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Politik

Recht auf Kryokonservierung immer noch lückenhaft

Donnerstag, 12. Mai 2022

/sola_sola, stock.adobe.com

Berlin – Drei Jahre nach dem Inkrafttreten des Rechts auf die Kostenübernahme einer Kryokonservierung von Keimzellen vor einer keimzellschädigenden Therapie bestehen immer noch erhebliche Lücken bei der Um­setzung.

Junge Krebs­patienten, Kinder und deren Eltern würden immer noch mit bürokratischen Auseinandersetzungen mit den Krankenkassen belastet und müssen in vielen Fällen die Kosten auch heute noch selbst tragen, kriti­sierte jüngst die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

Dabei sollte den jungen Patientinnen und Patienten der Fruchtbarkeitserhalt eigentlich als Routineversor­gung angeboten werden, ohne dass sie in der akuten Notsituation der Diagnosestellung über die damit ver­bundenen Kosten nachdenken müssten, sagt Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung.

Für die Fruchtbarkeitserhaltung sei eine unkomplizierte Realisierung besonders wichtig, da sie meist noch vor Beginn der Krebsbehandlung durchgeführt werden müsse, erläuterte Diana Lüftner, Vorstand der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, die seit mehr als 20 Jahren mit jungen Brustkrebspatientinnen ar­beitet.

„Neben der Diagnose schockiert junge Betroffene die Tatsache, eventuell keine eigenen Kinder bekommen zu können, oftmals ähnlich stark. Ihre Zukunft derart eingeschränkt zu sehen, hinterlässt deutliche Spuren“, er­klärt sie.

Positiv ist aus Sicht der Stiftung, dass seit nun genau drei Jahren die Kostenübernahme einer Kryokonservie­rung von Keimzellen vor einer keimzellschädigenden Therapie gesetzliche Kassenleistung ist. Paragraf 27 a Abs. 4 Sozialgesetzbuch V-neu trat im Mai 2019 in Kraft.

Das Ziel: Die Kryokonservierung und die dazugehörigen medizinischen Maßnahmen sollen Patientinnen und Patienten die Möglichkeit eröffnen, einen Kinderwunsch auch nach keimzellschädigender Therapie durch assistierte Reproduktion zu erfüllen.

Im Sommer 2021 wurde die neue gesetzliche Regelung schließlich auch praktisch durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) umgesetzt. Aktuell besteht der Leistungsanspruch für weibliche Versicherte ab dem 18. bis zum vollendeten 40. Lebensjahr und für männliche Patienten bis zum vollendeten 50. Lebensjahr. Das Gesetz schließt auch Patientinnen und Patienten mit nicht bösartigen Erkrankungen ein, die eine keimzell­schädigende Therapie benötigen.

Beim Einfrieren von Spermien bei Jungen und Männern und der Konservierung von Eizellen bei Frauen gibt es heute nur noch selten Probleme mit der Kassenfinanzierung, sagte Freund. Für diesen Fortschritt seien die jungen Betroffenen und ihre behandelnden Ärzte dankbar.

Hingegen werde die Entnahme von Eierstockgewebe und seine Konservierung durch Einfrieren für viele Mäd­chen und junge Frauen nicht von den Krankenkassen gezahlt, wie zahlreiche Hilfeanfragen an die Stiftung zeigten. Etliche Betroffene klagten vor dem Sozialgericht.

„Die Kryo­konservierung von Ovarialgewebe wird zu 90 Prozent in Universitätsklinika durchgeführt, die aber nach G-BA keine Leistungserbringer sind“, erläuterte Ralf Dittrich, Leiter des IVF- und Endo­krinologischen Labors der Frauenklinik des Universitätsklinikum Erlangen, die Problematik.

Schon zu Beginn der Fruchtbarkeitserhaltung käme es deshalb zum Streit um die Kostenübernahme. Zudem sei immer noch fraglich, ob die Re-Transplantation des Gewebes von den Krankenkassen bezahlt werden muss. Gewiss sei lediglich: „Ohne Transplantation wird es in diesen Fällen keine Kinder geben.“

Fraglich ist auch, ob Mädchen vor der Menarche überhaupt von einer solchen Regelung profitieren können. Dabei wäre dies sehr wichtig, meint Magda­lena Balcerek von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onko­logie und Hämatologie an der Charité, Universitätsmedizin Berlin.

„Präpubertär ist das Einfrieren von Keimzell­gewebe aktuell die einzige mögliche Chance zum Fruchtbarkeits­erhalt – sie muss also finanziert werden.“ Wenn man den aktuell behandelten Kindern jetzt nichts anbiete, dann hätten sie als Erwachsene keine Reserve, auf die sie zurückgreifen könnten.

Die Stiftung fordert daher weitere Anpassungen der Richtlinie, großzügige Übergangsregelungen sowie die Kassenfinanzierung der Entnahme und Kryokonservierung von Eierstockgewebe ohne Altersgrenze nach unten. Auch die Hormone für die Eizellkonservierung für Mädchen unter 18 Jahren müssten aus ihrer Sicht von den Kassen übernommen werden. © ER/aerzteblatt.de

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