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„Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir klimaneutral werden können“

Dienstag, 24. Mai 2022

Nürnberg – Als erstes Ärztenetz Deutschlands hat sich das Nürnberger Gesundheits­netz „Qualität und Effi­zienz“ (QuE) eine Nachhaltigkeitsstrategie gegeben. Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) erklärt QuE-Vorstandsvorsitzender Andreas Lipécz, wie das Netz Klimaneutralität erreichen will, wie die Patienten darauf reagieren und in welchen Bereichen die Praxen Unterstützung von der Politik benötigen.

Fünf Fragen an Andreas Lipécz, Gesundheitsnetz QuE

DÄ: Herr Dr. Lipécz, weshalb hat sich das Gesundheitsnetz QuE eine Nachhaltigkeitsstrategie gegeben?
Lipécz: Wie auch der 125. Deutsche Ärztetag im November des letz­ten Jahres gezeigt hat, ist der Klimaschutz ein ausgesprochen drän­gendes Thema, mit dem sich jeder im deutschen Gesundheitswesen jetzt befassen sollte.

Denn – wie es die Delegierten formuliert haben: Klimaschutz ist Patientenschutz. Da wir die Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten schützen wollen, möchten wir auch unseren Beitrag dazu leisten, das Gesundheitswesen so bald wie möglich klimaneutral zu transformieren. Und dafür brauchen wir eine Nachhaltigkeitsstra­tegie.

DÄ: Welche Ziele verfolgt QuE mit dieser Strategie?
Lipécz: Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir drei Handlungsebenen identifiziert: Zunächst wollen wir dafür sorgen, dass unser QuE-Netzbüro in Nürnberg klimaneutral wird.

Dann wollen wir die 63 Arztpraxen in unserem Netz mit 117 Haus- und Fachärztinnen und -ärzten über den Klimaschutz informieren, um sie zu befähigen, selbst Treibhaus­gasemissionen einzusparen. Am Ende soll dann das ganze Netz klimaneutral sein.

DÄ: Wie wollen Sie diese Ziele erreichen?
Lipécz: Um Klimaneutralität für unser Netzbüro zu erreichen, arbeiten wir mit der Stiftung Wilderness International zusammen. Wir messen dabei unsere Treibhausgasemissionen und reduzieren, was wir redu­zieren können. Dafür stellen wir unseren sechs Büromitarbeitenden zum Beispiel Jobfahrräder zur Verfügung und ermöglichen ihnen eine kostenfreie Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Was wir nicht reduzieren können, kompensieren wir dann in Zusammenarbeit mit der Stiftung, die von dem Geld in Peru und Kanada Wälder kauft, um sie vor der Abholzung zu schützen.

Um unsere Mitgliedspraxen über den Weg zur Klimaneutralität zu informieren, arbeiten wir mit der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit, KLUG, zusammen. Gemeinsam mit KLUG führen wir in diesem Jahr zum Beispiel vier Informationsveranstaltungen durch. Die Themen sind „Klimawandel und Gesundheit“, „Hitze“, „Planetare Ernährung“ und „Nachhaltige Praxisführung“.

Wir haben in unserem Netz auch eine Versuchspraxis, in der wir das Einsparen von Treibhausgasemissionen ganz konkret umsetzen. Auf diese Weise lernen wir, wie es gehen kann. Dieses Wissen können wir dann mit den anderen Praxen teilen.

Zudem greifen wir das Thema bei unseren Qualitätszirkeln auf. Zuletzt ging es darum, wie man den Klima­wandel im Patientengespräch thematisieren kann. Das Interesse unserer Mitglieder war groß. Wir haben ohnehin das Gefühl, dass viele Ärztinnen und Ärzte nachhaltiger werden wollen – aber nicht in jedem Fall wissen, wie sie dabei vorgehen sollten.

DÄ: Greifen Sie das Thema auch in Ihren Verträgen mit den Krankenkassen auf?
Lipécz: Ja. Auch unsere Partner sind am Thema Nachhaltigkeit interessiert. Seit diesem Jahr besteht zum Bei­spiel die Möglichkeit für chronisch erkrankte Netzpatienten, im Rahmen unseres Besonderen Versorgungs­vertrags mit der Barmer einen jährlichen Medikamenten-Hitze-Check-Up in Anspruch zu nehmen.

Dabei überprüfen wir, ob die Patienten Arzneimittel einnehmen, die bei Hitze anders wirken. Zudem erklären wir ihnen, wie sie sich bei Hitze verhalten sollen. Für diesen Check-Up sind 15 Minuten vorgesehen.

Ohnehin sprechen wir auch mit unseren Patientinnen und Patienten über das Thema. Wir erklären ihnen, welche Auswirkungen es auf ihre Gesundheit hat, wenn sie sich klimafreundlich verhalten. So hilft es Patienten mit Rückenschmerzen zum Beispiel, wenn sie öfter mit dem Fahrrad fahren. Oder Diabetiker profitieren davon, wenn sie sich gesünder ernähren.

Die Patienten sind auch sehr offen für das Thema, zum Beispiel Asthmatiker. Asthma­sprays sind um ein Vielfaches klimaschädlicher als Pulverinhalatoren. Gerade junge Patienten sind froh darüber, wenn sie mit einer Umstellung auf Pulverin­halatoren das Klima schützen können.

DÄ: Inwieweit können die Mitgliedspraxen von QuE Nachhaltigkeitsziele von sich aus erreichen? Und inwieweit benötigen sie dabei externe Hilfe?
Lipécz: Einzelne Punkte kann jede Praxis alleine schaffen, zum Beispiel die Umstellung auf LED-Leuchten oder das Beziehen von Ökostrom. In anderen Bereichen brauchen sie aber Unterstützung von der Politik, zum Beispiel beim Recycling.

Die heutigen Hygienevorschriften führen zu sehr viel Abfall in den Praxen. Aus meiner Sicht sind viele dieser Vorschriften nicht notwendig. Da muss uns die Politik helfen, Abfall zu vermeiden.

DÄ: Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie Ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen werden?
Lipécz: Wenn man sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, versteht man, dass eine Transformation zur Klimaneutralität möglich ist – zumindest, wenn man die Kompensationen der Treibhausgase einbezieht, die man nicht weiter reduzieren kann. Vor diesem Hintergrund sind wir sehr zuversichtlich, dass wir klimaneutral werden können. © fos/aerzteblatt.de

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