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Politik

Fachkräftemangel in Pflegeberufen zentrale Zukunftsaufgabe

Mittwoch, 11. Mai 2022

/picture alliance, empics, Jane Barlow

Berlin – Vor dem morgigen Internationalen Tag der Pflegenden haben mehrere Verbände stärkeres politisches Engagement für die Pflege eingefordert. So sprach sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) dafür aus, den Fachkräftemangel in Pflegeberufen ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Der Deutsche Pflegerat vermisst klares politisches Handeln.

„Der Personalmangel im Pflegebereich ist eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft. Um diesen Mangel erfolgreich bekämpfen zu können bedarf es konkreter politischer Schritte“, sagte der Vorstandsvor­sit­zende der DKG, Gerald Gaß. Konkret fordert die DKG Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf, das sogenannte Pflegepersonalbemessungsinstrument PPR 2.0 noch vor der Sommerpause als Gesetzentwurf zur Abstimmung vorzulegen und zügig umzusetzen.

Die DKG hat die PPR 2.0 zusammen mit der Gewerkschaft Verdi und dem Deutschen Pflegerat entwickelt. Ziel ist, vor Ort den Bedarf an Pflegepersonal zu ermitteln. Die Ampel-Parteien haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, die PPR 2.0 umzusetzen.

Die DKG weist daraufhin, dass die Beschäftigtenzahlen in der Krankenpflege in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Auch die finanzielle Situation habe sich „deutlich verbessert“. Vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Krankenhäusern verdienten im Jahr 2021 brutto durchschnittlich 34 Prozent mehr als 2011 – dies sei ein deutlich höherer Anstieg als in der Gesamtwirtschaft, hieß es aus der DKG. Diese „erfreuliche Entwicklung“ reiche aber nicht aus, um den Pflegepersonalbedarf der kommenden Jahrzehnte abzudecken. „Der Pflegepersonalmangel bleibt die vielleicht größte Herausforderung der Gesundheitspolitik“, betonte die DKG.

Der Deutsche Pflegerat bezeichnete die Bilanz der Ampelkoaltion im Bereich der Pflege als enttäuschend – trotz eigentlich im Koalitionsvertrag vereinbarter Ziele. „Heute, sechs Monate später, herrscht angesichts der Umsetzung des Vertrags große Ernüchterung“, kritisierte heute Pflegeratspräsidentin Christine Vogler. Sie erinnerte daran, dass die Ampelkoalition die dramatische Situation im Bereich der Pflege anfangs anerkannt und schnelle Besserung versprochen habe. „Den Ankündigungen folgten bislang keine Taten der Politik, ja nicht einmal konsequente Signale, dass die Umsetzung dessen überhaupt gewollt ist.“

Konkret forderte Vogler von der Politik eine Stärkung des Deutschen Pflegerats durch finanzielle und personelle Mittel. Außerdem müsse eine angemessene Mitsprache im Gesundheitswesen gesetzlich festgelegt werden.

Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat die Bundesregierung anlässlich des Internationalen Tages der Pflege aufgefordert, Ankündigungen für Verbesserungen in der Branche auch Taten folgen zu lassen. „Die Fakten liegen auf dem Tisch“, erklärte heute SoVD-Präsident Adolf Bauer. Jetzt gelte es, in die Umsetzung zu kommen. Die von der Politik angestoßenen Bemühungen, die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften spürbar zu verbessern, die Pflegekräfte zu entlasten und die Ausbildung in der Pflege zu stärken, dürften nicht nur reine Absichtserklärungen bleiben, sondern müssten reale Verbesserungen vorweisen.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) forderte konkrete Maßnahmen zum Ausbau der Pflegeausbildung und zur Zuwanderung von Pflegekräften. „Während sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren dramatisch erhöhen wird, scheiden viele Pflegekräfte altersbedingt aus dem Beruf aus. Bis 2030 werden nach konservativen Berechnungen 180.000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen“, erklärte bpa-Präsident Bernd Meurer.

Gebraucht würden auch mehr Pflegepädagoginnen und Pflegepädagogen, um die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen. Zugleich sei ein Sofortprogramm zur Anwerbung internationaler Pflegefachkräfte und Azubis notwendig. Dazu solle analog zur Blue Card für technische Berufe eine Care Card für Pflegende eingeführt werden, fordert der bpa-Präsident. © hil/kna/afp/aerzteblatt.de

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