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Ärzteschaft

KBV-Vize Hofmeister kritisiert Grippeimpfungen in Apotheken

Montag, 23. Mai 2022

KBV-Vize Stephan Hofmeister brachte ärztliches Dispensierrecht als Antwort auf Grippeimpfungen in Apotheken ins Spiel./Jürgen Gebhardt

Bremen – Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, setzt sich dafür ein, die Befugnis zum Impfen in den vertragsärztli­chen Praxen zu halten.

Bei der KBV-Vertreterversammlung in Bremen kritisierte er heute Vormittag die geplante Ver­stetigung von Grippeimpfungen in Apotheken und brachte das Arzneimitteldispensierrecht im Notdienst ins Gespräch.

Die Führung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) rühre schon länger kräftig die Werbetrommel für das Impfen in Apotheken und behaupte dabei immer wieder, dies wäre der Schlüssel, um die Impfquoten – insbesondere bei der Grippeschutzimpfung – deutlich zu steigern.

„Tatsächlich scheint diese PR-Masche jetzt verfangen zu haben“, erklärte Hofmeister. Denn am vergangenen Donnerstag hatte der Bundestag beschlossen, dass Apotheken ab dem Herbst grundsätzlich und bundesweit Grippeschutz­impfungen durchführen dürfen.

Hofmeister sieht das als unnütze Reform, die mehr spaltet als dass sie einen Mehrwert in der Versorgung bieten würde. Die Zahlen aus den Modellregionen, in denen Apotheken bereits Grippeschutzimpfungen anbieten dürfen, würden „arge Zweifel an der Euphorie“ wecken: So hätten sich dem Vernehmen nach in den vier Modellregionen gerade einmal 1.000 Menschen impfen lassen.

In der Modellregion Nordrhein – in der neben dem Saarland bereits am längsten in Apotheken gegen Influenza immunisiert werden darf – hätten sich in den vergangenen zwei Jahren zusammen gerade einmal 1.800 Menschen in Apothe­ken impfen lassen. In den Vertragsarztpraxen derselben Region seien es allein im zweiten Halbjahr 2021 rund 1,4 Millionen Menschen gewesen.

Auch das Argument der ABDA, es handele sich um ein „niedrigschwelliges Angebot“ für Menschen ohne Hausarzt oder Zeit, in die Praxis zu kommen, läuft demnach ins Leere. Denn die Ständige Impfkommission gebe eine klare Empfeh­lung, wer eine Influenzaimpfung erhalten sollte: in erster Linie Personen ab 60 Jahren, Schwangere und Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens.

„Gerade diese Menschen sind doch aber ohnehin in ärztlicher Behandlung und gerade für diese bedarf es einer Indikationsstellung durch einen Arzt“, betonte Hofmeister. „Eine Impfung ist kein Freibier!“ Aber auch umgekehrt hätten auch viele Apotheken nichts von den neuen Möglichkeiten, weil es ihre eigene Infrastruktur gar nicht ermögliche, ein Impfangebot zu machen.

Er wisse nicht, ob den Apothekern klar sei, „welches Ei ihnen hier ins Nest gelegt wurde“, sagte Hofmeister: Auch berufspolitisch sei es aus deren Sicht nämlich „mehr als fragwürdig, offensiv Aufgaben einer befreundeten Profession zu übernehmen“. Außerdem könnten Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz geweckt werden, denn auch die Versandapotheken könnten saisonal Impfstationen einrichten.

Ebenso in der Ärzteschaft selbst: Denn im Gegensatz zum Impfen in der Apotheke würde ein Arzneimitteldispensierrecht im ärztlichen Not- und Bereitschaftsdienst eine versorgungsrelevante Verbesserung darstellen.

Jeder, der schon einmal nachts zu einem kranken Patienten gerufen wurde oder der selbst ein akutes gesundheitliches Problem am Wochenende hatte, wisse nämlich, wie frustrierend es ist, wenn der Arzt gern ein Schmerzmittel oder Antibiotikum geben würde, aber leider nur ein Rezept ausstellen kann.

„Und dann muss der kranke Mensch, ein Angehöriger oder Nachbar erst einmal die notdiensthabende Apotheke suchen, um das Medikament dort zu holen – was vor allem auf dem Land schon mal das Überwinden größerer Entfernungen bedeuten kann“, erklärte Hofmeister.

Durch das Dispensierrecht für Ärzte – Hofmeister betonte, dass er nur bestimmte Fertigarzneimittel zum sofortigen Verbrauch meint – würde deshalb eine tatsächliche Versorgungslücke geschlossen werden.

„Das wäre eine echte Verbesserung im Sinne der Patienten“, sagte Hofmeister und betonte mit Blick auf die Brisanz des Themas Dispensierrecht in der Apothe­kerschaft: „Wir fragen uns, ob die ABDA-Führung ihre strategische Position wirklich zu Ende gedacht hat und plädieren dringend dafür, wieder den Schulterschluss zwischen den selbstständigen Arztpraxen und Apotheken zu suchen.“

Neben der Apothekerschaft übte Hofmeister auch deutliche Kritik am GKV-Spitzenverband: Der habe jüngst ein „Foulspiel“ gegenüber der KBV begangen, als er im Frühjahr 2021 die gemeinsam vereinbarten Rahmenvorgaben für die Wirtschaftlichkeitsprüfung ärztlich verordneter Leistungen aufgekündigt hat.

Nachdem die Neuverhandlungen Ende 2021 gescheitert sind, habe nun am 10. Mai die mündliche Verhandlung vor dem Bundesschiedsamt stattgefunden. Zwar liege die schriftliche Fassung des Schiedsspruchs noch nicht vor.

„Es zeichnet sich allerdings ab, dass eine undankbare Aufgabe auf Sie als KVen zukommt, indem die Auslegung zur Anwendung der Differenzschadensmethode bei Regressforderungen der Krankenkassen auf die regionale Verhandlungsebene verlagert wird“, kündigte Hofmeister an.

Immerhin sei der KBV bezüglich der Einführung von Bagatellgrenzen bei Einzel­fall­prüfungen eine Verbesserung gegenüber der aktuellen Situation gelungen. Die Vereinbarung einer solchen Bagatellgrenze sei für die regionalen Vertragspartner nun verpflichtend und müsse in angemessener Höhe erfolgen. Außerdem habe die KBV eine Verbesserung der Berücksichtigung von rabattierten Arzneimitteln bei regional vereinbarten Verordnungsquoten erreichen können.

Auch wenn das Verfahren damit in Teilen gut für die KBV ausgegangen ist, stelle das einseitige Aufkündigen eines seinerzeit gemeinsam erzielten Kompromisses die Zuverlässigkeit des Partners GKV in der gemeinsamen Selbstverwaltung in Frage. „Der GKV-Spitzenverband hat damit erreicht, dass wir uns künftig auch bei anderen Verhandlungsthemen unweigerlich fragen werden, ob seine Zusagen wirklich verlässlich sind“, erklärte Hofmeister. © lau/aerzteblatt.de

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