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Ärzteschaft

Länder sollen mehr Medizinstudienplätze schaffen, kaum Chance für Studiengang in Bremen

Donnerstag, 26. Mai 2022

/Jürgen Gebhardt

Bremen – Der 126. Deutsche Ärztetag in Bremen hat an die Bundesländer appelliert, die Zahl der staatlich finanzierten Medizinstudienplätze in Deutschland kurzfristig um mindestens 6.000 zu erhöhen. Dies sei not­wendig, „um den steigenden Versorgungsbedarf in einer Gesellschaft des langen Lebens zu decken“, hieß es gestern in einer Erklärung.

Zudem stehe die Ärzteschaft in Deutschland vor einer enormen Ruhestandswelle. Rund 20 Prozent der Ärztinnen und Ärzte scheiden demnach in den kommenden Jahren altersbedingt aus dem Berufsleben aus; unter den Kinder- und Jugendärzten gehen zwischen 2020 und 2025 sogar ein Viertel in den Ruhestand.

Die Ärztekammer Bremen (ÄKHB) hatte zuvor bereits dafür plädiert, in dem Bundesland einen Medizinstu­diengang zu etablieren. „Wir brauchen mehr ärztlichen Nachwuchs, denn der Ärztemangel macht sich auch in Bremen und Bremerhaven bemerkbar“, hatte ÄKHB-Präsident Johannes Grundmann zur Eröffnung des Ärzte­tags in Bremen erklärt.

Mit den kommunalen und freigemeinnützigen Kliniken und dem gut aufgestell­ten ambulanten Bereich biete die Stadt bereits heute sehr gute Ausbildungs­möglich­keiten auf Universitätsniveau, so Grundmann: „Erfah­rungsgemäß bringt die Medizinerausbildung einen gewissen Klebeeffekt bei den Studierenden. Dies wäre ein Gewinn für alle Versorgungsbereiche in Bremen“, sagte er.

Aus der Gesundheitsverwaltung in Bremen kommen dazu verhaltene Töne. „Ich will nicht ausschließen, dass ein Medizinstudiengang in Bremen einen Teil zur Lösung des Ärztemangels beitragen könnte. Allerdings kann ich hier zur Zeit keine Hoffnungen machen, dass das kurzfristig oder auch mittelfristig umgesetzt werden kann“, sagte Bremens Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, Claudia Bernhard, dem Deutschen Ärzteblatt.

Grund dafür seien fehlende Mittel: „Die Einrichtung und der Betrieb binden sehr viele Ressourcen, die wir nicht zur Verfügung haben, der Studiengang kann deswegen nur eine langfristige Perspektive bleiben“, sagte die Gesundheits­senatorin.

Die Stadt bemühe sich aber, an den Arbeitsbedingungen in Praxen und Kliniken etwas zu ändern, um kurz­fristig mehr Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen. Zum Beispiel richte Bremen demnächst das erste interdiszipli­näre Gesundheitszent­rum ein.

Hier sollen laut Bernhard auch Beratungsangebote sowie Sprach- und Kultur­mittler angebunden sind. „Au­ßer­dem sollen kommunale Medizinische Versorgungszentren entstehen, die Anstellungsmöglichkeiten für Ärztinnen und Ärzte in den Stadtteilen schaffen“, so die Senatorin. Dazu stehe man in engem Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen.

Die Delegierten des Deutschen Ärztetags forderten darüber hinaus, nicht nur mehr Studienplätze zu schaffen, sondern gleichzeitig auch endlich den Masterplan Medizinstudium 2020 umzusetzen. „Ein Ausbau der Kapa­zitäten ergibt nur Sinn, wenn gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass auch mehr Absolventinnen und Absolven­ten eine Weiterbildung in den Fächern abschließen, bei denen der größte gesellschaftliche Bedarf besteht“, betonten die Delegierten.

„Das ist insbesondere die Allgemeinmedizin.“ Mit dem Masterplan 2020 könne gewährleistet werden, dass die hausärztliche Medizin stärker im Medizinstudium verankert werde, sodass Studierende früher mit der haus­ärztlichen Versorgung in Kontakt kämen. © hil/afp/fos/aerzteblatt.de

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