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Medizin

„Happy Heart Syndrome“: Auch positive Erlebnisse können Takotsubo auslösen

Montag, 9. Mai 2022

/Orawan, stock.adobe.com

Lübeck – Das Takotsubo-Syndrom, eine stressvermittelte akute, in der Regel aber reversible Funktionsstörung des Herzmuskels, wird nicht nur durch negative Erlebnisse ausgelöst, die zur Bezeichnung „Broken Heart Syndrome“ geführt haben.

Die Analyse eines Patientenregisters in JACC: Heart Failure (2022; DOI: 10.1136/postgradmedj-2018-136310) zeigt, dass einige Patienten auch erfreuliche Ereignisse als Trigger angeben. Vom „Happy Heart Syndrome“ scheinen eher Männer betroffen zu sein.

Das Takotsubo-Syndrom hatten zuerst japanische Kardiologen beschrieben, die die Verformung der linken Herzkammer in der Kontrastmitteluntersuchung an eine japanische Tintenfischfalle erinnerte. Auffallend war bei den Patienten auch, dass trotz Herzinfarktzeichen im EKG und einem Anstieg der kardialen Enzyme kein Verschluss einer Koronararterie vorlag, der üblichen Ursache eines Herzinfarkts. Die Kardiologen verzichten deshalb auf eine Stent-Implantation und in den meisten Fällen erholen sich die Patienten vollständig.

Das Takotsubo-Syndrom wird heute mit einer Überreaktion des sympathischen Nervensystems und einem Anstieg von Stresshormonen in Verbindung gebracht. Zu dieser Reaktion kann es auch bei erfreulichen Ereignissen kommen, und tatsächlich sehen Kardiologen immer wieder Patienten mit einem „Happy Heart Syndrome“. Typische Trigger sind Hochzeiten, die Geburt von Enkelkindern, Geburtstagsfeiern oder die Vorfreude auf eine Reise oder Weihnachten.

In dem Patientenregister GEIST („GErman Italian Spanish Takotsubo“) gaben 37 von 2.482 Patienten (1,5 %) ein freudiges Erlebnis als Auslöser an. Bezogen auf die 910 Patienten, die sich an ein emotionales Ereignis erinnerten, betrug der Anteil sogar 4,1 %, wie Privatdozent Thomas Stiermaier vom Universitären Herzzentrum Lübeck und Mitarbeiter jetzt berichten.

Eine Besonderheit war, dass der Anteil der Männer hoch war. Ein Takotsubo-Syndrom tritt meist bei Frauen auf. Unter den Personen mit einem negativen Erlebnis als Auslöser, waren nur 5,0 % Männer. Beim „Happy Heart Syndrome“ lag der Anteil bei 18,9 %.

Das „Happy Heart Syndrome“ unterscheidet sich auch in der Form des Herzens. Klassisch für das Takotsubo-Syndrom ist eine apikale Ballonierung, die dem Herzen die Form einer Tintenfischfalle gibt. Beim „Happy Heart Syndrome“ wurden häufiger andere Formen beobachtet wie die mediale ventrikuläre Ballonierung, bei der der mittlere Abschnitt des Ventrikels wie durch einen zu engen Gürtel verengt ist. Diese Variante lag bei 27,0 % der Patienten mit „Happy Heart Syndrome“ aber nur bei 12,5 % der Patienten mit „Broken Heart Syndrome“ vor.

Diese Beobachtung hatte vor einigen Jahren bereits ein Team um Prof. Christian Templin vom Universitätsspital Zürich bei der Auswertung des internationalen „Takotsubo Registry“ gemacht. Damals hatten 35,0 % der Patienten eine mediale ventrikuläre Ballonierung aufgewiesen. Eine häufigere Erkrankung von Männern war damals jedoch nicht aufgefallen (European Heart Journal, 2016; DOI: 10.1093/eurheartj/ehv757).

Die Registerdaten zeigen auch, dass ein Takotsubo nicht harmlos ist. Im GEIST-Register kam es beim „Happy Heart Syndrome“ während des Klinikaufenthalts seltener zu Komplikationen wie kardiogenem Schock, Schlaganfall oder Lungenödemen (8,1 % versus 12,3 % beim „Broken Heart Syndrome“). Auch die Langzeitsterberate war mit 2,7 % versus 8,8 % niedriger. Die Unterschiede waren wegen der geringen Fallzahl jedoch statistisch nicht signifikant. © rme/aerzteblatt.de

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