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Medizin

COVID-19: Neue Impfstoffe, pflanzen- und proteinbasiert, schützen vor mittelschweren bis schweren Erkrankungen

Donnerstag, 5. Mai 2022

/Hanjo, stock.adobe.com

Quebec City und Peking – Die schnell nachlassende Schutzwirkung von mRNA-Vakzinen und die häufigen Durchbruchinfektionen durch neue Virusvarianten zeigen, dass ein idealer COVID-19-Impfstoff noch nicht ge­funden worden ist. Im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2201300 und NEJMoa2202261) wurden jetzt die Ergebnisse von Phase-3-Studien zu zwei Impfstoffen vorgestellt, die mit anderen technologischen Plattformen erzeugt wurden.

Der Impfstoff CoVLP des Herstellers Medicago aus Quebec City wird in den Blättern von Nicotiana bentha­miana erzeugt, einer in Australien heimischen Tabakpflanze. Die Pflanze wird seit längerem in der Forschung verwendet, da sie von zahlreichen Viren befallen wird. SARS-CoV-2 gehört nicht dazu, den kanadischen For­schern ist es aber gelungen, mithilfe eines Bakteriums (Agrobacterium tumefaciens) die Gene von SARS-CoV-2 in die Zellen der Tabakpflanze zu integrieren.

Die Pflanze erzeugt dann virus-artige Partikel, die als „Coronavirus Virus-Like Particle“ (CoVLP) bezeichnet werden und sich aus Pflanzenblättern isolieren lassen. CoVLP sind nicht infektiös, da sie keine Gene enthal­ten. Sie tragen auf ihrer Oberfläche aber die Antigene von SARS-CoV-2, was sie als Impfstoff interessant macht. Zur Verstärkung wurde dem Impfstoff, der seit kurzem als Covifenz in Kanada zugelassen ist, das Adjuvans AS03 des Herstellers GlaxoSmithKline zugefügt.

Die Phase-3-Studie wurde zwischen März und September vergangenen Jahres in Argentinien, Brasilien, Kana­da, Mexiko, Großbritannien und den USA durchgeführt. An 85 Zentren erhielten 24.141 jüngere Erwachsene (median 29 Jahre) im Abstand von 21 Tagen zwei intramuskuläre Injektionen mit CoVLP oder Placebo.

In den ersten anderthalb Monaten nach der 2. Dosis kam es zu 165 bestätigten symptomatischen Infektionen, von denen 40 in der Impfstoff- und 125 in der Placebogruppe auftraten. Karen Hager vom Hersteller Medica­go und Mitarbeiter ermitteln eine Impfstoffwirksamkeit von 69,5 %, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 56,7 % bis 78,8 % signifikant war.

Die Schutzwirkung vor mittelschweren bis schweren Erkrankungen betrug in einer „Post-hoc“-Analyse 78,8 % (55,8-90,8 %). Bei Teilnehmern, die zu Studienbeginn seronegativ waren, betrug die Impfstoffwirksamkeit gegen jeden Schweregrad der Erkrankung 74,0 % (62,1-82,5 %). Interessanterweise war die mittlere Viruslast in den Abstrichen der Geimpften bei Durchbruchinfektionen mehr als 100-mal so niedrig wie in der Placebo-Gruppe.

Die COVID-19-Vakzine ZF2001 des chinesischen Herstellers Anhui Zhifei Longcom aus Peking gehört wie NVX-CoV2373 von Novavax zu den proteinbasierten Impfstoffen. Während NVX-CoV2373 ein komplettes Spike-Protein enthält, besteht ZF2001 nur aus dem Abschnitt der Rezeptorbindungsstelle (RBD), wobei jeweils zwei RBD über eine Disulfidbrücke miteinander verbunden sind. Da Antikörper gegen die RBD die stärkste neutralisierende Wirkung haben, verspricht ein solcher RBD-Dimer-basierter Impfstoff eine optimale Schutz­wirkung.

ZF2001 wurde vom 12. Dezember 2020 bis zum 15. Dezember 2021 an 31 Zentren in Ecuador, Indonesien, Usbekistan und Pakistan mit Placebo verglichen (Eine zusätzliche Sicherheitsprüfung fand an einem Zentrum in China statt). Die Teilnehmer erhielten im Abstand von jeweils 30 Tagen drei Impfdosen. In den sechs Monaten nach der Impfung kam es in der ZF2001-Gruppe zu 158 symptomatischen Infektionen gegenüber 580 in der Placebo-Gruppe.

Das Team um Lidong Gao von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking errechnet eine Impfstoffwirksamkeit von 75,7 % (71,0-79,8 %). Zu einem schweren oder kritischen COVID-19 kam es bei 6 Geimpften und 43 scheinbar Geimpften, was eine Impfstoffwirksamkeit von 87,6 % (70,6-95,7 %) ergibt.

COVID-19-bedingte Todesfälle traten bei zwei beziehungsweise zwölf Teilnehmern auf. Die Impfstoffwirk­samkeit betrug hier 86,5 % (38,9-98,5 %). Sicherheitsprobleme sind in der Studie nicht aufgetreten. ZF2001 ist als Zifivax mittlerweile in China, Usbekistan, Indonesien und Kolumbien zugelassen.

Ein Vorteil der beiden Impfstoffe ist, dass sie wie Nuvaxovid bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden können, was ihren Einsatz in Ressourcen-armen Ländern erleichtert. Da die Studien relativ spät durchgeführt wurden, ist die Impfstoffwirksamkeit vor dem Hintergrund der Alpha- und Delta-Wellen zu beurteilen, in denen die Schutzwirkung der mRNA-Impfstoffe, die in den klinischen Studien zu 95 % wirksam waren, nachgelassen hatte. Daten zur Schutzwirkung gegen Omikron liegen nicht vor. © rme/aerzteblatt.de

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