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Medizin

Typ-2-Diabetes beschleunigt Alterung des Gehirns

Donnerstag, 26. Mai 2022

/shidlovski, stock.adobe.com

Stony Brook, New York – Patienten mit einem Typ-2-Diabetes verlieren im Alter ihre kognitiven Fähigkeiten deutlich schneller als andere Menschen.

Dies zeigt eine Analyse der UK Biobank-Studie in eLife (2022; DOI: 10.7554/eLife.73138). Sie führt den Rückgang auf eine beschleunigte Atrophie der für kognitive Leistungen benötigten Hirnareale zurück.

Der Typ-2-Diabetes ist letztlich eine Störung der Energieversorgung. Denn die Insulinresistenz, die der Erkrankung zugrunde liegt, verhindert, dass Glukose in die Zellen gelangt. Besonders betroffen ist das Gehirn, da Nervenzellen auf Glukose als Energieträger angewiesen sind. Hinzu kommt, dass viele Typ-2-Diabetiker neben dem erhöhten Blutzucker weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder hohe Cholesterinwerte haben, die die Atherosklerose fördern, was die Durchblutung im Gehirn herabsetzt.

Ein Team um Lilianne Mujica-Parodi von der Stony Brook University School of Medicine im US-Staat New York hat die Zusammenhänge jetzt anhand der US-Biobank-Studie untersucht. In der Studie waren an 18.829 Personen im Alter vom 50 bis 80 Jahren ausführliche kognitive Tests durchgeführt worden. Untersucht wurden abstraktes Denken, exekutive Funktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Reaktionszeit und Zahlengedächtnis. Diese Fähigkeiten lassen im Alter nach.

Bei den exekutiven Funktionen, gemeint sind die Fähigkeiten Entscheidungen zu treffen, zielgerichtet zu handeln oder auch die kognitive Kontrolle von Impulshandlungen, kommt es normalerweise im Alter zu einem Rückgang um 1,9 % pro Jahr. Die Reaktionszeiten gehen um 1,5 % pro Jahr zurück.

Bei den 914 Typ-2-Diabetikern kam es allerdings zu einem um 13,1 % über das normale Altern hinaus gehenden Abfall der exekutiven Fähigkeiten. Der Rückgang in den Tests zur Verarbeitungsgeschwindigkeit fiel um 6,7 % stärker aus. Im numerischen Gedächtnis war der zusätzliche Rückgang mit 3,7 % geringer. Im abstrakten Denken gab es keine Unterschiede zu den Nicht-Diabetikern. Eine Metaanalyse, die die Ergebnisse aus früheren kleineren Studien zusammenfasste, kam zu ähnlichen Ergebnissen.

Magnetresonanztomografien, die bei 4.775 Teilnehmern der UK Biobank durchgeführt wurden, machten die neurobiologischen Korrelate sichtbar. Die Altersatrophie des Gehirns war bei den Typ-2-Diabetikern beschleunigt.

Am deutlichsten war der Unterschied im ventralen Striatum, das für die Exekutivfunktionen des Gehirns von großer Bedeutung ist. Bei den Menschen mit Typ-2-Diabetes kam es hier zu einem um 6,2 % stärkeren Rückgang der grauen Substanz als bei der normalen Alterung. Im Kleinhirn betrug der Unterschied zur normalen Alterung 4,9 % und im Putamen 4,7 %.

Auch diese Ergebnisse ließen sich in einer Metaanalyse früherer Studien bestätigen. Die Krankheitsdauer war mit einer erhöhten Neurodegeneration verbunden. Insgesamt könnte die graue Substanz bei Typ-2-Diabetikern im Alter um 26 % schneller zurückgehen als bei Nicht-Diabetikern, schreibt Mujica-Parodi.

Die Atrophie verstärkte sich mit der Dauer des Typ-2-Diabetes und zwar unabhängig von einer Behandlung mit Metformin. Die Senkung des hohen Blutzuckers mit dem Standardmedikament kann die beschleunigte Alterung danach nicht aufhalten. Bei Männern mit Typ- 2-Diabetes scheint die Atrophie übrigens schneller voranzuschreiten als bei Frauen. © rme/aerzteblatt.de

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