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Ärzteschaft

KBV-Vertreter­versammlung plädiert für Kurswechsel bei Digitalisierung

Montag, 23. Mai 2022

Delegierte der KBV-Vertreterversammlung bei der Abstimmung. /Jürgen Gebhardt

Bremen – Im Sinne der Patientenversorgung müssen die akuten Baustellen der Telematik­infra­struktur (TI) „schnellstmöglich“ behoben werden. Eine entsprechende Resolution beschlossen heute die Delegierten der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) einstimmig.

Neben der akuten Problemlösung gelte es, bei der Weiterentwicklung der TI-Strategie eine grundlegende Kurskorrektur vorzunehmen. Eine Vielzahl von Delegierten der KBV-Vertreterver­sammlung übte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an der Gematik und Gematik-Geschäfts­führer Markus Leyck Dieken.

Neben den zahlreichen technischen Problemen in den Praxen seien auch der Umgang und die Kommunikation seitens der Gematik „kaum zu ertragen“, sagte Pedro Schmelz, erster Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB).

Man könne sich „nicht ständig um die TI statt Patienten kümmern“, betonte Barbara Lubisch, erste stellvertretende Vorsitzende der KBV-Vertreterversammlung. Frank Dastych, Vorstandsvor­sitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), deutete an, dass ein Personalwechsel an der Spitze der Gematik ein positives und vertrauensbildendes Signal an Vertragsärzte und Vertragspsycho­therapeuten sein könne.

Drängendste TI-Probleme schnell lösen

Ein Schnellprogramm zur kurzfristigen Problemlösung müsse ein verbindliches Testkonzept für sämtliche Komponenten und Anwendungen der TI enthalten, schreiben die Delegierten in ihrer Resolution.

Sie sprachen sich zudem für einen Hersteller­gipfel im Bundesgesundheitsministerium (BMG) aus, in dessen Rahmen sich insbesondere die Anbieter der Dienste und Anwendungen auf eine rei­bungslose Implementierung der Anwendungen verpflichten sollten.

Das tagesaktuelle Onlinereporting der Gematik müsse um den Aspekt der TI-Fähigkeit sämtli­cher Praxisverwaltungssysteme im Hinblick auf die einzelnen Anwendungen erweitert werden. Dieses solle als Grundlage für alle weiteren Entscheidungen dienen.

Gefordert wird zusätzlich eine zentrale Infohotline der Gematik. Diese müsse in der Lage sein, schnell und konkret festzustellen, wo Problemursachen liegen und unmittelbar helfen.

Die Praxen bräuchten außerdem einen „reibungslos für sie organisierten und vollumfänglich finanzierten Austausch der Konnektoren“, heißt es in der Resolution. Ebenso notwendig sei mehr Unterstützung, um die neuen Anwen­dungen in den Praxisalltag zu integrieren.

Daher bedürfe es zweier Informations­kam­pagnen – einmal seitens der Hersteller mit CME-Punkten für die Praxen und einmal seitens der Krankenkassen zur Aufklärung ihrer Versicherten.

Über diese Punkte eines ersten Schnellprogrammes hinausgehend, forderten die Delegierten grundlegende Kurskorrekturen durch das BMG bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Die Gematik müsse zukünftig ihre Arbeiten in den Dienst der Versorgung stellen und unter ande­rem die Entwicklung der von ihr zugesagten TI 2.0 schnell in die Wege leiten.

Konsequenterweise müssten verbindliche Zulassungs- und Zertifizierungsre­gelungen entwickelt werden, nach denen die Gematik ihre klar definierte Verant­wortung und Aufgabe wahrnimmt – zwingend erforderlich sei zudem ein vernünftiger und realistischer Zeitplan zur Umsetzung der TI 2.0.

In einer weiteren Resolution zur Digitalisierung betonen die KBV-Delegierten, die niedergelas­senen Ärzte und Psychotherapeuten würden sich klar zu einer bedarfs­orientierten Digitalisierung bekennen. Eine solche Digitalisierung müsse aber die Versorgung der Patienten und die Arbeits­abläufe in den Praxen verbessern sowie der Entbürokratisierung dienen.

Die Gematik müsse in ihren Entscheidungen die Interessen ihrer Gesellschafter berücksichtigen und dürfe sie nicht übergehen. Beispielsweise sollten Modell­regionen nur in freiwilliger Verein­barung mit den Regionen selbst festgelegt werden können. Auch solle es bei Feldversuchen einen flächendeckenden Support seitens der Gematik sowie Anreize für eine flächendeckende Teilnahme geben.

Der KBV-Vorstand solle sich gegebenenfalls aus Prozessen der Gematik zurückzu­ziehen, wenn die genannten Eckpunkte sich in der Gesellschafterversammlung nicht durchsetzen lassen, hieß es. © aha/aerzteblatt.de

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