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Medizin

Diabetogener Effekt von COVID-19 Gegenstand aktueller Forschung

Mittwoch, 1. Juni 2022

/Crystal light, stock.adobe.com

Berlin – Über verschiedene Mechanismen beeinflusst SARS-CoV-2 das Auftreten von Diabetes-mellitus-Neu­erkrankungen. Der genaue Zusammenhang ist allerdings Gegenstand aktueller Forschung.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen nun prüfen, ob der diabetogene Effekt von SARS-CoV-2 klinisch plausibel ist, erklärte Francesco Rubino, Chirurg am King's College London beim Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Um klinische Zusammenhänge zwischen COVID-19 und Diabetes mellitus genau analysieren zu können, haben Forschende bereits 2020 die Registrierungsplattform CoviDIAB ins Leben gerufen. Denn bereits zu Beginn der Pandemie fiel laut Rubino auf, dass ein Diabetes mellitus nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 häufiger erstdiagnostiziert wurde.

65 Kliniker aus 27 Ländern hätten aktuell knapp 900 Fälle zusammengetragen, berichtete Rubino. Neben erstdiagnostizierten Diabeteserkrankungen beinhalte das Register auch Fälle von schweren metabolischen Störungen eines bestehenden Diabetes, die im Zusammenhang mit COVID-19 aufgetreten seien.

Sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene erkrankten nach einer Infektion eher an einem Diabetes mellitus Typ 1 oder 2 als Personen ohne COVID-19 oder mit anderen respiratorischen Infektionskrankheiten, wie Daten aus verschiedenen Studien zeigten (Morbidity and Mortality Weekly Report, 2022; DOI: 10.15585/mmwr.mm7102e2 , Diabetologia, 2022; DOI: 10.1007/s00125-022-05670-0).

Es bleibt jedoch die Frage offen, was ursächlich dafür sein könnte. So habe die Pandemie selbst mit dem Lockdown und dem damit einhergehenden Übergewicht bereits einen Effekt auf Diabetesneuerkrankungen, erläuterte Rubino.

Ein weiterer indirekter Effekt, der nicht auf das Virus selbst zurückzuführen sei, sei der medikamentenindu­zierte Diabetes durch die Behandlung von COVID-19 mit Dexamethason. Zudem könnte ein bereits bestehen­der Diabetes im Rahmen eines stationären Aufenthaltes gegebenenfalls zwar neu diagnostiziert, aber nicht neu aufgetreten sein.

Daher wollen die Forschenden nun zwischen „Newly Diagnosed Diabetes“ und „True New Onset Diabetes“ unterscheiden. Eine Krankengeschichte ohne Hinweise auf einen vorbestehenden Diabetes zum Beispiel mit einem HbA1c von weniger als 6,5 % zu Beginn einer Infektion spräche dann für einen „True New Onset Dia­betes“, erläuterte Rubino.

Zudem werde registriert, ob der Diabetes länger als 3 Monate nach der Akutphase von COVID-19 bestünde. „Wir wollen sicherstellen, dass es sich um einen echten Diabetes handelt und nicht um eine temporäre Hyperglykämie,“ so Rubino.

Tatsächlich haben Forschende das Virus bereits im Pankreas nachweisen können, ergänzte Rubino: sowohl in Analysen post mortem als auch in vitro im Pankreasgewebe gesunder Spender.

Studienergebnisse wiesen darauf hin, dass SARS-CoV-2 die Betazellen des Pankreas infiltriere, die Insulinse­kretion senke und einen Untergang der infizierten Zellen auslöse. Wie in anderen Geweben auch gelange das Virus vermutlich über das Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2) und andere Proteine in das exokrine und das endokrine Pankreas. Dies habe sich unter anderem in einer 2021 im Nature veröffentlichten Studie gezeigt (DOI: 10.1038/s42255-021-00347-1).

Da sich ACE2 in verschiedensten Organen befände, sei es wahrscheinlich, dass eine SARS-CoV-2-Infektion auch über andere Mechanismen Diabetes auslöse, so Rubino. Infiltriere das Virus beispielsweise den Magen­darmtrakt, könnte auch darüber der Glukosemetabolismus beeinflusst werden (Molecular Systems Biology, 2020, DOI: 10.15252/msb.20209610). © mim/aerzteblatt.de

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