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Medizin

Echinokokkose: Deutschland meldet die meisten Erkrankungen in Europa

Mittwoch, 25. Mai 2022

/picture-alliance, OKAPIA KG, Germany, Dr.Gary Gaugler

Stockholm – Infektionen mit dem Hunde- oder Fuchsbandwurm sind seltener geworden. In Europa (EU/EWR) wurden zuletzt 529 Echinokokkosefälle gemeldet, darunter allein 152 aus Deutschland, wo damit die meis­ten Erkrankungen auftraten.

Bezogen auf die Bevölkerung ist die Erkrankung in der Balkanregion deutlich höher. Dort ist nach Einschät­zung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) von einer erheblichen Untererfassung auszugehen.

Die Echinokokkose tritt in 2 Formen auf. Die zystische Echinokokkose, die vom Hundebandwurm (E. granu­losus) ausgelöst wird, ist die gutartigere Variante. Die Zysten, die sich in Leber oder Lunge bilden, haben eine Neigung zur spontanen Remission.

Sicherer ist die operative Entfernung, die in der Regel gelingt. Die alveoläre Echinokokkose, die von Fuchs­bandwurm (E. multilocularis) verursacht wird, neigt zu einem infiltrativen Wachstum, das die operative Heilung erschwert. Wenn eine Entfernung nicht möglich ist, müssen die Patienten lebenslang mit einem Wurmmittel (Mebendazol, Albendazol) behandelt werden. Todesfälle sind möglich.

Die zystische Echinokokkose ist in Europa in der Mittelmeerregion und vor allem im Balkan endemisch, wo es infizierte Hunde gibt. In Deutschland gibt es kaum einheimische Übertragungen (die durch importierte Hunde aber möglich ist).

Die alveoläre Echinokokkose ist dagegen in Süddeutschland endemisch. Dort kommt es immer wieder zu Infektionen. Im Jahr 2020 traten von 46 alveolären Echinokokkosen 16 in Baden-Württemberg und 11 in Bayern auf.

Da bis zum Symptombeginn Monate oder Jahre vergehen, lässt sich der genaue Infektionsort in der Regel nicht ermitteln. Tatsache ist allerdings, dass Füchse im Süden Deutschlands nach wie vor mit E. multilocularis infiziert sind wie auch in Tschechien, Frankreich und der Schweiz.

Der Erreger scheint sich in den letzten Jahren sogar ausgebreitet zu haben. Da Füchse zunehmend auch in Städten unterwegs sind, ist auch hier im Prinzip eine Infektion möglich, etwa durch den Verzehr von kontaminierten Früchten.

Die Zahl der dokumentierten Erkrankungen ist gering. Laut dem Jahresbericht des ECDC wurden im Jahr 2020 in der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EWR) 529 bestätigte Echinokokkosefälle gemeldet. Davon wurden 243 Fälle auf E. granulosus und 114 auf E. multilocularis zurückgeführt. In 172 Fällen wurde die Spezies nicht gemeldet.

Dies ergibt eine EU/EWR-Melderate für 2020 von 0,15 pro 100.000 Einwohner, die damit niedriger ist als in den beiden Jahren zuvor (Inzidenz 0,17 für 2019 und 0,21 für 2018). Tatsächlich wurde 2020 die niedrigste Inzidenz der Echinokokkose seit Beginn der EU-Überwachung im Jahr 2007 gemeldet.

Fast die Hälfte der Erkrankungen wurde aus Deutschland (152 Fälle) und Bulgarien (95 Fälle) gemeldet. In Deutschland entfielen 70 Erkrankungen auf die zystische Echinokokkose, die überwiegend im Ausland erworben wurde (in 40 von 51 Fällen mit bekanntem Infektionsland).

Die alveoläre Echinokokkose wurde dagegen fast immer in Deutschland erworben (39 von 41 Fällen mit bekanntem Infektionsland). Die Inzidenzrate ist wegen der geringeren Bevölkerung in Bulgarien höher als in Deutschland (1,46 versus 0,18/100.000 Personen und Jahr).

Gerade bei der zystischen Echinokokkose, die klinisch latent bleiben kann, wird eine hohe Dunkelziffer vermutet. In einer Screeningstudie an fast 25.000 Personen in Bulgarien, Rumänien und der Türkei lag die Prävalenz von verdächtigen abdominalen Zysten bei 0,41 % in Bulgarien, 0,41 % in Rumänien und 0,59 % (0,19–1,85) in der Türkei.

Nach den in Lancet Infectious Diseases (2018; DOI: 10.1016/S1473-3099(18)30221-4) publizierten Ergebnissen könnte es allein in den beiden EU-Ländern etwa 45.000 zumeist unentdeckte Fälle geben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 28. Mai 2022, 16:10

Vgl. dazu "Fox and the city“

https://www.doccheck.com/de/detail/articles/12337-fox-and-the-city
Der Befall mit Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm), Erreger der alveolären Echinokokkose, oder Echinococcus granulosus (Hundebandwurm), Erreger der zystischen Echinokokkose wurde früher hauptsächlich bei Landwirten oder Jägern diagnostiziert. In der Region Ulm (Baden-Württemberg) sind auch Städter betroffen: Der Fuchs passt sich zunehmend dem Stadtleben an.

Kot der Tiere mit Bandwurmeiern findet sich dort auch häufiger in Sandkästen oder auf Gemüsebeeten und bleibt monatelang ansteckend. Deshalb ist die Großregion Ulm auch so eine Art „Epizentrum“ für Echinococcus-Untersuchung, -Diagnose und –Therapie an der dortigen Universitätsklinik: http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/comprehensive-infectious-diseases-center/home/fuer-patienten-und-angehoerige/behandlung-spezifischer-infektionen/echinococcus.html

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