NewsÄrzteschaftKrieg, Terror, Katastrophen: 5-Punkte-Versorgungs­plan vorgestellt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Krieg, Terror, Katastrophen: 5-Punkte-Versorgungs­plan vorgestellt

Freitag, 13. Mai 2022

/Damian, stock.adobe.com

Berlin/Hamburg – Einen 5-Punkte-Plan zur Versorgung von Verletzten in Kriegs-, Terror- und Katastrophen­si­tuationen stellten heute Unfallchirurgen und Ärzte der Bundeswehr vor. Kernpunkte sind eine strukturierte Bevorratung in Krankenhäusern und die systematische Einbindung politischer Entscheidungsträger in be­stehende Netzwerkstrukturen.

„Die Menschen erwarten, dass auch in einer Extremsituation jeder in Not geratene Mensch die erforderliche schnelle medizinische Hilfe erhält“, sagte Benedikt Friemert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfall­chirurgie (DGU). Deshalb müsse man sich auf unterschiedliche Gefahrensituationen vorbereiten und habe dafür einen neuen 5-Punkte-Plan 2.0 entwickelt, mit anstehenden taktischen Schritten für die nächsten Jahre.

Im Rahmen der vierten Notfallkonferenz der DGU, die in Kooperation mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP) organisiert wurde, betonte Frie­mert, der Ukraine-Krieg zeige die zunehmende Bedeutung einer funktionierenden zivil-militärischen Zusammenarbeit, wenn es um die medizinische Versorgung von Kriegsverletzten geht.

Terroranschläge, schwere Unfälle sowie Naturkatastrophen und andere Großschadensereignisse könnten in Deutschland schnell zu einer Situation führen, in der die Versorgung verletzter Personen nicht mehr ange­messen gewährleistet werden kann, so DGU und DGWMP.

„Solchen Einsatzlagen kann oft nur mit einer engen Zusammenarbeit verschiedener ziviler und auch militäri­scher Kräfte begegnet werden“, sagte Tim Pohlemann, Sprecher des Wehrmedizinischen Beirats des Bundesverteidigungsministeriums.

Der neue 5-Punkte-Plan, der in der DGU-Arbeitsgemeinschaft für Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirur­gie (AG EKTC) entwickelt wurde, beinhaltet Schritte für die nächsten Jahre mit dem Ziel, dass Opfer von mög­lichen Terroranschlägen oder bei Naturkatastrophen in Deutschland zu jeder Zeit und an jedem Ort schnell und situationsgerecht auf hohem Niveau versorgt werden können:

  1. Informationsveranstaltungen für nicht medizinische Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes- und lo­kaler Ebene zu den Besonderheiten eines Massenanfalls von Verletzten (MANV) und eines Massenan­falls von Verletzten bei Terrorlagen (TerrorMANV).
  2. Optimierung der interdisziplinären Erstversorgung in der Klinik bei einem MANV oder TerrorMANV mittels einer Beschreibung personeller, fachlicher und materieller Empfehlungen für die teambasierte und interdisziplinäre Erstversorgung in einer lebensbedrohlichen Einsatzlage.
  3. Etablierung einer Personenzertifizierung für den Themenkomplex „umfängliche Traumachirurgie“: Entwicklung eines Aus- und Weiterbildungskonzepts für Ärzte zur Vertiefung der Traumaversorgungs­kompetenz für den einzelnen Verletzten und die Verletzten im Rahmen eines MANV oder TerrorMANV.
  4. Sicherheit an und in der Klinik: Erarbeiten von Empfehlungen und praktischen Maßnahmen zur Verbes­se­rung der aktiven und passiven Sicherheit in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen bei einem TerrorMANV.
  5. Weitergehende Empfehlungen für den Terror-, Katastrophen- und Verteidigungsfall, wie das Erstellen einer Kapazitätsanalyse und Behandlungsempfehlungen für die innerklinische Katastrophenmedizin sowie einer Simulation zum Abgleich zwischen Behandlungsempfehlungen und -kapazitäten.

Eine weitere wichtige Aufgabe für die Zukunft bestehe in der Klärung, wie notwendige kostenintensive Bevorratung und Notfallübungen finanziert werden, so die Organisationen.

„Die notwendigen Strukturanpassungen mit einem Ad-hoc-Hochfahren der Versorgungsstrukturen in Form von Sachmitteln, Personal und Ausstattung können keinesfalls von den Kliniken aus dem laufenden Budget finanziert werden“, betonte DGU-Generalsekretär Dietmar Pennig.

Man fordere von Politik und Kostenträgern die Bereitstellung von Mitteln entsprechender Größenordnung, um die berechtigten Erwartungen der Bevölkerung in Bezug auf die Daseinsfürsorge zu ermöglichen. © EB/aha/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER