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Leberentzündung unklarer Genese: Keine Hinweise für Verbreitung eines neuen gefährlichen Hepatitisvirus

Montag, 16. Mai 2022

/yodiyim, stock.adobe.com

Hamburg – Nach der gemeldeten Häufung von schweren akuten Leberentzün­dungen unklarer Ursache bei Kindern vor allem in Großbritannien läuft die Untersuchung dazu intensiv. Das Europäische Referenznetzwerk für seltene Lebererkrankungen (ERN RARE-LIVER) hat 33 Leberzentren aus 21 Ländern befragt. Danach lassen sich die alarmierenden Beobachtungen aus Großbritannien in anderen europäischen Ländern bisher nicht be­stätigen.

„Es gibt aktuell keine Hinweise für eine Verbreitung eines neuen gefährlichen Hepatitisvirus“, fasste Ansgar Loh­se die Ergebnisse zusammen. Es sei aber „gut vorstellbar“, dass sich durch den Lockdown und andere, in­ter­national vorgenom­mene Pandemieschutzmaßnahmen die Immunität bei Kindern gegen Alltagsviren verän­dert habe.

„In Einzelfällen kann dann eine normale Virusinfektion wie durch Adenoviren zu überschießenden Immun­re­aktionen führen. Dies scheint aber ein extrem seltenes Ereignis zu sein“, so der Direktor der Ersten Medizini­schen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte auf eine Zunahme von Berichten von schweren akuten Leber­entzündungen unklarer Ursache bei Kindern seit Januar 2022 aufmerksam gemacht. Bei mehreren Kindern war notfallmäßig eine Lebertrans­plantation notwendig geworden. Als mögliche Ursache für die akute Leber­entzündung wurden Adenoviren in die wissenschaftliche Diskussion gebracht.

„Wir beobachten eine niedrige Anzahl von Kindern mit einer Adenovirusinfektion in einer sehr viel größeren Gruppe von Kindern mit akutem Leberversagen. Wir erkennen diese klinische Entität mit akutem Leberversa­gen aus den Vorjahren und wissen, wie wir damit umzugehen haben“, sagte Ruben de Kleine von der Klinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Groningen.

Die Umfrage deute daraufhin, dass nur eine Minderheit der Patienten innerhalb der Gesamtgruppe der Kinder mit akuter Hepatitis tatsächlich eine Infektion mit Adenoviren aufweise.

„Die ersten Zahlen sind beruhigend, aber es ist wichtig, die weitere Entwicklung gut im Auge zu haben“, be­tonte Dominic Lenz, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg und Leiter der ERN RARE-LIVER Arbeitsgruppe Akutes Leberversagen. © hil/aerzteblatt.de

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