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Medizin

Lebenserwartung bestimmt Nutzen einer intensiven Blutdrucksenkung bei Älteren

Dienstag, 10. Mai 2022

LIGHTFIELD STUDIOS, stock.adobe.com

Xi’an – Eine intensive Blutdrucksenkung kann bei Menschen über 60 Jahren mit Hypertonie von Vorteil sein, wenn ihre Lebenserwartung mehr als 3 Jahre beträgt.

Bei einer Lebenserwartung von unter 1 Jahr ist eine intensive Therapie möglicherweise nicht mehr angemessen, wie eine Sekundäranalyse von 6 randomisiert-kontrollierten Studien in JAMA Internal Medicine zeigt (DOI: 10.1001/jamainternmed.2022.1657).

Aktuelle Leitlinien empfehlen für Menschen über 60 Jahren ein systolisches Blutdruckziel von 150 mmHg oder gar 130 mmHg. Doch während sich die kardiovaskuläre Risikoreduktion erst im Laufe der Zeit zeigt, können mögliche Komplikationen der intensiven Blutdrucktherapie, zum Beispiel Synkopen oder Stürze, sofort auftreten.

„Es wird deshalb diskutiert, die Entscheidung über die präventive Therapie zu individualisieren, indem man diese zeitliche Verzögerung berücksichtigt“, schreiben Erstautor Tao Chen vom Department of Public Health, Policy and Systems an der University of Liverpool und seine Kollegen. Auf diese Weise würde man Patienten mit einer begrenzten Lebenserwartung keinem potenziellen Schaden aussetzen, wenn sie nur eine geringe Chance auf einen Benefit haben.

Sekundäranalyse von 6 randomisiert-kontrollierten Studien

Die Forschungsgruppe führte eine Sekundäranalyse von 6 randomisiert-kontrollierten Studien durch. Ihr Ziel war, zu ermitteln, wie lange es üblicherweise dauert, bis Patienten über 60 Jahren klinisch von einer intensiven Blutdrucktherapie profitieren.

Die Analyse umfasst Daten von insgesamt 27.414 hypertensiven Senioren. Sie waren im Schnitt 70 Jahre alt, 56,3 % von ihnen waren Frauen. Als schweres kardiovaskuläres Ereignis (MACE) waren in den Studien vorwiegend Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskuläre Mortalität definiert.

Signifikante Risikoreduktion erfordert Zeit

Chen und seine Kollegen berichten, dass eine intensive Senkung des systolischen Blutdrucks auf unter 140 mmHg mit einer signifikanten Reduktion von MACE um 21 % assoziiert gewesen sei (HR 0,79 [95-%-KI 0,71-0,88]; p<0,001).

Im Schnitt waren 9,1 (95-%-KI 4,0-20,6) Monate intensive Blutdrucktherapie erforderlich, um 1 MACE pro 500 Patienten zu verhindern. Die absolute Risikoreduktion [ARR] lag bei 0,002.

Um 1 MACE pro 200 Patienten zu verhindern, dauerte es 19,1 (95-%-KI 10,9-34,2) Monate. Die ARR lag bei 0,005. Um 1 MACE pro 200 Patienten zu verhindern, waren 34,4 (95-%-KI 22,7-59,8) Monate erforderlich. Die ARR lag bei 0,01.

Die Entscheidung über die Blutdrucktherapie muss individuell sein

„Unsere Analyse zeigt: Behandelt man 100 ältere Patienten mit Hypertonie für etwa 3 Jahre, verhindert man 1 MACE. Dies legt nahe, dass eine intensive Einstellung des systolischen Blutdrucks für ältere Erwachsene mit einer Lebenserwartung über 3 Jahre angebracht ist“, schlussfolgern Chen und seine Kollegen. „Beträgt die Lebenserwartung dagegen weniger als 1 Jahr, überwiegen die Risiken der intensiven Blutdruckeinstellung möglicherweise den Nutzen.“

Die Ergebnisse dieser Studie zeigten noch einmal sehr deutlich, wie wichtig es sei, eine individuelle Entscheidung über die Blutdrucktherapie zu treffen und dabei die Wünsche und Präferenzen eines jeden Patienten zu berücksichtigen. © nec/aerzteblatt.de

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