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Medizin

Bei hypoxämischem Atemversagen profitieren COVID-19-Patienten nicht von Bauchlagerung

Montag, 16. Mai 2022

/picture alliance, Jan Woitas

Hamilton – Bei wachen COVID-19-Patienten mit akutem hypoxämischen Atemversagen reduziert die Lagerung auf dem Bauch offenbar nicht das Risiko für eine endotracheale Intubation. Dies zeigt ein randomisierte klinische Studie, deren Ergebnisse in JAMA veröffentlicht wurden (2022; DOI: 10.1001/jama.2022.7993).

In der COVID-19-Pandemie hat sich die Bauchlagerung von wachen Patienten im Krankenhaus als sehr nützlich erwiesen. Der Nutzen bei Patienten mit hypoxä­mischem Atemversagen war allerdings unge­klärt. Ob auch diese Patientengruppe davon profitiert, untersuchte die COVI-PRONE (Awake Prone Position in Hypoxemic Patients with Coronavirus Disease 19)-Studie.

An 21 Krankenhäusern in Kanada, Kuwait, Saudi-Arabien und den USA wurden insgesamt 400 COVID-19-Patienten eingeschlossen. Sie waren zu Studienbeginn nicht intubiert, benötigten aber Sauerstoff oder eine nicht-invasive Beatmung.

Knapp 5 Stunden Bauchlage am Tag

Insgesamt 205 Patienten wurden auf die Bauchlagerung randomisiert (Interven­tionsgruppe) und 195 auf die Standardtherapie ohne Bauchlagerung (Kontroll­gruppe). Die Studie war nicht verblindet. Der primäre Endpunkt war der Anteil an endotracheal intubierten Patienten 30 Tage nach der Randomisie­rung.

Von den im Schnitt 58 Jahre alten Patienten schlossen alle die Studie ab. In den ersten 4 Tagen nach der Randomisierung verbrachten die Patienten in der Gruppe mit Bauchlagerung median 4,8 Stunden am Tag in Bauchlage. In der Kontroll­gruppe waren es 0 Stunden.

Kein statistisch signifikanter Unterschied

Bis Tag 30 nach der Randomisierung wurden 34,1% der Patienten in der Gruppe mit Bauchlagerung und 40,5% der Patienten in der Kontrollgruppe intubiert. Trotz einer Hazard Ratio von 0,81 (95-%-KI 0,59-1,12) und einem absoluten Risikounter­schied von -6,31 (95-%-KI -15,83 bis 3,10) war der Unter­schied zwischen den beiden Gruppen statistisch nicht signifikant (p=0,20).

Die Bauchlagerung hatte auch keinen signifikanten Effekt auf die 60-Tage-Mortalität (HR 0,93 [95-%-KI 0,62-1,40]; p=0,54). Der absolute Unterschied betrug −1,15% (95-%-KI −9,40% bis 7,10%).

Ebenso wenig erhöhte die Bauchlagerung die Zahl der Tage ohne invasive mechanische Beatmung oder ohne nicht-invasive Beatmung. Die Patienten in der Interventionsgruppe verbrachten auch nicht weniger Tage auf der Intensivstation oder im Krankhauses.

Keine schweren Komplikationen

Zu schweren Komplikationen kam es in keiner der beiden Gruppen. In der Gruppe mit Bauchlagerung lag die Nebenwirkungsrate bei 10%. Am häufigsten waren Muskel- und Skelettschmerzen oder Unbehagen durch die Bauchlage (6,34%) sowie Entsättigung (0,98%). In der Kontrollgruppe gab es keine Berichte über Nebenwirkungen.

Die Autoren um Waleed Alhazzani vom Department of Medicine an der McMaster University in Hamilton schlussfolgern, dass „die Ergebnisse eine Bauchlagerung in dieser Patientengruppe nicht unterstützen“.

Effektgröße schließt Abnahme und Zunahme ein

Allerdings sei die Effektgrößte für den primären Endpunkt unpräzise gewesen, weshalb sich ein klinisch bedeutsamer Nutzen nicht ausschließen lasse. Das 95-%-Konfidenzintervall umfasste eine absolute Reduktion an endotrachealen Intubationen um 15,8% ein, konnte aber eine Zunahme um 3,1% nicht ausschließen.

Möglicherweise ist mehr Zeit in Bauchlage erforderlich

Auch die in Bauchlage verbrachte Zeit könnte die Ergebnisse beeinflusst haben. Wie bereits in früheren Studien beobachtet, fiel es den wachen Patienten auch in dieser Studie schwer, mehrere Stunden am Tage auf dem Bauch zu liegen.

Das Ziel von 8-10 Stunden am Tag wurde nicht erreicht. Die erreichten etwa 5 Stunden Bauchlage am Tag seien aber schon besser gewesen als das, was in anderen Studien beobachtete worden sei, so die Autoren. Für die Zukunft sei es wichtig, neue Strategien zu erforschen, wie sich die Dauer der Bauchlagerung bei wachen Patienten verbessern ließe. © nec/aerzteblatt.de

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