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Medizin

COVID-19: Bei Krebspatienten lässt gute Impfstoffwirkung schneller nach

Dienstag, 24. Mai 2022

/Pitchy, stock.adobe.com

Oxford – Eine Impfung gegen COVID-19 erzielt bei den meisten Krebspatienten eine gleich gute Wirkung wie bei gesunden Menschen. Eine Ausnahme bilden Leukämie- und Lymphompatienten, bei denen die Immunre­aktion eingeschränkt ist.

Auch nach Radio- und Chemotherapie muss nach den Ergebnissen einer Test-negativen Fall-Kontrollstudie in Lancet Oncology (2022; DOI: 10.1016/S1470-2045(22)00202-9) mit einem verminderten Impfschutz gerechnet werden. Bei allen Krebspatienten war die Dauer der Schutzwirkung verkürzt.

Krebspatienten haben im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 ein erhöhtes Erkrankungs- und Sterberisiko. Sie gehörten deshalb zu den ersten Gruppen, denen eine Impfung angeboten wurde. Ob die Krebserkrankung die Schutzwirkung herabsetzt, wie dies aufgrund der häufig an den Kräften zehrenden Erkrankung befürchtet wurde, war lange unklar, da Krebspatienten von der Teilnahme an den Impfstoffstudien ausgeschlossen waren.

Das „UK Coronavirus Cancer Evaluation Project“ (UKCCEP) hat die Wirksamkeit jetzt in einer Test-negativen Fall-Kontrollstudie untersucht, wie sie auch zur Beurteilung der Grippeimpfung eingesetzt wird. Sie ver­gleicht die Häufigkeit von Infektionen bei geimpften und nicht geimpften Personen. Die Schutzwirkung ist umso höher, je weniger geimpfte Personen erkranken im Vergleich zur Zahl der Infektionen unter den ungeimpften Personen.

Grundlage war ein Abgleich der Impfregister mit einem Krebsregister. Die Berechnungen beruhen auf 42.882 Durchbruchinfektionen unter 377.194 Krebspatienten. Die Ergebnisse sind aufgrund des Einschlusses aller Krebspatienten aus England repräsentativ und wegen der hohen Teilnehmerzahl auch präzise mit engen 95-%-Konfidenzintervallen.

Das Team um Lennard Lee von der Universität Oxford ermittelt eine Impfstoffwirksamkeit von 65,5 % (65,1-65,9 %), die nur wenige %-Punkte niedriger war als in einer Kontrollpopulation, die alle getesteten Einwoh­ner des Landes umfasst. Dort lag die Impfstoffwirksamkeit bei 69,8 % (69,8-69,9 %).

Interessant ist der Vergleich der einzelnen Indikationen: Bei den meisten soliden Tumoren lag die Impfstoff­wirksamkeit bei über 60 %. Ausnahmen waren urologische Karzinome beim Mann und Tumore im Kopf-Hals-Bereich.

Eine mögliche Erklärung könnte die Anwendung von Chemo- oder Radiotherapien sein. Diese Behandlungen senkten die Schutzwirkung der Coronaimpfung auf 47,8 % und 46,3 %, wenn die Behandlung weniger als 12 Monate zurücklag.

Bei den hämatologischen Krebserkrankungen betrug die Schutzwirkung nur 39,0 % bei Lymphomen und 19,2 % bei Leukämien. Dies dürfte auf der Verdrängung der intakten Immunzellen beruhen, zu der es bei diesen Erkrankungen kommt. Auffallend war, das die Schutzwirkung bei Myelompatienten mit 68,4 % nicht vermin­dert war.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war der schnellere Verlust der Schutzwirkung. Nach 3 bis 6 Monaten war die Schutzwirkung bei den Krebspatienten auf 47,0 % gefallen während die geimpfte Allgemeinbevölkerung noch zu 61,4 % geschützt war.

Dieser Rückgang war auch bei dem Schutz vor COVID-19-assoziierten Krankenhausaufenthalten und Tod nachweisbar, wenn auch deutlich abgeschwächt. Die Schutzwirkung vor einer Hospitalisierung fiel von 84,5 % nach der 2. Dosis auf 75,6 % 3 bis 6 Monate später. Bei der Schutzwirkung vor einer tödlichen Infektion kam es nur zu einem Rückgang von 93,5 % auf 90,3 %. © rme/aerzteblatt.de

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