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Millionenschaden durch Betrugsfälle bei KKH

Mittwoch, 4. Mai 2022

/picture alliance, Jana Bauch

Hannover – Betrügerische ambulante Pflegedienste haben bei der KKH Kaufmännischen Krankenkasse im vergangenen Jahr einen Millionenschaden verursacht.

Die Pflegedienste erschwindelten sich nach Angaben der Kasse mit Sitz in Hannover knapp 3,4 Millionen Euro zulasten der Kranken- und Pflegeversicherung. Insgesamt sei im vergangenen Jahr der KHH ein Schaden von 4,7 Millionen Euro durch Abrechnungsbetrug entstanden – so viel wie in keinem Jahr zuvor.

Die KKH gehört mit mehr als 1,6 Millionen Versicherten bundesweit zu den größten Krankenkassen. Der Gesamtschaden hatte 2020 bei der KKH bei knapp 0,5 Millionen Euro und 2019 bei fast 1,0 Millionen Euro gelegen.

Hintergrund waren den Angaben zufolge Ermittlungserfolge der Staatsanwaltschaft gegen mehrere Pflege­dienste im Raum Augsburg in Bayern. Es seien immer nur wenige schwarze Schafe, die kriminell agierten, sagte KKH-Chefermittlerin Dina Michels heute in Hannover. „Doch diese bereichern sich an Geldern, die den Versicherten für die Vorsorge und die Behandlung von Krankheiten vorbehalten sind.“

Die KKH-Prüfgruppe Abrechnungsmanipulation erhielt 2021 352 neue Hinweise auf Betrug, die meisten Tipps kamen aus Nordrhein-Westfalen. 147 Tatverdächtige kamen aus dem Bereich Pflegedienste, 50 Tatverdächtige waren Krankengymnasten oder Physiotherapeuten. Darüber hinaus wurde 35 Ärzten Betrug vorgeworfen.

In den meisten Fällen ging es um die Abrechnung nicht erbrachter Leistungen, gefolgt vom Einsatz unqualifi­zierten Personals. Nach Angaben der Versicherung kommen Straftaten im Gesundheitssektor häufig nicht ans Licht, die Dunkelziffer sei hoch.

Die Bevölkerung wird älter – immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen. Die Ausgaben im Gesund­heitssektor steigen nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes ständig an – im Jahr 2021 auf einen Höchstwert von insgesamt 466 Milliarden Euro.

„Diese Summe setzt bei einzelnen Leistungserbringern ein hohes Maß an Energie frei, gesetzwidrig Gelder einzustreichen“, sagte der Braunschweiger Oberstaatsanwalt André Schmidt. Die Staatsanwaltschaft Braun­schweig ist eine Zentralstelle für Korruptionsbekämpfung.

Wichtig sei, dass alle Verantwortlichen bei der Bekämpfung von Straftaten im Gesundheitswesen an einem Strang ziehen. Auch müssten Hinweisgeber geschützt werden, betonte Schmidt.

Teilweise kommen die Tipps auf Betrug von Mitarbeitenden der Pflegedienste oder Praxen. Aber auch bei den Kontrollen des Medizinischen Dienstes (MD) können Unregelmäßigkeiten auffallen.

Anlassbezogene Kontrollen habe es während der Pandemie durchgängig gegeben, sagte Martin Dutschek, Sprecher des MD Niedersachsen. In den meisten Fällen werde Hinweisen auf Missstände oder Qualitäts­män­gel in der Pflege nachgegangen, manchmal gehe es aber auch um den Verdacht des Abrechnungsbetrugs.

Die Qualitätsprüfungen der Pflegeanbieter einmal im Jahr waren in der Coronazeit in Niedersachsen für viele Monate ausgesetzt worden, sie wurden dem Sprecher zufolge aber Anfang 2022 wieder aufgenommen. © dpa/aerzteblatt.de

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