worden wären.

Die Autorinnen und der Autor konnten ebenfalls die Folgen von verschobenen Primäroperationen abschätzen. Eine bundesweite Verschiebung der Operationen um 5 Wochen würde für die 3.080 Patientinnen mit pT1-Tumor und den 2.050 Patientinnen mit pT2–4-Tumor 26 (0,84 %) beziehungsweise 45 (2,2 %) zusätzliche Sterbefälle verursachen.

Die Forscher schlussfolgern, dass im Versorgungsalltag der zeitliche Abstand zwischen Stanzbiopsie und Pri­märoperation von der Größe des Primärtumors abhängen sollte. Sie geben aber zu bedenken, dass unbekannt ist, wie die Pandemie das Verhalten der Patientinnen beeinflusst und Versorgungsabläufe verzögert hat.

Verzögerungen können sich summieren und die Prognose weiter verschlechtern. Bei verzögerter neoadjuvan­ter Therapie kann der Primärtumor weiter streuen, und prävalente Metastasen könnten nicht eradiziert wer­den. Simultane Therapien erzielen bessere Ergebnisse, weil damit Verschiebungen von Therapiekompo­nenten vermieden werden.

In Bezug auf den Versorgungsalltag, so Hölzel und Co-Autoren, ist zu berücksich­tigen, dass das Metastasie­rungsrisiko von der Tumorgröße abhängt und deshalb insbesondere bei größeren Tumoren die Zeit von der Diagnosesicherung bis zur Operation minimiert werden sollte. Dieses zeitnahe Handeln ist bei allen Tumor­entitäten angezeigt, die zum Teil um ein Vielfaches schneller als Brust- und Prostatakrebs wachsen.

Während der COVID-19-Pandemie wurde ein Lockdown initiiert, durch den das Brustkrebsscreening in Deutschland für 5 Wochen ausgesetzt wurde. Aufgrund dieser Maßnahme wuchsen die nicht diagnosti­zierten Mammakarzinome durchschnittlich 5 Wochen länger, wenn die Teilnehmerinnen das Screening direkt im Anschluss an den Lockdown nachgeholt hätten. © et/aerzteblatt.de

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