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Politik

STIKO empfiehlt einmalige COVID-Impfung für Kinder ohne Vorerkrankungen

Dienstag, 24. Mai 2022

/Sura Nualpradid, stock.adobe.com

Berlin – Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt nun auch gesunden Kindern zwischen fünf und elf Jahren eine Coronaimpfung. Sie sollen im Unterschied zum Impfschema bei anderen Gruppen aber zunächst nur eine mRNA-Impfstoffdosis erhalten.

Bislang hatte die STIKO für diese Personengruppe keine Empfehlung ausgesprochen – allerdings konnten sie nach entsprechender ärztlicher Aufklärung geimpft werden, sofern Kind und Eltern beziehungsweise Sorge­berechtigten dies wünschten.

Die vollständige Empfehlung für die Fünf- bis Elfjährigen sieht laut dem heute erschienenen Epidemiologi­schen Bulletin des Robert-Koch-Instituts wie folgt aus:

- Kinder mit Vorerkrankungen sollen weiterhin eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen sowie eine Auffrischimpfung erhalten.

- Gesunde Kinder sollen eine Grundimmunisierung mit zwei Impfstoffdosen bekommen, wenn sich in ihrem Umfeld enge Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 befinden, die durch eine Impfung selbst nicht sicher geschützt werden können.

- Zusätzlich empfiehlt die STIKO jetzt allen anderen Kindern zunächst nur eine COVID-19-Impfstoffdosis. Ist der Zeitpunkt einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion bekannt, soll die Impfung frühestens drei Monate nach der Infektion verabreicht werden. Gesunde Kinder, die bereits eine zweimalige Impfung erhalten haben, sollen zunächst nicht erneut geimpft werden.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) weis heute auf die Entscheidungshoheit der Eltern hin. „Die Eltern müssen das frei entscheiden“, sagte er am Rande des 126. Deutschen Ärztetages in Bremen bei einer Pressekonferenz. Er schließe sich aber der Empfehlung vollumfänglich an und hoffe, dass die Impfung gut angenommen werden. Es dürfe aber kein Druck ausgeübt werden.

Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) begrüßten die neue Impfempfehlung, „da sie vorausschauend die weitere Entwicklung der Pandemie berücksichtigt“, wie die Gesellschaften mitteilten.

Besonders wichtig ist aus Sicht der Kinder- und Jugendmedizin die Verminderung der indirekten Folgen einer Infektion wie Isolation und Quarantäne. „Die psychologischen und psychosomatischen Auswirkungen dieser Maßnahmen während der Coronapandemie waren für Kinder und Jugendliche so belastend, dass es notwendig und angemessen erscheint, dies zukünftig mit allen Mitteln zu verhindern“, teilten die Fachgesellschaften und der BVKJ mit.

Auch Reinhard Berner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinik Dresden, begrüßte die Entscheidung – sie trage dazu bei in diesem Jahr nicht unvorbereitet in den Herbst zu gehen, sagte er auf einem Pressegespräch des Science Media Center.

Tim Niehues, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum Krefeld, wies auf das gute Sicherheitsprofil der Impfung hin. „So wie ich mich selber boostern lasse, würde ich auch den Eltern empfehlen, das bei den Kindern machen zu können und damit die Immunitätslage wahrscheinlich insgesamt zu verbessern“, sagte er.

Die Impfung der fünf- bis elfjährigen Kinder soll laut der STIKO vorzugsweise mit dem Vakzin Comirnaty von Biontech/Phizer erfolgen (zehn Mikrogramm). Die Verwendung von Spikevax (50 Mikrogramm) sei für sechs- bis elfjährige Kinder alternativ ebenfalls möglich.

„Da zu Spikevax aktuell ausschließlich Sicherheitsdaten aus der Zulassung vorliegen, empfiehlt die STIKO präferenziell die Impfung mit Comirnaty“, heißt es im Epidemiologischen Bulletin.

Die Einmalimpfung der Kinder ohne Vorerkrankungen soll laut Martin Terhardt, Kinder- und Jugendarzt und Mitglied der STIKO, eine Basisimmunität schaffen beziehungsweise verstärken, auf die mögliche weitere Maßnahmen im Herbst aufsetzen könnten.

Er wies daraufhin, dass laut Expertenmeinungen 70 bis 100 Prozent der Kinder bereits Kontakt mit SARS-CoV-2 hatten, zum Teil asymptomatisch. Die STIKO gehe aber davon aus, dass eine durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion allein nicht ausreiche, um spätere COVID-19-Erkrankungen zu verhindern.

„Ein solider Schutz vor Infektion und schwerer Erkrankung ist erst durch eine mehrmalige Auseinandersetzung mit dem SARS-CoV-2- Spikeprotein zu erlangen“, heißt es dazu im Epidemiologischen Bulletin.

Dies sei durch eine dreimalige Impfung oder durch eine Kombination von natürlicher Infektion und Impfung zu erreichen, also durch eine sogenannte hybride Immunität. Daher sollten auch Personen mit zurückliegenden SARS- CoV-2-Infektionen geimpft werden.

Die STIKO kündigte an, im Spätsommer oder bei Wiederanstieg der Infektionszahlen erneut zu prüfen, ob nach der dann vorliegenden Pandemielage eine Vervollständigung der Grundimmunisierung oder eine Boosteripfung bei Kindern notwendig werde.

In Deutschland waren mit Stand vom 20. April 2022 22,0 Prozent der fünf- bis elfjährigen Kinder einmalig und 19,1 Prozent zweimalig geimpft. © hil/dpa/afp/aerzteblatt.de

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