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Ausland

Maßnahmen gegen Affenpocken „dringend notwendig“

Montag, 23. Mai 2022

/picture alliance, CHROMORANGE, Michael Bihlmayer

Genf – Die wachsende Zahl von Infektionen mit Affenpocken in Europa und Nordamerika alar­miert Regierungen und Experten: Großbritannien registriert nach Behördenangaben „täglich neue“ Fälle, US-Präsident Joe Biden warnte vor „schwerwiegenden Folgen“, sollte sich die Krank­heit weiter ausbreiten.

Die Erkrankungen betrafen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hauptsächlich – aber nicht nur – Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben. Wegen der noch eingeschränkten Beobach­tungslage sei es sehr wahrscheinlich, dass Fälle in weiteren Bevölkerungsgruppen und Ländern auftauchen.

Nach Angaben der WHO wurden bis zum vergangenen Samstag mehr als 90 Infektionen in Län­dern bestätigt, in denen das West- und Zentralafrika heimische Virus normalerweise nicht auftritt. Jeweils ein neuer Fall traten am Wochenende in der Schweiz und Israel auf. Neben Griechenland meldete auch Österreich einen Verdachtsfall.

Allein in Großbritannien wurden bis Freitag 20 Fälle registriert, und am Wochen­ende dürften laut der leitenden medizinischen Beraterin der Gesundheitsbehörde UKHSA, Susan Hopkins, weitere hinzugekommen sein.

„Wir entdecken jeden Tag mehr Fälle“, sagte Hopkins dem Rundfunksender BBC. Das Virus werde vor allem in städtischen Gegenden übertragen, ohne dass die Fälle eine Verbindung zu West- oder Zentralafrika aufwiesen, wo die Infektion sonst beobachtet werde.

„Wir empfehlen allen, die regelmäßig wechselnde Sexualpartner haben oder engen Kontakt zu Personen haben, die sie nicht kennen, sich zu melden, wenn sie einen Ausschlag bekommen“, sagte Hopkins.

Infizierte könnten mit einem Pockenvakzin geimpft werden, sagte die Chefin der UK Health Security Agency (UKHSA). „Wir verwenden es bei Personen, von denen wir glauben, dass sie ein hohes Risiko haben, Symptome zu entwickeln“, sagte Hopkins.

„Wir verwenden es frühzeitig, insbesondere innerhalb von vier oder fünf Tagen, nachdem Symptome entwickelt wurden.“ Bei Kontaktpersonen werde dadurch das Risiko einer Erkrankung verhindert.

Wie in den anderen Ländern verbreitet sich die seltene Viruskrankheit nach ihren Angaben auch in Großbritannien, ohne dass die Betroffenen nach West- oder Zentralafrika gereist waren. Bei den meisten infizierten Erwachsenen seien die Symptome allerdings „relativ mild“.

US-Präsident Biden mahnte, die Menschen sollten sich vor einer Ansteckung in Acht nehmen. Zwar hätten ihn die Gesundheitsbehörden noch nicht vollständig über das Ausmaß der Verbrei­tung in den USA informiert, doch könnte eine Ausbreitung „schwerwiegende Folgen“ haben, sagte er bei einem Besuch in Seoul. „Wir arbeiten hart daran, herauszufinden, was wir tun können und welcher Impfstoff, wenn überhaupt, dafür zur Verfügung steht.“

Zu den Symptomen von Affenpocken gehören Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und ein Aus­schlag, der oft im Gesicht beginnt und dann auf andere Körperteile übergreift. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb weniger Wochen wieder.

Zentralafrikanische Virusvarianten sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) allerdings deutlich an­steckender als die westafrikanischen. Nach aktuellem Forschungsstand ist für eine Übertragung ein enger Körperkontakt erforderlich. Hopkins bestätigte Angaben der WHO, wonach sich bisher vor allem homo- oder bisexuelle Männer anstecken.

Es gibt keine spezifische Behandlung gegen Affenpocken. Allerdings wirkt die normale Pocken­impfung zu 85 Prozent vorbeugend. Nach Angaben des britischen Bildungsministers Nadhim Zahawi hat seine Regierung bereits damit begonnen, Vorräte an Pockenimpfstoff aufzukaufen.

Die WHO fordert am Wochenende eine Reihe von Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Affenpocken. Es sei „dringend notwendig“, das Bewusstsein für die Virenerkrankung zu erhö­hen, hieß es von der UN-Organisation in Genf. Außerdem müssten Fälle umfassend ausfindig gemacht und isoliert werden, sowie Ansteckungswege rückverfolgt werden.

Reisebeschränkungen oder Absagen von Veranstaltungen in betroffenen Ländern sind aus Sicht der WHO derzeit nicht notwendig. Die Organisation wies zwar darauf hin, dass es bei Massen­veranstaltungen zu Ansteckungen kommen kann, betonte aber auch, dass Vorsichtsmaßnahmen gegen COVID-19 auch gegen Affenpocken wirken. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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