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Ärzteschaft

Weigeldt kritisiert Datenlage zur Coronapandemie

Freitag, 6. Mai 2022

Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. /picture alliance, Marius Becker

Hannover – Einen „Datenblindflug" im Kontext der Coronapandemie beklagte heute Ulrich Weigeldt, Bundes­vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes (DHÄV). Im Rahmen der Frühjahrstagung des Verbandes kritisierte er die „nach wie vor schlechte Datenlage“.

Es sei offensichtlich, dass die Datenbasis nicht die realen Verhältnisse abbilde, so Weigeldt. Die Basis der In­fiziertenzahlen würden „einzig und allein positive PCR-Tests“ darstellen – dabei sei klar, dass sich nicht jede oder jeder Infizierte einem PCR-Test unterziehe. Hinzu komme, dass bei der Bewertung der Situation immer wieder zwischen verschiedenen Kriterien hin und her gewechselt werde, ohne dass eine konsistente Strategie erkennbar sei.

Um klare Erkenntnisse über die Infektionslage und eine Beurteilung der Wirksamkeit von Maßnahmen zu gewinnen, brauche es valide Kohortenstudien, sagte Weigeldt. Dies fordere man seitens der Hausärzte seit langem, sehe aber bisher sehr wenig Engagement der Politik, dieses „so entscheidende Problem anzupacken“ und sich so auf den Herbst 2022 vorzubereiten.

Als „ärgerlich“ bezeichnete Weigeldt die Kommunikation durch die Verantwortlichen. „Düstere Drohszenarien“ würden in den seltensten Fällen helfen und eher zu einer Abstumpfung beitragen. Insbesondere für den kommenden Herbst gelte: Man brauche nicht nur ausreichend Impfstoff, sondern auch eine motivierende politische Kommunikation.

Zudem sei auch unter dem neuen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) keine Einbindung haus­ärztlicher Expertise in den Coronaexpertenrat, beispielsweise durch die Aufnahme des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), erfolgt.

Ein „ausgeprägtes Silodenken“ in der Gesundheitspolitik zeige sich auch bei der Besetzung der Regierungs­kommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung. Nicht eine niedergelassene Ärz­tin oder niedergelassener Arzt sei Teil der Kommission. Dabei gehe es auch um Fragen der Ambulantisierung oder des Entlassmanagements.

Neben einer Krankenhausreform warte mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens eine weitere Groß­baustelle auf den Gesundheitsminister. „Sieht man sich allein in Europa um, belegt Deutschland eher einen Abstiegsplatz als einen der vorderen Ränge“, so Weigeldt.

Es sei deshalb zu begrüßen, dass die in diesem Fall zuständige Abteilung fünf des Bundesgesundheits­minis­teriums (BMG) seit Anfang April mit Susanne Ozegowski wieder mit einer Leitung besetzt ist. Ein erster Be­such sei von einem offenen konstruktiven Dialog geprägt gewesen.

„Die positiven Signale nähren die Hoffnung, dass unsere Anliegen nicht mehr in den Mühlen der Gematik zer­mahlen werden und unsere konstruktiven Vorschläge auf fruchtbareren Boden fallen“, sagte der Verbands­vor­sitzende.

Matthias Berndt, Vorsitzender des Hausärzte-Landesverbandes Niedersachsen, betonte: „Die Hausarztpraxen würden sich sehr wünschen, dass sie endlich funktionierende Anwendungen zur Verfügung gestellt bekomm­en, die die Versorgung verbessern helfen und den Praxisalltag leichter machen.“

Die Realität sei aber leider, dass die Verantwortlichen bisher an den Grundlagen scheitern. Von den angekün­digten großen Visionen und Strategien sei bisher nichts in den Arztpraxen angekommen. © aha/aerzteblatt.de

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