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Medizin

Vermehrte Hirnatrophie bei MS-Patienten mit schubunabhängiger Progression

Montag, 23. Mai 2022

/freshidea, stock.adobe.com

Basel – Bei Patienten mit remittierender Multipler Sklerose (RMS) und schubunab­hänger Krank­heitsprogression ist offenbar der Verlust an Gehirnsubstanz beschleunigt, speziell in der Groß­hirn­rinde, wie eine Längsschnittstudie aus der Schweiz zeigt (2022; DOI: 10.1001/jamaneurol.2022.1025).

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass die schleichende, schubunabhängige Krankheitsprogres­sion bei MS mit erhöhten Atrophieraten assoziiert ist“, schreiben die Studienautoren um Ales­sandro Cagol vom Universitätsklinikum Basel. „Dies spiegelt wahrscheinlich kontinuierliche, diffuse, neurodegenerative Prozesse wider, speziell in der grauen Substanz der Großhirnrinde.“

Die Forschungsgruppe untersuchte 1.904 Gehirn-MRT-Aufnahmen, die im Verlauf von median 3,2 Jahren von 516 Patienten mit RMS angefertigt wurden. Vorwiegend handelte es sich um Frauen, die im Schnitt 41 Jahre alt waren und einen Score von 2,0 auf der Expanded Disability Status Scale aufwiesen.

Gehirnvolumen nimmt schneller ab als bei klinisch stabilen Patienten

Die Autoren berichten, dass die in der Radiologie sichtbare Entzündungsaktivität mit erhöhten Atrophieraten in verschiedenen Gehirnregionen assoziiert war. Eine erhöhte annualisierte Schubrate war mit einem beschleunigten Volumenverlust in der tiefen grauen Hirnsubstanz assoziiert.

Im Vergleich zu klinisch stabilen Patienten hatten Patienten mit schubunabhängiger Krankheits­progression eine erhöhte Rate an Gehirnvolumenverlust (MD-APC −0,36 [95-%-KI −0,60 bis −0,12]; p=0,02). Diese war vor allem getragen von dem Verlust an Grauer Hirnsubstanz in der Großhirnrinde.

Kein Unterschied zwischen Progression mit und ohne Schüben

Patienten mit Erkrankungsschüben wiesen im Vergleich zu klinisch stabilen Patienten eine erhöhte Atrophie im gesamten Gehirn auf (MD-APC −0,18 [95-%-KI −0,34 bis −0,02]; p=0,04). Bei ihnen war sowohl in der Großhirnrinde als auch in der tief liegenden Grauen Substanz ein beschleunigter Verlust zu beobachten.

Zwischen Patienten mit schubunabhängiger Krankheitsprogression und Patienten mit Schub­aktivität war kein Unterschied bei den Gehirnatrophieraten zu messen.

Patienten mit schleichender Progression rasch identifizieren

„Die Assoziation zwischen schubunabhängiger Krankheitsprogression und Gehirnatrophie zeigt deutlich, wie wichtig es ist, Patienten mit remittierender MS und schleichender, schubunab­hän­giger Krankheitsprogression in der Praxis rasch zu identifizieren. Sie könnten von einer optimie­rung der Therapie profitieren“, schlussfolgern Cagol und seine Kollegen.

Es müsse dringend weiter erforscht werden, ergänzen sie, mit welchen therapeutischen Interven­tio­nen sich bei diesen Patienten der unwiederbringliche Verlust an Hirngewebe verhindern lasse. © nec/aerzteblatt.de

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