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Medizin

COVID-19: Studie findet hohe Krankheitslast durch Long COVID

Mittwoch, 25. Mai 2022

/Parradee, stock.adobe.com

Atlanta/Georgia – Im ersten Jahr nach einer überstandenen COVID-19 leidet jeder 5. Erwachsene im erwerbstätigen Alter unter mindestens einer mit Long COVID in Verbindung gebrachten Gesundheitsstörung.

Bei den Senioren war nach einer Fall-Kontrollstudie im Morbidity and Mortality Weekly Report sogar jeder 4. betroffen (MMWR, 2022; DOI: 10.15585/mmwr.mm7121). Häufig kam es zu chronischen Störungen wie Diabetes, Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen oder neurologischen Problemen, die eine lebenslange Behandlung erforderlich machen könnten.

Schon zu Beginn der Pandemie war aufgefallen, dass viele Patienten sich nur schleppend von der Erkrankung erholen. Die Symptome von Long COVID können vielfältig sein, und eine Zuordnung zur Infektion fällt oft schwer, da alle Symptome auch ohne voriges COVID-19 auftreten können.

Lara Bull-Otterson von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta und Mitarbeiter haben jetzt die „Cerner Real-World“-Datenbank ausgewertet. Sie umfasst die elektronischen Krankenakten von 63,4 Mio. Erwachsenen in den USA. Darunter waren 353.164 Erwachsene, die zuvor an COVID-19 erkrankt waren oder positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden.

Die Forscher haben das Auftreten von insgesamt 26 Gesundheitsstörungen im Zeitraum von 30 bis 365 Tagen nach der COVID-19-Diagnose mit jeweils 5 Kontrollpersonen verglichen, die sich wegen derselben Störung an einen Arzt gewendet hatten, ohne vorher an COVID-19 erkrankt gewesen zu sein.

Eine solche Fall-Kontrollstudie ist ein einfaches Instrument, um Erkrankungsrisiken zu ermitteln. Die CDC-Epidemiologen fanden heraus, dass die Ärzte bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren bei 35,4 % der früheren COVID-19-Patienten eine oder mehrere der 26 Störungen notiert hatten gegenüber 14,6 % in der Kontrollgruppe.

Die Differenz von 20,8 %-Punkten zeigt an, dass 1 von 5 Patienten unter einer Störung litt, die er ohne COVID-19 vermutlich nicht gehabt hätte. Bei den Senioren gaben 45,4 % nach COVID-19 und 18,5 % ohne COVID-19 eine Störung an. Die Differenz von 26,9 %-Punkten könnte bedeuten, dass etwa 1 von 4 Patienten ein Long COVID entwickelt hat.

Am häufigsten ließen sich Atemwegsbeschwerden auf COVID-19 zurückführen. Bull-Otterson ermittelt für eine akute Lungenembolie ein relatives Risiko (RR) von 2,2 für Senioren und von 2,1 für Patienten im Alter von 18 bis 64 Jahren. Atemwegssymptome traten ebenfalls mehr als doppelt so häufig auf wie in der Kontrollgruppe (RR 2,1 für beide Altersgruppen).

Bei Patienten im Alter ab 65 Jahren waren die relativen Risiken für alle 26 Symptome signifikant. Die RRs reichten von 1,2 (Substanzabhängigkeit) bis 2,2 (akute Lungenembolie). Bei Patienten im Alter von 18 bis 64 Jahren traten 22 der 26 Störungen signifikant häufiger auf. Die RRs reichten von 1,1 (Angststörungen) bis 2,1 (akute Lungenembolie).

Es gab Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen: Herzrhythmusstörungen waren bei jüngeren Erwachsenen (RR 1,7) häufiger als bei den Senioren (RR 1,5). Auch über Schmerzen im Bewegungssystem klagten jüngere Erwachsene öfter (RR 1,6 versus 1,4).

Bei den Senioren ging ein Long COVID eher mit Nierenversagen, thromboembolischen Ereignissen, zerebrovaskulären Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Muskelerkrankungen, neurologischen Erkrankungen und psychischen Erkrankungen (einschließlich Stimmungsstörungen, Angstzuständen und anderen psychischen Erkrankungen) und einer Substanzabhängigkeit einher.

Die Studie bestätigt frühere Untersuchungen, in denen die Inzidenz von Long COVID auf 20 % bis 30 % geschätzt wurde. Es ist allerdings möglich, dass die Zahlen die Bedeutung überschätzen.

Das mediale Interesse an der Störung könnte dazu geführt haben, dass sich Patienten nach COVID-19 eher wegen allgemeiner Beschwerden an einen Arzt gewandt haben, was in Fall-Kontrollstudien leicht zu einer Verzerrung führen kann.

Die Beteiligung einiger chronischer Störungen wie Typ-2-Diabetes, Nierenfunktionsstörungen oder Asthma lässt befürchten, dass Long COVID zu dauerhaften Einschränkungen der Gesundheit führen kann.

Angesichts von bisher schon mehr als 83 Mio. Erkrankungen in den USA könnte Long COVID zu langfristigen Belastungen für das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft führen, befürchtet Bull-Otterson. © rme/aerzteblatt.de

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