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Ärzteschaft

„Die heutigen Lieferengpässe sind meist auf Rohstoffmangel zurückzuführen“

Montag, 16. Mai 2022

Eschweiler – Wie gefährlich Lieferengpässe von Arzneimitteln werden können, hat Anfang des Jahres der Engpass bei dem Brustkrebsmedikament Tamoxifen gezeigt (, 19/2022). Doch auch andere Be­reiche des Gesundheitswesens haben mit beständigen Lieferengpässen zu kämpfen, zum Beispiel der Einkauf in Krankenhäusern. Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt () erklärt der Leiter des Ein­kaufs am St.-Antonius-Hospital Eschweiler, Michael Dischinger, wie häufig er mit Lieferschwie­rigkeiten konfrontiert ist, welche Artikel davon betroffen sind und wie der Einkauf mit den Engpässen umgeht.

Fünf Fragen an Michael Dischinger, St.-Antonius-Hospital Eschweiler

DÄ: Wie häufig erleben Sie in Ihrem Alltag Auswirkungen von Lieferengpässen?
Dischinger: Der Einkauf wird täglich mit Rückmel­dungen aus der Industrie konfrontiert, dass Produkte zurzeit oder auf unbe­stimmte Zeit nicht verfügbar sind. Rückmeldungen aus der In­dustrie erfolgen dabei leider meist erst nach einer aktiven Rück­frage von uns wegen ausstehender Lieferungen.

DÄ: Um welche Lieferengpässe handelt es sich dabei?
Dischinger: Engpässe erstrecken sich auf die gesamten medizini­schen Artikel­gruppen eines Krankenhauses. In den Anfängen der Pandemie ging es dabei zunächst um persönliche Schutzausrüs­tung, später auch um Nitrilhandschuhe sowie um Einmalinstru­mente im chirurgischen Bereich und um Spezialfilter.

Immer wieder kommt es punktuell zu Verzögerungen in der Nachlieferung von OP-Einmalabdeckun­gen, bei der Verfügbarkeit von Ersatzteilen für Medizintechnik oder Bauteile für Neuanschaffungen. Aber auch so einfache Dinge wie Kopier­papier können den Stressfaktor bei Lieferabsagen erhöhen.

DÄ: Hat die Zahl der Lieferengpässe in den vergangenen Jahren zugenommen?
Dischinger: In der Vergangenheit kam es immer wieder vereinzelt zu Lieferschwie­rigkeiten, jedoch waren wir in der Lage, auf alternative Produkte konkurrierender Unternehmen zurückzugreifen. Die heutigen Engpässe sind meist jedoch auf Rohstoffmangel der Produkte zurückzuführen. Somit haben auch wettbewerbende Unternehmen Probleme mit der Produktion.


DÄ: Wie sehr und in welcher Weise beeinflussen Lieferengpässe Ihren Alltag?
Dischinger: Circa 20 Prozent der Arbeitszeit nutzen wir dafür, um Redundanzen zu schaffen, um etwai­ge Engpässe auszugleichen. Der Beschaffungsprozess ist dabei geprägt von einer hohen Flexibilität. Und es bedarf auch beim Anwender Toleranz bezogen auf schwankende Produktartigkeiten.

DÄ: Was müssen Sie unternehmen, um den Auswirkungen der Lieferengpässe zu begegnen?
Dischinger: Wir müssen personelle Ressourcen schaffen, um den Markt verstärkt zu beobachten und für eine engere Korrespondenz mit den Lieferfirmen. Wir müssen Notbestände aufbauen und dafür Lager­möglichkeiten schaffen.

Das gestaltet sich jedoch oft schwierig, weil Engpässe kaum vorherzusehen sind beziehungsweise die Industrie keine Transparenz bietet. Dabei ist stets unser Ziel, dass der Patient eine Auswirkung von Lieferengpässen nicht zu spüren bekommt. © fos/aerzteblatt.de

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