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Medizin

ADHS: Medikamente könnten Langzeitar­beitslosigkeit vermeiden

Dienstag, 10. Mai 2022

/Kings Access, stock.adobe.com

Örebro– Patienten mit einer Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind seltener von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, wenn sie die medikamentöse Behandlung im Erwachsenenalter fortsetzen.

Darauf deutet eine bevölkerungs­basierte Studie in JAMA Network Open (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.6815) hin.

Das ADHS wird heute als eine lebenslange Erkrankung betrachtet. Bei den meisten Patienten wird die Behandlung jedoch im Erwachsenenalter abgebrochen, häufig nach dem Abschluss der Ausbildung, wenn die Folgen von Konzentrationsschwie­rigkeiten, mangelnder Organisation und Planung, Selbstregulierungsdefizite, Vergesslichkeit und Impulsivität sich nicht mehr unmittelbar in den Prüfungser­gebnissen niederschlagen. Die gleichen Symptome können aber auch die berufliche Karriere behindern. Eine mögliche Folge ist eine Arbeitslosigkeit.

Ein Team um Lin Li von der Universität Örebro hat dies durch den Abgleich mehrerer Register untersucht, in denen die Patienten mit derselben Identifikationsnummer geführt werden.

Im Nationalen Patientenregister fanden die Forscher 25.358 Personen der Jahrgänge 1958 bis 1978, die schon einmal wegen eines ADHS im Krankenhaus behandelt wurden. Von ihnen tauchten 12.875 auch in der Datenbank LISA auf, die alle versicherungspflichtigen Arbeitnehmer umfasst.

Dort lassen sich auch Personen identifizieren, die über längere Zeit arbeitslos waren. Ob diese Personen zuvor mit Medikamenten behandelt worden waren, konnten die Forscher in einem Nationalen Register für verschreibungspflichtige Medikamente recherchieren.

Ergebnis: Tatsächlich waren Arbeitnehmer, denen in den vorangegangenen 2 Jahren Methylphenidat, Amphetamin, Dexamphetamin, Lisdexamfetamin oder Atomoxetin verordnet worden waren, im folgenden Jahr zu 10 % seltener von Langzeitarbeits­losigkeit betroffen.

Das adjustierte relative Risiko (aRR) von 0,90 war mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 0,87 bis 0,95 statistisch signifikant. Interessanterweise war der Zusammenhang bei Frauen deutlicher (aRR 0,82; 0,76-0,89) und bei Männern (aRR 0,96; 0,91-1,01) nicht signifikant. Der Grund dafür ist nicht bekannt.

Li fand auch eine Dosis-Wirkungsbeziehung, die eine mögliche Kausalität (die in epidemiologischen Studien niemals sicher belegt werden kann) unterstreicht. Das Risiko auf eine Langzeitarbeitslosigkeit war bei einer Behandlungsdauer von weniger als 6 Monaten bei Frauen um 14 % vermindert (aRR 0,86; 0,78-0,95), bei einer Verordnung über 18 bis 24 Monate (innerhalb des 2 Jahreszeitraums) waren die Patientinnen zu 28 % seltener langzeitarbeitslos (aRR 0,72; 0,58-0,90).

Auch wenn ein Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit um 10 % insgesamt gering erscheinen mag, könnte die niedrige Behandlungsrate – nur 3,23 % der Patienten nahmen dauerhaft Medikamente ein – angesichts der hohen Zahl der betroffenen Arbeitnehmer mit einer erheblichen wirtschaftlichen Belastung verbunden sein, schreibt Li. © rme/aerzteblatt.de

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