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Medizin

Einsamkeit hat während der Pandemie moderat zugenommen

Donnerstag, 19. Mai 2022

/pololia, stock.adobe.com

Mainz – Während der Coronapandemie ist das Gefühl der Einsamkeit weltweit angestiegen. Das berichtet eine Mainzer Arbeitsgruppe im Fachmagazin American Psychologist (DOI: 10.1037/amp0001005) nach einer Metaanalyse von 34 Studien aus 4 Kontinenten.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) warnt, Einsamkeit könne negative gesundheitliche Folgen haben. Ärzte und Therapeuten sollten Risikogruppen daher im Blick behalten, empfiehlt die Fachgesellschaft.

An den 34 in die Analyse einbezogenen Studien nahmen insgesamt 215.026 Menschen teil. Die meisten Untersuchungen wurden in Mittel- und Westeuropa (n = 23) oder in den USA und Kanada (n = 8) durchgeführt.

Von den Studien, die Vergleiche zwischen der Einsamkeit vor und während der Pandemie anstellten, berichtete nur 1 Studie über einen Gesamtrückgang, 18 über einen Gesamtanstieg und 8 über keine Veränderung.

Die Autorengruppen benannten ein niedrigeres Alter wie auch ein höheres Alter als Risikofaktoren. Weitere Variablen, die mit Veränderungen der Einsamkeit in Verbindung gebracht wurden, waren die Lebenssituation oder der Beziehungsstatus der Teilnehmer, das Geschlecht und die psychische Gesundheit. Frauen berichteten mit größerer Wahrscheinlichkeit über eine Zunahme der Einsamkeit als Männer.

Konkret ergab die Analyse für die Zeit der sozialen Einschränkungen einen Anstieg der Einsamkeit im Mittel um rund 5 %-Punkte.

Die These von der ‚Pandemie der Einsamkeit‘ ist damit sicherlich widerlegt“, erläutert die Erstautorin der Studie, Mareike Ernst von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz. Dennoch handle es sich um einen deutlich messbaren Anstieg, der nachteilige gesundheitliche Folgen haben könne, so Ernst.

Die Studie erweitert laut der Arbeitsgruppe das bisherige Wissen über Veränderungen der Einsamkeit während der Pandemie. Der beobachtete Anstieg müsse jedoch mit Vorsicht interpretiert werden:

Einerseits könne Einsamkeit als normale, nicht pathologische Reaktion auf sich verändernde Umstände betrachtet werden, und viele Menschen erlebten sie irgendwann in ihrem Leben. Andererseits hätten frühere Forschungen gezeigt, dass insbesondere anhaltende oder chronische Einsamkeit die psychische und physische Gesundheit gefährde – und die anhaltende Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen könnten die Bemühungen einsamer Menschen beeinträchtigen, wieder mit anderen in Kontakt zu treten. © hil/aerzteblatt.de

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