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Medizin

Kalziumpräparate könnten mit einem früheren Tod von älteren Menschen mit Herzklappen­erkrankungen in Verbindung stehen

Donnerstag, 26. Mai 2022

/New Africa, stock.adobe.com

Cleveland – Kalziumpräparate könnten mit einer erhöhten Mortalität von älteren Menschen mit Aortenklappenstenose in Zusammenhang stehen.

Das berichtet eine Arbeitsgruppe vom Department of Cardiovascular Medicine in Cleveland in der Fachzeitschrift Heart (DOI: 10.1136/heartjnl-2021-320215).

Darüber hinaus scheinen diese Nahrungsergänzungsmittel die Erkrankung zu verschlimmern, unabhängig davon, ob sie mit Vitamin D kombiniert werden oder nicht, so die Ergebnisse.

„Der Zusammenhang zwischen der Einnahme von Kalzium und Vitamin D mit dem Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen und Todesfällen ist sehr umstritten“, berichten die Forscher. Die Beweise für die Sicherheit von Kalzium und Vitamin D stammten jedoch größtenteils aus Tierversuchen. Zudem habe die Verschreibung dieser beiden Nahrungsergänzungsmittel in den vergangenen Jahren stark zugenommen, insbesondere bei Frauen nach der Menopause, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Sie verfolgten daher die Herzgesundheit von 2.657 Patienten (Durchschnittsalter 74 Jahre; 42 Prozent Frauen) mit leichter bis mittelschwerer Aortenstenose zwischen 2008 und 2018. Der durchschnittliche Beobachtungszeitraum betrug mehr als 5,5 Jahre. Die Teilnehmer wurden unterteilt in diejenigen, die keine Nahrungsergänzungsmittel einnahmen (1.292; 49 %), in diejenigen, die nur Vitamin D einnahmen (332; 12 %), und in diejenigen, die Kalzium mit oder ohne Vitamin-D-Präparate erhielten (1.033; 39 %) – von diesen nahmen 115 nur ein Kalziumpräparat ein.

Diejenigen, die Nahrungsergänzungsmittel einnahmen, hatten laut dem Forschungsteam deutlich häufiger Diabetes und koronare Herzkrankheiten als diejenigen, die keine Nahrungsergänzungsmittel einnahmen. Außerdem nahmen sie häufiger Statine, Warfarin und Phosphatbinder ein, hatten häufiger eine Koronararterien-Bypass-Operation und waren öfter dialysepflichtig.

Während des Beobachtungszeitraums starben 540 (20,5 %) Personen: 150 starben an Herz-Kreislauferkrankungen, 155 an anderen Ursachen und 235 an unbekannten Ursachen. Bei 774 (29 %) Personen wurde die Aortenklappe ersetzt. Mehr als 1/3 der Teilnehmer in jeder der Gruppen entwickelte nach 5 Jahren eine schwere Aortenstenose.

Die zusätzliche Gabe von Vitamin D allein schien das Überleben nicht zu beeinflussen. Die Gabe von Kalzium und Vitamin D war laut der Auswertung jedoch mit einem signifikant höheren (31 %) Risiko eines Todes aus beliebiger Ursache und einer Verdoppelung des Risikos eines kardiovaskulären Todes verbunden. Außerdem war das Risiko für einen Aortenklappenersatz um 48 Prozent höher als bei denjenigen, die keine Ergänzungsmittel einnahmen.

Die alleinige Einnahme von Kalziumergänzungsmitteln war ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für einen Tod aus beliebiger Ursache (24 %) und einem fast 3-fachen Risiko für einen Aortenklappenersatz verbunden.

Die Forscher weisen aber daraufhin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die Ursachen nicht klärt.

Dennoch kommen die Forscher zu dem Schluss: „Gestärkt durch die große Stichprobengröße und den langen Nachbeobachtungszeitraum legt unsere Studie nahe, dass eine Kalziumergänzung keinen kardiovaskulären Nutzen bringt und stattdessen ein erhöhtes Gesamtrisiko für Aortenklappenersatz und Sterblichkeit widerspiegeln könnte.“ © hil/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #753980
Michael Odinius
am Montag, 30. Mai 2022, 08:01

Immer mehr suggestive und irreführende Überschriften

Genauso hätte man als Überschrift auch wählen können: "Kalziumpräparate UND STATINE könnten mit einem früheren Tod von älteren Menschen mit Herzklappen­erkrankungen in Verbindung stehen". Immer öfter legen die gewählten Überschriften eine Schlussfolgerung nahe, die im Gegensatz zum Inhalt stehen. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Beobachtungen keine Rückschlüsse auf die Kausalität zulassen. Etwas mehr Sorgfalt bei den Überschriften würde ich mir wünschen.
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